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Mikroelektronik-Trendanalyse gibt Ausblick bis 2011 Prognosen für Industrie- und Kfz-Elektronik in Deutschland

Redakteur: Claudia Mallok

Die jährliche Mikroelektronik-Trendanalyse des ZVEI bietet einen einzigartigen Überblick über langfristige Markttrends und Entwicklungen in den verschiedenen Weltregionen. Da die Halbleiter am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, lassen sich aus deren Verbrauch wichtige Schlussfolgerungen für die nachgeschalteten Industriezweige ziehen. In der aktuellen Ausgabe bis 2011 geben drei Experten Ein- und Ausblicke auf die für Deutschland wichtigen Branchen Industrie- und Kfz-Elektronik.

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Die Industrie-Elektronik entwickelt sich neben der Kfz-Elektronik in Deutschland zunehmend zum Wachstumstreiber. Quelle: Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2011 des ZVEI
Die Industrie-Elektronik entwickelt sich neben der Kfz-Elektronik in Deutschland zunehmend zum Wachstumstreiber. Quelle: Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2011 des ZVEI
( Archiv: Vogel Business Media )

„1985 machte der Anteil elektronischer Systeme an den gesamten Produktionskosten eines mittleren Pkw 3% aus und der Halbleiteranteil betrug 1%. Danach nahm deren Wertanteil stetig zu und liegt heute bei etwa 22% des Produktionswertes eines Pkw für elektronische Systeme und 12% für Halbleiter. Mitte der Dekade 2020 soll der Halbleiteranteil etwa 65 bis 70% erreichen.

Der Wertanteil aller elektronischen Steuerungen im Fahrzeug wird bis dahin auf etwa 30% und der der Halbleiter auf über 20% der Produktionskosten gestiegen sein“, schätzt Dr. Ulrich Schaefer in der jüngsten Mikroelektronik-Trendanalyse. Sowohl die hohen Forderungen zur Luftreinhaltung und Reduzierung des Treibstoffverbrauchs als auch der heute übliche Standard des Insassenschutzes könnten ohne moderne Halbleiter nicht annähernd erreicht werden.

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Beides wird in der Zukunft noch erheblich verbessert werden. Hierfür sorgen Systeme, die sich noch in der Markteinführung oder sogar noch im Entwicklungsstadium befinden, Beispiel: Benzindirekteinspritzung. Aber auch bei der Sicherheit für Personen lassen sich mit Systemen wie der Fahrer-Assistenz immer noch erhebliche Verbesserungen erreichen.

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Da die Ausstattung der Kraftfahrzeuge mit elektronisch gesteuerten Systemen in den nächsten fünf Jahren noch deutlich zunehmen wird, erwartet der Experte jährliche Steigerungsraten für Mikroelektronik im Kraftfahrzeug von 12%. Obwohl in Asien bereits 2004 deutlich mehr Kraftfahrzeuge produziert wurden als in Japan, ist die zugehörige Elektronikproduktion dort trotzdem am niedrigsten und wird dies trotz der sehr hohen Wachstumsraten auch im betrachteten Zeitraum bleiben.

Zwei Gründe sind wesentlich: Erstens zumindest bis 2011 wird noch ein großer Teil der in Asien in die Fahrzeuge eingebauten Elektronik aus Japan und Europa und hier insbesondere aus Deutschland importiert. Die großen japanischen und deutschen Autofirmen rüsten ihre im Ausland produzierten Fahrzeuge mit Elektronik aus den jeweiligen Heimatländern aus.

Autoindustrie war 2006 der größte Abnehmer von Halbleitern in Deutschland

Zweitens: die asiatischen Fahrzeuge haben einen wesentlich niedrigeren Ausstattungsgrad an elektronischen Geräten. 2006 war die Automobilindustrie in Deutschland der größte Abnehmer von Halbleitern und hat damit die Datenverarbeitung vom ersten Platz abgelöst. Der Experte erwartet, dass der Anteil der Automobilelektronik in 2007 den Anteil am Gesamtmarkt in Deutschland noch um 1 bis 2% zulegt.

