Qualcomm heizt Streit mit Apple mit neuen Vorwürfen an

| Autor / Redakteur: Andrej Sokolow / Michael Eckstein

Drohendes Verkaufsverbot: Qualcomm wirft Apple Geheimnisverrat an Intel vor und will einen Verkaufsstopp für iPhones erzwingen.
Drohendes Verkaufsverbot: Qualcomm wirft Apple Geheimnisverrat an Intel vor und will einen Verkaufsstopp für iPhones erzwingen. (Bild: Apple)

Hat Apple Design-Geheimnisse von Qualcomm an seinen neuen Chip-Lieferanten Intel durchgestochen? Funk-Modem-Primus Qualcomm, dessen Produkte Apple nicht länger einsetzen will, wirft genau das dem Smartphone-Pionier vor.

Der Chip-Spezialist Qualcomm erhebt in seinem Dauerstreit mit Apple neue brisante Vorwürfe gegen den iPhone-Konzern. In einer aktualisierten Klage in Kalifornien heißt es, Apple habe vertrauliche Informationen von Qualcomm wie etwa Software-Code an den Konkurrenten Intel weitergegeben. Kommunikations-Chips von Intel haben in neueren iPhones inmitten des Streits entsprechende Technik von Qualcomm ersetzt. Apple kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

Qualcomm erklärt in der Klageschrift unter anderem, Apple-Mitarbeiter hätten Intel-Entwickler mit vertraulichen Qualcomm-Informationen versorgt, um die Leistung der Intel-Chips zu verbessern. Dies sei bereits seit mehreren Jahren so und dauere an. Apple weigere sich seit vergangenem Jahr auch, eine Prüfung zuzulassen, die untersuchen soll, ob sich der Konzern an die Vereinbarungen mit Qualcomm hält. Mit den Deals hatte Apple erstmals 2009 Zugang unter anderem zum Software-Code bekommen, um Qualcomm-Chips in einer Version des iPhone 4 zu verwenden. Qualcomm liefert in dem Dokument keine konkreten Beweise für die Weitergabe der Daten.

Reicht anonymer Online-Beitrag als Beweis?

Qualcomm verweist in der Klage unter anderem auf einen anonymen Online-Beitrag eines angeblichen ehemaligen Intel-Mitarbeiters, in dem von einem Zugriff auf Informationen des Konkurrenten die Rede war. Außerdem bezieht sich der Konzern auf Messungen, die gezeigt hätten, dass Kommunikations-Chips von Intel in iPhones zunächst langsamer als Qualcomm-Komponenten gewesen seien und dann aufgeholt hätten.

Die beiden Unternehmen sind bereits seit über einem Jahr in einen eskalierenden Konflikt verwickelt. Dieser begann mit einem Streit darüber, wie hoch Zahlungen für die Verwendung von Technologien sein sollten. Apple weigerte sich, an Qualcomm einen Prozentsatz vom iPhone-Preis zu bezahlen - mit der Begründung, dass es vor allem hauseigene Technologien seien, durch die die Nutzer bereit seien, viel Geld für die Telefone zu bezahlen. Qualcomm konterte, das sei die gängige Vorgehensweise bei Gebühren für Patentlizenzen.

Inzwischen werfen sich die Unternehmen auch gegenseitig vor, diverse Patente zu verletzen. Mehrere Verfahren laufen aktuell in Mannheim und München. Qualcomm strebt dort Verkaufsverbote für iPhones an. Der Konflikt setzt Qualcomm auch finanziell unter Druck, weil Milliardenzahlungen von Apples Auftragsfertigern ausbleiben. (dpa)

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