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Pleiten 2020: Großinsolvenzen werden Lieferketten hart treffen

Redakteur: Michael Eckstein

Die Zunahme der Insolvenzen wird sich 2020 gegenüber dem Vorjahr abschwächen, erwartet Euler Hermes. Gleichzeitig werden sich die Pleiten auf mehr Länder verteilen und Lieferketten zum Teil hart treffen. Für Deutschland werden erstmals wieder mehr Pleiten erwartet.

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Schutzbestrebungen: Die Analysten von Euler Hermes erwarten nicht nur mehr Insolvenzen in 2020, sondern auch einen zunehmenden Protektionismus.
Schutzbestrebungen: Die Analysten von Euler Hermes erwarten nicht nur mehr Insolvenzen in 2020, sondern auch einen zunehmenden Protektionismus.
(Bild: Euler Hermes)

Keine Entspannung in Sicht: Zum vierten Mal in Folge werden weltweit mehr Firmen in die Zahlungsunfähigkeit rutschen als im Vorjahr. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Die Experten der Allianztochter gehen davon aus, dass 2020 weltweit rund 6% mehr Insolvenzen erfolgen werden. Gegenüber 2019 würde die Zunahme damit um rund 3% geringer ausfallen. Allerdings verteilen sich die Insolvenzen breiter.

„In vier von fünf Ländern werden wir 2020 voraussichtlich mehr Pleitefälle sehen“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „2019 war der Zuwachs zwar insgesamt höher, aber dafür waren im vergangenen Jahr nur zwei von drei Ländern von steigenden Insolvenzen betroffen.“ Exportrisiken würden praktisch überall lauern: „Einen 'sicheren Hafen' gibt es kaum noch.“

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Anhaltende Konjunkturschwäche, politische und soziale Unsicherheiten

Die Ursachen für den anhaltenden Anstieg der weltweiten Insolvenzen sieht Euler Hermes in der anhaltenden Konjunkturschwäche, insbesondere in den Industriestaaten und ihrem produzierenden Gewerbe. Die schwache Nachfrage hat die Lagerbestände vielerorts steigen lassen und zu Überkapazitäten geführt, vor allem in der Automobilindustrie. Auch die weiter schwelende Handelskonflikte, politischen Unsicherheiten und sozialen Spannungen werden die Unternehmen 2020 in Atem halten.

„Beim schwächelnden Welthandel sehen wir 2020 keine wirkliche Entspannung“, sagt Van het Hof. „Mit +1,7% dürfte das Wachstum in diesem Jahr eher mager ausfallen.“ Protektionismus sei das „neue Normal“, auf das sich Unternehmen einstellen müssen. Zwar würden Betriebe weiterhin von der anhaltend expansiven Geldpolitik profitieren – allerdings müssten sie sich im Gegenzug auf einen stärkeren Preiskampf durch die schwache Nachfrage einstellen. Teilweise kämen höhere Material- und Produktionskosten hinzu, die die Margen schmälern. „Die hohen Fixkosten und Lagerbestände sind für manche Unternehmen eine schwere Last, der in einer Vielzahl von Ländern nicht alle standhalten können“, befürchtet der Experte.

China weiterhin im Keller – aber rote Laterne geht erstmals an Chile

China reicht 2020 die rote Laterne nach drei Jahren an Chile weiter. Für Südamerikaner dürften im laufenden Jahr Insolvenzen um 21% zunehmen. Nach Chile, der Slowakei (+12%) und Indien (+11%) ist China allerdings auch weiterhin am unteren Ende des Rankings zu finden. Im Reich der Mitte erwarten die Volkswirte für 2020 eine weitere Pleitewelle und einen Anstieg der Fallzahlen um erneut 10% (nach einem bereits massiven Anstieg um rund 20% im vergangenen Jahr), ebenso wie in Singapur (+10%) und Hongkong (+9%).