Üblicherweise teilt man die Kraftfahrzeugelektronik in sechs verschiedene Anwendungsbereiche, die sich sehr unterschiedlich entwickeln. Den größten Anteil macht der Antriebsstrang aus, zu dem u.a. das Motormanagement und die Getriebesteuerung gehören. Treibendes Element sind hier insbesondere in Europa neben der stark weiter wachsenden Zahl von Dieselfahrzeugen mit aufwändiger Steuerung die neuen Benzinmotoren mit Hochdruckdirekteinspritzung.

Größtes Wchstum wird für die Segmente Insassenschutz und Chassis erwartet

Das größte jährliche Wachstum ist für die Bereiche Insassenschutz (13,8%) und Chassis (12,2%) zu erwarten, gefolgt von Karosserieelektronik (11,6%), Informationssystemen (11,0 %) und Systemen gegen Diebstahl (10,2%). Das starke Wachstum beim Insassenschutz wird ganz besonders durch einen höheren Ausstattungsgrad der Fahrzeuge mit Rückhaltesystemen wie Airbags getragen. Gleichzeitig werden diese immer aufwändiger, da sie die Größe und Sitzposition der Fahrzeuginsassen erkennen können und dementsprechend den Auslösezeitpunkt bei einem Unfall berechnen.

Systeme zur vorbeugenden Sicherung gegen Unfälle (Rundumsicht- und Fahrer-Assistenz-Systeme) werden in den kommenden fünf Jahren noch keine größere Verbreitung finden. Großes Wachstum zeigen auch Systeme, die ebenfalls, wenn vielleicht auch nur indirekt, dem Personenschutz dienen wie verbesserte Bremssysteme und Systeme zur Fahrzeugstabilisierung (ABS, ASR, ESP).

Elektronik hilft Treibstoffverbrauch zu senken und Schadstoffgehalt von Abgasen zu reduzieren

„Grundsätzlich muss man feststellen, dass sich der Einsatz von elektronischen Systemen in der Zukunft verändern wird“, betont Schaefer. Weit über dem Durchschnitt liegendes Wachstum ist vor allem immer dort zu erwarten, wo entweder gesetzliche Bestimmungen den Einsatz von elektronischen Systemen erzwingen, wie beispielsweise im Umweltschutz, wo die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer verbessert werden kann oder wo rein mechanische oder hydraulische Lösungen durch elektromechanische ersetzt werden, da diese immer eine relativ aufwändige elektronische Steuerung voraussetzen. Aber auch Steuerungen, die den Treibstoffverbrauch direkt reduzieren bzw. den Schadstoffgehalt des Abgases verringern sind auf der „Hitliste“ zu finden.

Industrieelektronik hat das Potenzial zum Wachstumstreiber

(Archiv: Vogel Business Media)

Der globale Mikroelektronik-Markt für Industrieanwendungen hat mit 22,0 Mrd. US-$ in 2006 eine dem Mikroelektronik-Weltmarkt für Anwendungen im Kraftfahrzeug (2006: 19,1 Mrd. US-$) vergleichbare Größe. Zwischen den Regionen und auch in Deutschland zeigen sich allerdings deutliche Größenunterschiede. Während der europäische Mikroelektronikmarkt für Kfz führend ist und auch bleiben wird, liegt Asien/Pazifik bei Mik-roelektronik für Industrieanwendungenmit 36% Anteil in 2006 deutlich an der Spitze; gefolgt von Japan mit 25%, Europa mit 23% und Amerika mit 16%. In Deutschland lag der Marktanteil für Halbleiter in Industrieanwendungen 2006 bei 14%; 2007 dürfte er sich auf 15% erhöht haben. Im Zeitraum 2006 bis 2011 könne der dieser Markt pro Jahr im Mittel um rd. 7,5% zulegen und damit 2011 ein Volumen von 31,6 Mrd. US-$ erreichen.

