Studie Power-to-X-Technologien sind wenig bekannt, aber breit akzeptiert

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Power-to-X-Technologien sollen Bereiche wie den Verkehr und die Industrie klimafreundlicher machen, beispielsweise durch synthetisches Kerosin, erdölfrei produzierte Kunststoffe und nachhaltige Kosmetika.

Übersicht der wichtigsten Ergebnisse der Akzeptanzforschung des IZES im Kopernikus-Projekt P2X 2021.
Übersicht der wichtigsten Ergebnisse der Akzeptanzforschung des IZES im Kopernikus-Projekt P2X 2021.
(Bild: P2X / IZES)

Power-to-X-Produkte in Form von Sportschuhen, Matratzen oder Körperpflegeprodukten könnten schon bald Einzug in unseren Alltag halten – wenn sie von der Bevölkerung akzeptiert werden. Nun zeigt eine repräsentative Studie des Kopernikus-Projekts P2X, dass die Mehrheit der Befragten Power-to-X positiv bewertet.

Klimawandel wird deutlich spürbar

Hitzewellen und Unwetter haben den Klimawandel in den letzten Wochen deutlich spürbar gemacht. Um diese und andere Folgen der Erderwärmung einzudämmen, müssen Industrie und Verkehr sowie Strom- und Wärmeversorgung klimaneutral werden.

Das geht nur, indem erneuerbare Energien fossile Rohstoffe ersetzen. Power-to-X-(P2X)-Technologien spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn mit ihnen lässt sich erneuerbarer Strom unter anderem in Grünen Wasserstoff, klimafreundliche Kraftstoffe und chemische Ausgangsstoffe, zum Beispiel für die Kunststoff- und Kosmetikindustrie, umwandeln.

Repräsentative Studie des Kopernikus-Projekts P2X

Bereits in den nächsten Jahren könnten die ersten PtX-Produkte auf den Markt kommen. Aber damit sie tatsächlich zum Klimaschutz beitragen können, müssen sie von der Bevölkerung akzeptiert und – zu voraussichtlich höheren Preisen – gekauft werden. Zumindest die Voraussetzungen dafür sind erfüllt, zeigt jetzt eine repräsentative Studie des Kopernikus-Projekts P2X.

Für die Studie haben Forschende des Instituts für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) 1.123 Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren und 1.134 über 25-Jährige online zu verschiedenen Aspekten von Power-to-X-Technologien befragt. Die Personen beider Stichproben wurden unter Gesichtspunkten der Repräsentativität hinsichtlich des Alters und Geschlechts sowie geografischer Herkunft ausgewählt. Das Ergebnis: PtX-Technologien werden prinzipiell befürwortet und mit positiven Eigenschaften verbunden. Das gilt deutschlandweit und unabhängig vom Geschlecht.

Jüngere sehen P2X positiv

Bei den 16- bis 25-Jährigen liegt die Zustimmungsquote bei 62 Prozent. 30 Prozent bewerten PtX-Technologien immerhin als teilweise positiv. Bei den über 25-Jährigen liegt die Zustimmungsquote mit 59 Prozent und 34 Prozent bei den „teils/teils“-Antworten ähnlich hoch.

Für die Anwendung von Power-to-X-Technologien in verschiedenen Sektoren fielen die spezifischen Zustimmungsraten sogar noch höher aus:

  • Verkehrssektor: 71 Prozent Zustimmung bei den 16- bis 25-Jährigen sowie 73 Prozent Zustimmung bei den über 25-Jährigen.
  • Industriesektor: 73 Prozent Zustimmung bei den 16- bis 25-Jährigen sowie 74 Prozent Zustimmung bei den über 25-Jährigen.
  • Chemiesektor: 67 Prozent Zustimmung bei den 16- bis 25-Jährigen sowie 71 Prozent bei den über 25-Jährigen.

Lediglich acht Prozent der Befragten in der Gesamtstichprobe sprachen sich gänzlich gegen Power-to-X-Technologien aus.

Großer Informations- und Kommunikationsbedarf

Die Studie zeigt allerdings auch, dass beim Thema Power-to-X derzeit noch großer Informations- und Kommunikationsbedarf besteht. So war vielen Studienteilnehmern die PtX-Technologie vor der Umfrage nicht bekannt (21 Prozent der 16- bis 25-Jährigen und 9 Prozent der über 25-Jährigen). Um trotzdem an der Erhebung teilnehmen zu können, erhielten alle Teilnehmenden zu Beginn der Befragung eine kurze Erläuterung zur PtX-Technologie.

Neben der Akzeptanz von Power-to-X-Technologien im Allgemeinen untersuchten die Forschenden auch bestimmte Zusammenhänge. „Die Themen Umweltbewusstsein und Verteilungsgerechtigkeit stechen hier besonders heraus,“ sagt Jan Hildebrand, Leiter des Arbeitsfelds Umweltpsychologie am IZES. „Das heißt: Je stärker die Befragten die Verteilungsgerechtigkeit als erfüllt ansehen, also das Verhältnis von Kosten und Nutzen von Power-to-X-Technologien als ausgeglichen bewerten, desto höher fällt auch die Akzeptanz aus.“

Reduzierung von CO2-Emissionen

Zu den Kosten zählen beispielsweise Investitionen in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, zunehmende Importabhängigkeit und Ressourcenkonkurrenz. Der Nutzen liegt unter anderem in der Reduzierung von CO2-Emissionen, Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Kohle und Erdöl und der Schaffung neuer Arbeitsplätze vor Ort.

Daneben sprachen sich auch Personen mit einem hohen Umweltbewusstsein stärker für Power-to-X-Technologien aus.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass eine (umwelt-)gerechte Ausgestaltung von Power-to-X-Technologien bedeutsam ist, um weiterhin hohe Zustimmungswerte sicherzustellen.

Die Ergebnisse der P2X-Befragung bilden sowohl die Basis für vertiefende Akzeptanzanalysen in Form von gegenwärtig stattfindenden Interviews und Fokusgruppen als auch für eine zweite repräsentative Befragungswelle im November 2021. Die Ergebnisse fließen außerdem in die dritte Roadmap des Kopernikus-Projekts P2X ein, die in Kürze veröffentlicht wird.

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