Suchen

Produktionsstopps und Bürokratie lähmen Cybersicherheit in der Industrie

| Redakteur: Sebastian Gerstl

In Unternehmen, die kritische Infrastrukturen betreiben, sollte Cybersecurity eine Schlüsselrolle spielen. Doch auch 2020 geht hier deren Ausbau eher schleppend voran, wie eine Kaspersky-Studie zeigt. Die meisten Unternehmen scheuen demnach die Notwendigkeit eines Produktionsstopps bei einer Security-Implementierung.

Firma zum Thema

Die von Kaspersky und der ARC Advisory Group durchgeführte Studie zum "State of Industrial Cybersecurity in the Era of Digitalization" deutet an: Auch in Unternehmen, die kritische Infrastrukturen betreiben, wird Cybersecurity oft nur schleppend umgesetzt.
Die von Kaspersky und der ARC Advisory Group durchgeführte Studie zum "State of Industrial Cybersecurity in the Era of Digitalization" deutet an: Auch in Unternehmen, die kritische Infrastrukturen betreiben, wird Cybersecurity oft nur schleppend umgesetzt.
(Bild: Kaspersky)

Wo liegen derzeit die größten Hindernisse bei der raschen Umsetzung von Cybersicherheitsprojekten im industriellen Umfeld? Dieser Frage ging die aktuelle internationale Kaspersky-Studie „State of Industrial Cybersecurity in the Era of Digitalization" nach. Das Ergebis zeigt: Das am häufigsten genannte Hindernis in Europa (40%) als auch weltweit (34%) ist die Notwendigkeit eines Produktionsstopps bei einer Security-Implementierung. Viele Unternehmen können oder wollen sich einen solchen tiefgreifenden, oft teuren Schritt nicht leisten. Auch die Einbindung zu vieler Entscheidungsträger (24% in Europa, weltweit 23%) und langwierige Freigabeprozesse (21% in Europa, weltweit 31%) werden als schwer wiegende Hindernisse genannt.

Gerade im Kontext der Corona-Pandemie werden ist auffällig, dass viele neue Sicherheitsmaßnahmen im Bereich Betriebstechnologie (Operational Technology, OT) verzögert werden. Dabei sind auch industrielle Kontrollsysteme (Industrial Control Systems, ICS) auch seit Jahren ein attraktives Ziel für Hacker geworden, die zu immer raffinierteren Methoden greifen.

Dabei ist deutlich, dass der Corona-bedingte Lockdown die Industrie vor zusätzliche Herausforderungen gestellt hat. 45% der in Europa und 53% der weltweit befragten Industrieunternehmen haben während der COVID-19-Pandemie Remote-Arbeit ermöglicht. Häufig mussten quasi über Nacht neue Standards für die Arbeit von Zuhause, die Digitalisierung oder auch Hygienekonzepte umgesetzt werden. Gerade in dieser Zeit nahmen gleichzeitig spezifische, durch die Pandemie verstärkte Bedrohungen enorm zu, wie beispielsweise Phishing-Attacken.

Eher bürokratische als technische Hindernisse

Eine schnelle Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen sehen Viele allerdings als nicht möglich - was eher an bürokratischen als an technischen Hürden liegt. Jedenfalls gab fast die Hälfte (46% weltweit) der befragten Unternehmen an, dass der raschen Umsetzung neuer Cybersicherheitsprojekte vornehmlich bürokratische Hemmnisse im Weg stehen.

Neben den bereits genannten Gründen spielen zudem auch die Forderung anderer Abteilungen, in den Entscheidungsprozess einbezogen zu werden (15 %) und die langwierige Suche nach geeigneten Anbietern (weltweit: 10 %) eine Rolle.

Corona wird laut Kaspersky-Studie bei mehr als der Hälfte aller europäischen Industrieunternehmen (53 %; weltweit sind es 46 %) die bisherigen Prioritäten im Bereich OT-Sicherheit verschieben. So laufen vielerorts neue Cybersicherheitsprojekte, die möglichst rasch fertig gestellt werden sollen, was allerdings im OT-Umfeld auch ohne bürokratische Hürden bereits eine besondere Herausforderung darstellt. Einige Unternehmen werden dabei zwangsläufig noch umsichtiger als zuvor vorgehen, da sie diesen Schwierigkeiten mit einem verringerten OT-Sicherheitsbudget (weltweit: 18 %) begegnen müssen.

Die Studie „State of Industrial Cybersecurity in the Era of Digitalization" wurde von Kaspersky zusammen mit der in Düsseldorf sitzenden ARC Advisory Group durchgeführt. Dabei wurden 330 Firmen weltweit (davon 132 aus Europa) befragt, die kritische Infrastrukturen im industriellen Umfeld unterhalten. Die Ergebnisse der Studie können kostenlos und registrierungsfrei über die Webseite von Kaspersky bezogen werden.

(ID:46858330)