Mit JTAG/Boundary Scan der Zeit voraus

Prüftechnologie aus Jena für die weite Welt

| Autor / Redakteur: Matthias Müller * / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Drittes von vier Firmengebäuden am Standort Jena
Drittes von vier Firmengebäuden am Standort Jena (Bild: Göpel electronic)

25 Jahre nach der Gründung ist Göpel electronic heute - dank Pionier­arbeit, Innovationsorientierung und dem Mauerfall - ein führender Hersteller von Test- und Inspektionslösungen

Die Jahre 1990/91 waren in Deutschland, insbesondere in Mittel- und Ostdeutschland Zeiten des Um- und Aufbruchs. Als die Fachzeitschrift Elektronik Praxis gerade ihr 25-jähriges Bestehen feierte entschlossen sich mutige Ingenieure aus Jena das zu tun, was ihnen lange Zeit verwehrt blieb und gründeten ihr eigenes Unternehmen.

Hervorgegangen aus der Abteilung Mess- und Prüftechnik im Kombinat Carl Zeiss Jena ist Göpel electronic heute ein global führender Hersteller von Test- und Inspektionslösungen. Dem Fall der Mauer zum Dank. Die Nachwendezeit war nicht nur politisch, sondern auch technologisch die wohl prägendste und richtungsweisendste Zeit in der 25-jährigen Unternehmensgeschichte.

Holger Göpel als Gründervater und Namensgeber arbeitete schon viele Jahre als Abteilungsleiter im Forschungszentrum des VEB Carl Zeiss Jena. Das Kombinat galt seinerzeit als größter Arbeitgeber der Region, die meisten Jenenser waren auch "Zeissianer". Die circa 50 Mann starke Abteilung entwickelte rechnergesteuerte Prüftechnik für den internen Gebrauch bei Zeiss, bspw. auf Basis von Funktionstests, In-Circuit-Tests und anderen.

Mit JTAG/Boundary Scan der Zeit voraus

Im Rahmen seiner prüfstrategischen Arbeit stieß Holger Göpel auf ein innovatives Testverfahren namens "Boundary Scan", welches eine zukunftsträchtige Alternative bei geringer werdenden physischen Testzugriff auf Baugruppen war. Er begeisterte seine beiden Mitstreiter Manfred Schneider und Thomas Wenzel, diese Technologie unternehmerisch zu vermarkten.

Durch die politische und wirtschaftliche Umgestaltung des Landes eröffnete sich erstmals die Chance der Selbstständigkeit, was in der ehemaligen DDR reine Wunschvorstellung war. Am 17. Mai 1991 wurde die Firma Göpel electronic offiziell gegründet, wenig später wurden auch die ersten Mitarbeiter aus der ehemaligen Abteilung übernommen. Damit konnten Know-how und technische Expertise gebündelt werden, mit dem Ziel, die in Jena entwickelten Prüftechnologien auf der ganzen Welt anzubieten.

Zu Beginn waren neben Boundary Scan auch Produkte unter der Bezeichnung Prüftechnik-Engineering (PTE) eingeordnet. Dabei ging es um spezifische Testlösungen aller Art, ganz nach den Vorstellungen der Kunden. Doch als junges Unternehmen mit ostdeutschen Wurzeln war es nicht leicht, das Vertrauen und schließlich Aufträge der Kunden zu erhalten. Als ein Interessent nach den Referenzen der Jenaer fragte, antwortete Holger Göpel selbstbewusst: "Wenn Sie Mut haben, sind Sie die erste Referenz!". Nach und nach folgten weitere Aufträge.

Unterstützung dabei wurde nicht ausgeschlagen: Lothar Späth, in der schwäbischen Heimat "Cleverle" genannt, kam nach Jena und übernahm die Führung der Jenoptik GmbH, welche er auch später an die Börse führte. Mit seiner Aufbruchsstimmung und Kontakten in die alte Heimat sorgte er nicht nur für hochgekrempelte Hemdsärmel. Ein Gemeinschaftsauftrag zwischen Jenoptik und Göpel electronic für einen Ladenwaagen-Prüfaufbau war ihm zu verdanken. Die Innovationskraft sprach sich bald herum, nun war das Vertrauen auch im Rest der Republik angekommen.

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