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Prothesen für Babys aus dem 3D-Drucker

| Autor: Margit Kuther

Ambionics-Projekt: Prothesen für Kinder weltweit, die sie bis ins Erwachsenenalter nutzen können
Ambionics-Projekt: Prothesen für Kinder weltweit, die sie bis ins Erwachsenenalter nutzen können (Bild: Ambionics/RS Components)

Als sein Sohn Sol gerade einmal zehn Tage nach seiner Geburt einen Arm verlor, kreierte Ben Ryan eine Prothese aus dem 3D-Drucker. Er wollte Sol den bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen.

Ben Ryan begann sofort damit, sich über Amputationen und Prothesen zu informieren.

Schon bald wurde ihm klar, dass es keine Armprothese für Sol gab, bevor er mindestens ein Jahr alt wäre.

Dies liegt am Wachstumsverhalten zu diesem frühen Zeitpunkt des Lebens – und selbst nach einem Jahr wäre ein künstlicher Arm rein kosmetisch, ohne Greif- oder Haltefunktion. Erst im Alter von drei oder vier Jahren würde man Sol mit einer funktionalen myoelektrischen Armprothese mit Batteriebetrieb versorgen können.

Die ersten drei Lebensjahre sind entscheidend

Ben Ryan war sich bewusst, dass die ersten drei Jahre die wichtigsten bei der Ausbildung der Lernfähigkeit eines Kindes sind und enorme Auswirkungen auf die sozialen und emotionalen Fähigkeiten haben. Darüber hinaus gibt es Erkenntnisse, dass Kinder, die nicht bis spätestens zum zweiten Lebensjahr mit einem funktionalen Arm versorgt werden, Prothesen eher ablehnen. Obwohl er kein gelernter Ingenieur ist, war Ben Ryan fest entschlossen, seinem Sohn zu helfen und Armprototypen zu entwickeln, die schon früher getragen werden können. Sein Ziel war es, ein leichtes, attraktives, individuell anpassbares Körperglied zu entwickeln, das mit einem 3D-Drucker hergestellt werden kann.

Bei der von Ben Ryan entwickelten Technologie wird eine Flüssigkeit für den Betrieb eines hydraulischen Greifmechanismus verwendet. Diese Idee ist inspiriert durch die Art und Weise, wie Spinnen ihre Beine mithilfe von Flüssigkeitsdruck bewegen.

Inspiriert von der Bewegung von Spinnen

Bei Ben Ryans Prototyp werden flüssigkeitsgefüllte Beutel in der Basis der Armprothese zusammengedrückt, um einen einfachen Greifmechanismus zu steuern, der es Sol ermöglicht, seine Handprothese zu nutzen. Mittlerweile ist Sol zwei Jahre alt und nutzt seinen hydraulischen Arm ohne Pro-bleme auch zum Greifen mit der Hand. „Er kann 90 Prozent der Dinge tun, die auch Kinder mit zwei Händen tun können. Ich will ihm helfen, damit er auch mit den 10 Prozent der Aufgaben klarkommt, die ihm schwer fallen“, sagt Ben Ryan. Er entwickelt den Arm kontinuierlich weiter und arbeitet derzeit insbesondere an der Funktionsweise des Daumens, um eine verbesserte Effektivität zu erreichen.

Weil Sol sich so schnell und mühelos an seinen neuen Arm gewöhnt hat, der sich enorm positiv auf sein Leben auswirkt, wurde Ben Ryan schnell klar, dass sein Konzept auch für viele Kinder in einer ähnlichen Situation überall auf der Welt eine enorme Verbesserung der Lebensqualität bedeuten könnte.

Er gab seine Arbeit als Lehrer auf und gründete das Unternehmen Ambionics, um seine Technologie zum Nutzen von Kindern weltweit weiter zu entwickeln.

Ambionics, Kinderprothesen aus dem 3D-Drucker

„Mein Ziel ist es, mit Ambionics Kindern überall zu helfen, sich an Prothesen zu gewöhnen und sie auch im Erwachsenenalter weiter zu nutzen. So früh wie möglich eine sichere Funktionsweise ohne Kleinteile und Batterien zu ermöglichen, ist der Schlüssel zum Erreichen dieses Zieles“, sagt Ben Ryan. Neben dem Faktor Sicherheit ist durch die Nutzung von 3D-Druckern und -Scannern eine enorme Reduzierung der Produktionskosten möglich geworden, so dass die Prothesen potenziell für Kinder in aller Welt zugänglich sind.

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