Auch in Westeuropa werden die Insolvenzen 2020 um voraussichtlich 3% zunehmen (2019: 2%). Viele Länder wachsen in Zeiten der Konjunkturflaute langsamer, als es notwendig wäre, um die Zahl der Insolvenzen stabil zu halten. In Westeuropa hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Schwelle bei einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 1,7% liegt. Zum Insolvenzanstieg in Europa tragen insbesondere Dänemark (+6%), Spanien, die Niederlande und Irland (jeweils +5%) sowie Italien (+4%) bei.

In Europa ist Frankreich Klassenbester

Aber auch Großbritannien sieht im Brexit-Sog einem erneuten Zuwachs von rund 3% bei den Pleiten entgegen. Erstmals reiht sich nach zehn Jahren voraussichtlich auch Deutschland wieder in diesen Reigen ein, mit ebenfalls 3% mehr Pleiten als noch im vergangenen Jahr. Unsere französischen Nachbarn können sich nach Analysen der Volkswirte hingegen über eine Stagnation der Insolvenzen freuen – nach langen wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten.

„Es gibt drei Gründe, warum Frankreich plötzlich mit vorne liegt“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Allianz und Euler Hermes. „Zum einen hat das Land wichtige ökonomische Entscheidungen getroffen.“ Zum anderen zahle sich das rund 17 Mrd. Euro schwere Konjunkturpaket mit Steuererleichterungen für Rentner aus, das Präsident Macron im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, um die „Gelbwesten“ wieder von der Straße zu holen. Dies habe den privaten Konsum angekurbelt. „Zu guter Letzt profitiert die französische Wirtschaft in Zeiten von Handelskonflikten und schwächelndem Welthandel auch von einer viel geringeren Exportabhängigkeit als beispielsweise Deutschland.“

Brasilien schafft nach 8 Jahren Trendwende

Klassenprimus bei der Insolvenzentwicklung ist überraschend Brasilien: Für das Land erwartet Euler Hermes gegen den weltweiten Trend voraussichtlich 3% weniger Pleiten als 2019, gleichauf mit Ungarn (-3%). Auch Griechenland und Litauen (jeweils -2%) sowie Neuseeland, Polen, Norwegen, Luxemburg und eben Frankreich (alle 0%) können sich der allgemeinen Entwicklung entziehen.

Die USA und Kanada verzeichnen 2019 und auch 2020 hingegen eine Trendwende ins Negative. Seit 2010 waren die Pleiten in den USA jedes Jahr rückläufig. Erst 2019 und 2020 kommt es hier mit +3% und +4% wieder zu einem Zuwachs. In Kanada zeigten Insolvenzen sogar bereits seit 2002 einen stetigen Abwärtstrend vor dem nun erwarteten Anstieg um jeweils 5% im Jahr 2019 und 2020.

Großinsolvenzen: Umsätze und Schäden für die Lieferkette steigen drastisch

Besonders beunruhigend ist die Entwicklung bei den Großinsolvenzen bei Unternehmen mit einem Umsatz oberhalb der 50-Millionen-Euro-Grenze. In den ersten neun Monaten 2019 sind diese weltweit zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (248) nur um einen Fall auf 249 gestiegen. Allerdings belaufen sich die Umsätze der insolventen Großunternehmen auf über 145 Mrd. Euro – satte 39 Mrd. Euro mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Anstieg von rund 38%.

„Der Dominoeffekt bei Großinsolvenzen auf die Lieferkette ist meist sehr groß“, sagt Van het Hof. „Je höher die Umsätze der Pleitekandidaten, desto größer die Schäden bei den einzelnen Lieferanten.“ Deshalb solle man sich von großen Namen nicht täuschen lassen.

Gerade in Deutschland hat es zuletzt zahlreiche namhafte Großunternehmen getroffen, manche von ihnen bereits zum zweiten Mal. Der Anstieg in diesem Bereich lag in Deutschland in den ersten neun Monaten bei 42% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei den Umsätzen war der Anstieg mit +81% auf rund 339 Mio. Euro noch dramatischer.

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