„Asien/Pazifik wird wegen seines überdurchschnittlichen Wachstums von gut 10% weitere Marktanteile hinzugewinnen können (Marktanteil 2011: 42%), während die restlichen Regionen – auch Europa – Weltmarktanteile verlieren werden, sollten sie den Industriemarkt in den kommenden Jahren nicht als einen Wachstumstreiber identifizieren und sich darin stärker engagieren“, schätzt Dr. Barbara Schaden.

Mikroelektronikweltmarkt für Industrieanwendungen wird in zehn Applikationssegmente unterteilt

Die Expertin unterteilt den Mikroelektronikweltmarkt für Industrieanwendungen in zehn Applikationssegmente. Den größten Anteil am Weltmarkt mit 19% hielt 2006 die Gebäudetechnik (Sicherheitsbeleuchtung in Gebäuden, Haus-, Heizungs-, Klima-, Kälte- sowie Lüftungstechnik, Aufzüge und Rolltreppen, Überwachungskameras und Luftbefeuchtungsanlagen). Die Automatisierungstechnik liegt mit einem Anteil von 18% an zweiter Stelle.

Für dieses reifere Marktsegment wird gemittelt bis 2011 ein unterdurchschnittliches Wachstum erwartet. Den dritten Platz nehmen mit 11% Anteil am Weltmarkt die Halbleiter für Antriebstechnik ein, die in den kommenden Jahren stetig und solide wachsen soll.

Ein weiteres Zehntel des Marktes entfällt auf das Applikationssegment Gewerblicher Transport & Verkehr zu dem u.a. Lastkraftwagen, Busse, Schienenfahrzeuge oder Gabelstapler zählen. Mit je 9% Marktanteil folgen Elektronische Bezahlsysteme, Automatentechnik & Identifikation (Geldausgabeautomaten, Scanner, Drucker und Chipkarten) und die Medizintechnik & Diagnostik (digitale Hörgeräte und Fitnessgeräte).

Zur Energie- und Stromerzeugung/-versorgung zählen u.a. Generatoren und erneuerbare Energien). Der Weltmarktanteil hierfür liegt bei 7%. Es fehlen noch die Messtechnik mit 5% und die Gesundheit (medizinische Kleingeräte wie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte sowie elektronische Fieberthermometer) mit 4% Weltmarktanteil in 2006. Unter „sonstiges“ wird verbucht, was sich nicht direkt einem Applikationssegment zuordnen lässt, wie elektronische Werbetafeln und Spielautomaten.

Gesundheit und Medizintechnik sind ein wichtiger Markttreiber

(Archiv: Vogel Business Media)

Zu den fünf Applikationen die bei einem Mikroelektronik-Marktvolumen größer 50 Mio. US-$ im Jahr 2006 bis 2011 ein mittleres jährliches Wachstum größer 15% erwarten lassen, zählen verschiedene Arten von Herzschrittmachern, erneuerbare Energien sowie Industrienetzwerk-Ausrüstung.

Markttreiber insbesondere in Gesundheit und Medizintechnik & Diagnostik sind die alternde Gesellschaft, Sparzwänge in den staatlichen Gesundheitssystemen sowie ein verändertes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung.

Zudem werde die Verknappung natürlicher Ressourcen, die Suche nach energieeffizienten Lösungen forcieren. Schaden: „In puncto Umwelttechnik wurde Deutschland regelmäßig eine Spitzenposition im internationalen Wettbewerb attestiert. Umweltschutz impliziert die Suche nach energieeffizienten Lösungen sowie nach alternativen Energien und treibt damit auch den Industriemarkt an.“

Ebenfalls ungebrochen scheint die Forderung nach Mobilität; sinkende Transportkosten tun hierzu ein Übriges. Weiter steigende Mobilität immer größerer Bevölkerungsteile erhöht u.a. die Nachfrage nach intelligenten Verkehrsleitsystemen und auch nach alternativen Transportmethoden.

Die Mikroelektronik-Trendanalyse enthält viele weitere Grafiken zur Entwicklung des Marktes für Kfz- und Industrieelektronik. Interessenten können das Kompendium über den unten stehenden Link bestellen.

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