Qualcomm lehnt Broadcom-Angebot ab: "Wir sind mehr wert!"

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Qualcomm hat das insgesamt 130 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeangebot durch den Konkurrenten Broadcom zurückgewiesen. Neben der Höhe der Offerte spielten auch regulatorische Bedenken eine Rolle.
Qualcomm hat das insgesamt 130 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeangebot durch den Konkurrenten Broadcom zurückgewiesen. Neben der Höhe der Offerte spielten auch regulatorische Bedenken eine Rolle. (Bild: dpa - Bildfunk)

Der Chipkonzern Qualcomm hat das 130 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot des Konkurrenten Broadcom zurückgewiesen. Der Preis sei zu niedrig angesichts der technologischen Führungsposition und der Wachstumsaussichten der Firma, erklärte der Qualcomm-Verwaltungsrat am Montag.

Es wäre die größte Akquise in der Geschichte der Tech-Industrie gewesen: Qualcomm hat das Übernahmeangebot seines Rivalen Broadcom nach einer Verwaltungsratssitzung am Montag abgelehnt.

Eine solche Reaktion war bereits erwartet worden, als Broadcom vor einer Woche seine feindliche Übernahme-Offerte vorlegte. Das Unternehmen bezifferte dabei das Angebot auf insgesamt 130 Milliarden US-Dollar. Für Qualcomm selbst werden dabei rund 105 Milliarden Dollar in einer Cash-Transaktion geboten. Die restlichen 25 Milliarden US-Dollar wären hingegen bestehende Schulden, die Broadcom ebenfalls übernehmen würde.

Qualcomm führte ebenso an, dass eine Übernahme dieser Größenordnung auf massiven Widerstand seitens internationaler Regulierungsbehörden stoßen dürfte. Qualcomm selbst ist derzeit in eine Reihe kartellrechtlicher Auseinandersetzungen verstrickt. Erst kürzlich strafte die Kartellaufsichtsbehörde von Taiwan Qualcomm wegen wettbewerbsfeindlichen Verhaltens ab. In den USA läuft ein weiteres Prüfverfahren gegen den Chiphersteller, dem sich auch Samsung und Intel angeschlossen haben. Und die geplante Übernahme des europäischen Wettbewerbers NXP hängt derzeit auch wegen einer eingehenden Prüfung durch die EU-Kartellaufsicht weiter in der Schwebe,

Broadcom möchte allerdings weiter an den Übernahmeplänen festhalten. Ein Sprecher sagte gegenüber der Presseagentur Reuters, dass das Unternehmen sich bemühen werde, mit dem Vorstand und dem Management von Qualcomm zusammenzuarbeiten. Es habe bereits positive Rückmeldungen von Schlüsselkunden und Aktionären erhalten. Ein guter Preis für Qualcomm läge laut Analysten derzeit etwa zwischen 80 und 85 US-Dollar pro Aktie. Broadcom sei allerrdings durchaus in der Lage, auch bis zu 90 US-Dollar pro Aktie zu bezahlen.

"Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass unser Vorschlag die attraktivste und wertsteigerndste Alternative für Qualcomm-Aktionäre darstellt, und wir sind durch ihre Reaktion ermutigt ", sagte das Unternehmen in einem offiziellen Statement.

Eine Übernahme durch Broadcom könnte Qualcomm zudem auch in dem andauernden Rechtsstreit mit dem ehemaligen engen Geschäftspartner Apple helfen. Anders als bei Qualcomm der Fall hegen Broadcom und Apple weiterhin sehr enge und freundliche Geschäftsbeziehungen.

Qualcomm ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikationschips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt das Unternehmen in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor und verdient Geld mit Patentlizenzen auf diverse Technologien.

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