VDE-Produktanalyse 2007

Prüfer bemängeln Sicherheit von Elektrogeräten aus Fernost

25.07.2007 | Redakteur: Claudia Mallok

Ungeeignetes Material und schlechte Sicherheitstechnik sind die gefährlichsten Schwachpunkte von Elektrogeräten
Ungeeignetes Material und schlechte Sicherheitstechnik sind die gefährlichsten Schwachpunkte von Elektrogeräten

Das VDE-Prüfinstitut warnt Verbraucher vor billigen und ungeprüften Elektroartikeln aus Fernost. Bemängelt wurden vor allem ungeprüfte Wasserkocher, Bügeleisen, Kaffeemaschinen und Toaster, die sämtlich im Handel erhältlich sind. Die Hälfte von 100.000 Produkten, die im Auftrag von Warenhäusern und Herstellern getestet wurden, fielen im ersten Anlauf durch. Sorge macht den Prüfern, dass aus China verstärkt Elektroartikel mit gefälschtem VDE-Zertifikat auf den hiesigen Markt kämen.

„Schnäppchenjagen kostet Sicherheit!“ Auf diese kurze Formel lassen sich wichtige Erkenntnisse der Produktanalyse 2007 des VDE-Instituts bringen. Allein 50% der Erstprüfungen an elektrotechnischen Produkten, die das VDE-Institut jährlich in seinen Labors in Offenbach testet, bestehen die Prüfanforderungen nicht. Die Sicherheit von elektrotechnischen Produkten ist zwar ein Kostenfaktor bei Herstellern und im Handel, doch gleichzeitig stellt das VDE-Institut fest, dass die Verbraucher zunehmend bereit sind, für Produkte mit ausgewiesener Sicherheit und Qualität mehr zu bezahlen.

74% der Verbraucher empfinden es nach einer VDE-Studie als wichtig, wenn Elektroprodukte von einer neutralen Stelle überprüft werden, und 63% beziehen die Auszeichnung eines elektrotechnischen Produktes mit einem Sicherheits-Prüfzeichen in ihre Kaufentscheidung ein. 82%, achten allerdings auf die Energieeffizienz von Geräten, die damit zum Verkaufsargument Nummer 1 geworden ist.

Weitaus mehr Sorgen als die Produkte, die sich den anerkannt strengen Anforderungen des VDE-Instituts stellen, machen den VDE-Experten allerdings die Billigprodukte vor allem aus Fernost, die ganz ohne Sicherheitsüberprüfung in den deutschen Markt kommen. Eigene Marktrecherchen des VDE-Instituts in den Verkaufsregalen von Handelsunternehmen haben ergeben, dass die Hersteller von Wasserkochern, Bügeleisen, Kaffeemaschinen oder Toastern häufig entweder ungeeignete Kunststoffmaterialien verwenden, die Sicherheitstechnik nicht ausreichend berücksichtigen oder an der Verarbeitung sparen.

Die häufigsten Mängel an Elektrogeräten

Die vom VDE Institut erstellte „Hitliste“ der häufigsten Mängel:

• fehlende oder mangelhafte Schutzleiterverbindungen, so dass Sicherungen nicht ausgelöst werden können;

• mangelhafte Konstruktion und Zuverlässigkeit eingesetzter ungeprüfter Bauteile wie Temperaturregler und Kondensatoren;

• zu geringe Sicherheitsabstände zu unter Spannung stehenden Teilen;

• Einbau ungeeigneter Kondensatoren, die nicht für die Betriebsbedingungen des jeweiligen Gerätes ausgelegt sind

nicht dauerhaftes Material von Kontakten in Schaltern und Temperaturreglern;

• Verwendung von Kunststoffmaterialien und Leiterplatten, die thermischen Belastungen nicht gewachsen sind und brandtechnische Anforderungen nicht erfüllen;

• Einsatz von Gehäusedichtungen, die Anforderungen an den Wasserschutz nicht erfüllen (z.B. undichte Außenleuchten und Pumpensteuerungen, die die Spritzwasserprüfung nicht erfüllen);

• mangelhafte Tischsteckdosen, die thermisch nicht belastbar sind und deren Leitungen schlecht angecrimpt sind

schlechtes Auslöseverhalten von Leitungsschutzschaltern;

funktionsuntüchtige Thermosicherungen, die bei Kurzschluss nicht auslösen;

• nicht normgerechte Glühfassungen, wodurch die Berührung des Schraubgewindes möglich wird.

Die genannten Mängel bergen Brandgefahr, Gefahr eines elektrischen Schlages, Explosionsgefahr sowie Funktionsstörungen in sich. Die in den letzten Jahren durch die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ gestärkte Nachfrage nach immer billigeren Produkten im deutschen Markt hat dem Thema „Sicherheit von elektrotechnischen Produkten“, so das VDE Institut, eindeutig geschadet.

Geräte aus China nutzen unberechtigt das VDE-Zeichnen

Zweites „Sorgenkind“ der VDE-Experten sind Missbrauchsfälle wie zum Beispiel die unberechtigte Benutzung des VDE-Zeichens auf mangelhaften Produkten, die zunehmend aus dem fernöstlichen Teil Asiens, insbesondere aus China, in den deutschen Markt kommen. Zwischen 2004 und 2006 hat das VDE Institut eine Verdreifachung der Missbrauchsfälle aus China verzeichnet.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, tritt das VDE-Institut selbst mit eigenen Überwachungsmaßnahmen wie Marktkontrollen, Beobachtungen und Messebesuchen entgegen. Wichtigstes Instrument der VDE-Prüfer zur Qualitätssicherung elektrotechnischer Produkte ist allerdings der Aufbau eines Qualitätssicherungssystems direkt vor Ort. Durch Aufklärungskampagnen, durch Inspektionsmaßnahmen und durch Qualitätssicherungsmaßnahmen setzen die VDE-Experten direkt beim Hersteller an.

Das VDE-Institut beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter, davon bereits 100 Mitarbeiter in Asien und führt jährlich 100.000 Tests durch für 7.000 Kunden. Weltweit gibt es derzeit rund 200.000 Produkttypen mit 1 Million Modellvarianten mit dem VDE-Zeichen. Mit 60 Prozent ausländischen Kunden, 50 weltweit gepflegten Partnerschaften und Inspektionsbüros in 44 Ländern ist das VDE Institut international gut aufgestellt. Mehr als 7.000 Fertigungsstätten hat das VDE-Institut damit unter seiner Beobachtung.

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posted am 25.08.2011 um 06:41 von Heinhorn


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