Qualcomm meldet iPhone-Verkaufsverbot in China – Apple widerspricht

| Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Michael Eckstein

Verkaufsmotor stottert: Qualcomm will für einige Modelle von Apples wichtigstem Umsatzträger ein Verkaufsstopp erwirkt haben.
Verkaufsmotor stottert: Qualcomm will für einige Modelle von Apples wichtigstem Umsatzträger ein Verkaufsstopp erwirkt haben. (Bild: Apple)

Neue Runde im Patentstreit zweier Branchenschwergewichte: Qualcomm hat nach eigenen Angaben Verkaufsverbote für einige Apple iPhone-Modelle in China erwirkt. Apple entgegnete umgehend, dass das iPhone in allen Varianten in dem Land erhältlich bleibe.

China ist der zweitgrößte Absatzmarkt für den drittgrößten Smartphone-Hersteller. Ein Verkaufsstopp mehrerer iPhone-Modelle könnte Apple daher hart treffen. Kein Wunder also, dass ein Dementi auf Qualcomms Ankündigung nicht lange auf sich warten ließ. Es gehe lediglich um das mehr als ein Jahr alte iPhone-Betriebssystem iOS 11 – die aktuelle Version ist iOS 12. Damit würde das Verkaufsverbot ins Leere laufen.

Qualcomm hatte zuvor bekanntgegeben, ein Gericht in der Stadt Fuzhou habe die Verletzung von zwei Patenten des Chipkonzerns festgestellt. Daraufhin sei der Verkauf der Modelle iPhone 6S, 7, 8 inklusive der größeren Versionen dieser Modelle sowie des im vergangenen Jahr erschienenen Jubiläums-iPhone X untersagt worden.

Apple unter Druck

Das wäre der erste größere Erfolg für Qualcomm in dem seit mehr als einem Jahr dauernden Konflikt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die erst vor wenigen Wochen eingeführten Smartphone-Modelle iPhone XS, XS Max und XR offenbar nicht so gut wie erwartet in China verkaufen – zumindest nach Angaben einiger Analysten. Die neuen Modelle sind von dem Urteil nicht betroffen.

Angesichts eines zunehmend gesättigten Smartphone-Marktes und immer mehr Wettbewerbern prognostizieren mehrere Analysten einen mehrjährigen iPhone-Absatzrückgang. In den Fiskaljahren 2019 und 2020 wird Apple demnach „nur“ noch etwa 200 Mio. Einheiten absetzen können.

Dieser Ausblick wirkt sich auf Apples Börsenkurs aus. Zwar bestätigt Jim Suva, Analyst der Großbank Citigroup, in einer Aktienanalyse eine Kaufempfehlung für die Aktien von Apple. Gleichzeitig bezweifelt er jedoch, dass Apple seine nächsten Umsatzziele erreicht – und hat Apples Kursziel von 240 auf 200 Dollar zusammengestrichen. Wenn es ganz schlecht läuft, könne die Aktie gar bis auf 125 Dollar abstürzen. An der Nasdaq steht das Papier aktuell bei rund 165 Dollar. Das bedeutet: In nicht einmal drei Monaten hat der Techriese rund 30 Prozent an Wert eingebüßt – das entspricht ungefähr 330 Mrd. Dollar!

Modem-Technologie nicht im Fokus des Streits

Im aktuellen Patentstreit gehe es um Technologien, mit denen die Größe von Fotos angepasst werden könne, sowie zum Umgang mit Apps auf dem Touchscreen. Die Auswahl ist ein Affront gegen Apple: Der Konzern hatte sich die Touchscreen-Bedienung des iPhones seinerzeit in großem Umfang selbst patentieren lassen. „Wir werden alle unsere rechtlichen Optionen vor den Gerichten ausschöpfen“, erklärte der iPhone-Konzern. Angesichts prall gefüllter Bar-Reserven dürfte das für Qualcomm wie eine Drohung klingen.

Qualcomm beeindruckt das offenbar wenig: Der Chipskonzern hat auch vor deutschen Gerichten mehrere Klagen ein. Ziel ist es, auch hierzulande Verkaufsverbote zu erstreiten. Die nächste Entscheidung dazu steht am 20. Dezember in München an.

Zu hohe Gebühren Auslöser der Patentstreitigkeiten

Der Streit begann, als Apple Qualcomm mit dem Vorwurf verklagte, der Chipkonzern verlange zu hohe Gebühren für die Nutzung seiner Patente. Apple argumentiert, da der Chipkonzern keinen Festpreis, sondern einen Anteil vom Verkaufspreis der Geräte haben wolle, versuche er auf ungerechtfertigte Weise von Apples eigenen Innovationen zu profitieren.

Qualcomm bekommt seitdem kein Geld mehr von den iPhone-Auftragsfertigern – und wirft Apple seinerseits vor Gericht das Verletzen mehrerer Patente vor. Qualcomm ist vor allem bekannt als Anbieter von Prozessor-SoCs und Funkchips, beansprucht aber auch die Erfindung vieler anderer Technologien in Smartphones für sich.

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