Project Silica: Microsoft und Warner speichern Film auf einem „Bierdeckel“ aus Glas

| Redakteur: Julia Schmidt

Project Silica ist ein Forschungsprojekt von Microsoft in Kooperation mit der Universität von Southampton. Auf einer Glasscheibe, die nicht größer als ein Untersetzer ist, wurde im Rahmen des Projekts ein kompletter Spielfilm mittels ultraschneller Laseroptik gespeichert.
Project Silica ist ein Forschungsprojekt von Microsoft in Kooperation mit der Universität von Southampton. Auf einer Glasscheibe, die nicht größer als ein Untersetzer ist, wurde im Rahmen des Projekts ein kompletter Spielfilm mittels ultraschneller Laseroptik gespeichert. (Bild: BRRT / Pixabay)

Im Rahmen von Projekt „Silica“ haben Microsoft und Warner Bros. zusammengearbeitet, um den gesamten Film „Superman“ von 1978 auf einem Glasstück von der Größe eines Bierdeckels zu speichern und abzurufen. Der entstandene Datenträger sei besonders unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen und daher insbesondere für Archivierungen geeignet.

Vor 6 Jahren stellten Forscher des Optoelectronic Research Centre (ORC) der Universität von Southampton erstmals in einer Machbarkeitsstudie ein revolutionäres neues Speicherkonzept vor. Mittels eines Femtosekundenlaser sollte dabei ein nanostrukturiertes Quarzglas beschrieben werden. 2016 hatten die Wissenschaftler das Verfahren so weit verfeinert, dass die Daten zuverlässig aufgezeichnet und abgerufen werden konnten. Man suchte nach nach interessierten Partnern aus der Industrie, um die Technologie weiter zu verfeinern und zu vermarkten. Die wurden offensichtlich gefunden.

Am Montag gab Microsoft auf dem hauseigenen News-Blog „Innovation Stories“ bekannt, dass es gelungen sei, den kompletten Film „Superman“ (1978) von Warner Bros. auf einen Glasstück in der Größe eines Bierdeckels zu speichern. Es war nach Angaben von Microsoft der erste Proof-of-Concept-Test für das Projekt „Silica“, dass in Zusammmenarbeit mit der Universtät von Southampton ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden die jüngsten Entdeckungen in der ultraschnellen Laseroptik und Künstlichen Intelligenz genutzt, um die Daten im Quarzglas zu speichern. Ein Laser kodiert dabei die Daten, indem er Schichten von Nanostrukturen wie dreidimensionale Gitter und Verformungen in verschiedenen Tiefen und Winkeln im Glas erzeugt. Machine-Learning-Algorithmen lesen die Daten aus, indem sie die Bilder und Muster dekodieren, die entstehen, wenn polarisiertes Licht durch das Glas scheint.

Unempfindlich gegenüber hohen Temperaturen und magnetischen Einflüssen

Anders als herkömmliche Speichermedien soll die Quarzglas-Scheibe hohen Temperaturen, Überschwemmungen und anderen Umweltbedrohungen sowie magnetischen Einflüssen standhalten. Damit würde sich die Methode vor allem für Daten aus historischen Archiven oder für kulturelle Schätze eignen, schreibt Microsoft-Managerin Jennifer Langston. Die Lagerung des gesamten Superman-Films in Glas sei ein wichtiger Meilenstein, sagte Microsoft-Manager Mark Russinovich. „Ich sage nicht, dass alle Fragen vollständig beantwortet wurden, aber es sieht so aus, als wären wir jetzt in einer Phase, in der wir an der Verfeinerung und dem Experimentieren arbeiten, statt die Frage zu stellen: ‚Können wir es tun?‘“

Das Film-Studio Warner Bros. hat demnach schon seit Jahren nach Möglichkeiten gesucht, um ihren wertvollen Film-Bestand auf Speichermedien zu schützen, die Hunderte von Jahre halten und nicht ständig aktualisiert werden müssen. Die neue Speichertechnik und die jüngsten Erfolge präsentiert Microsoft am Montagabend auch auf seiner Entwicklerkonferenz Ignite in Orlando (Florida). (Mit Material von dpa)

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