Suchen

Physik-Nobelpreis an Deutschen für Erforschung Schwarzer Löcher

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr zur einen Hälfte an Roger Penrose (Großbritannien) sowie zur anderen Hälfte an Reinhard Genzel (Deutschland) und Andrea Ghez (USA) für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit.

Firma zum Thema

Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hat die Gewinner des Nobelpreises für Physik 2020 bekannt gegeben. Die drei Preisträger auf dem Bildschirm von links, Roger Penrose, Reinhard Genzel und Andrea Ghez, haben den diesjährigen Nobelpreis in Physik für die Entdeckungen schwarzer Löcher erhalten.
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hat die Gewinner des Nobelpreises für Physik 2020 bekannt gegeben. Die drei Preisträger auf dem Bildschirm von links, Roger Penrose, Reinhard Genzel und Andrea Ghez, haben den diesjährigen Nobelpreis in Physik für die Entdeckungen schwarzer Löcher erhalten.
(Bild: Fredrik Sandberg/TT News Agency/dpa)

Reinhard Genzel ist Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Roger Penrose (geboren 1931) bekommt den Preis für die Entdeckung, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist. Reinhard Genzel (geboren 1952) und Andrea Ghez (geboren 1965) werden ausgezeichnet für die Entdeckung eines supermassiven kompakten Objekts im Zentrum unserer Galaxie.

Ergänzendes zum Thema
Schwarze Löcher - Massemonster im All

Schwarze Löcher sind Orte der Extreme. Die Masse ist in ihnen so stark zusammengepresst, dass nichts ihrer enorm hohen Anziehungskraft entkommt. Nicht einmal das Licht dringt nach außen. Schwarze Löcher sind also quasi unsichtbar - was ihnen ihren Namen gab.

Wie lassen sich Schwarze Löcher dann beobachten? Zwar sind sie selbst unsichtbar, verraten sich jedoch über die Materie, die sie verschlucken. Wegen ihrer extrem starken Beschleunigung heizt sich Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt, auf Millionen Grad Celsius auf und strahlt dann hell. Dieses charakteristische Leuchten können Teleskope registrieren.

Schwarze Löcher gibt es wohl in fast jeder Größe im Kosmos - von der einfachen Masse unserer Sonne bis zu Milliarden Sonnenmassen. Sie können zum Beispiel aus ausgebrannten Riesensternen entstehen, die am Ende ihrer Existenz unter der eigenen Schwerkraft zu einem Schwarzen Loch zusammenstürzen. Welche Mindestmasse ein Stern dafür haben muss, ist unter Astrophysikern nicht eindeutig geklärt.

Supermassives Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße

Für die Erforschung Schwarzer Löcher erhält der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel in diesem Jahr den Nobelpreis für Physik. Genzel hatte zugleich mit der US-Forscherin Andrea Ghez das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckt.

Reinhard Genzel, Physiker am Max-Planck-Instuitut für extraterrestrische Physik. Genzel wurde für seine Forschung an Schwarzen Löchern von der Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Reinhard Genzel, Physiker am Max-Planck-Instuitut für extraterrestrische Physik. Genzel wurde für seine Forschung an Schwarzen Löchern von der Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
(Bild: Max-Planck-Instuitut für extraterrestrische Physik)

Dafür erhalten die beiden die eine Hälfte des Preises, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mitteilte. Die zweite Hälfte geht an den Briten Roger Penrose, der erkannte, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.

Reinhard Genzel wurde 1952 im hessischen Bad Homburg geboren und ist heute Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Genzel und Ghez (geboren 1965) entdeckten, dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Umlaufbahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie beherrscht. Ein supermassereiches Schwarzes Loch sei dafür die einzige derzeit bekannte Erklärung, erläuterte die Akademie. Beide hatten seit Anfang der 1990er Jahre Forschungsgruppen geleitet, die sich mit dem Zentrum unserer Galaxie beschäftigen.

„Mich hat beeindruckt, dass Herr Genzel Fragen gestellt hat, die an den Kern der Sache gehen. Er hat weniger Wert darauf gelegt, immer nett und höflich zu sein, sondern war eher wissenschaftlich direkt“, sagte Dieter Breitschwerdt, Astrophysiker an der Technischen Universität Berlin. Genzel ist der sechste Deutsche seit 2000, dem der Physik-Nobelpreis zuerkannt wird, insgesamt gibt es mehrere Dutzend deutsche Preisträger.

Andrea Ghez: Vierte weibliche Physik-Nobelpreisträgerin

Andrea Ghez, Professorin für Astrophysik und Leiterin der UCLA Galactic Center Group sowie der Galactic Center Orbits Initiative, ist die vierte Frau, die mit dem Nobelpreis für Physik geehrt wird.
Andrea Ghez, Professorin für Astrophysik und Leiterin der UCLA Galactic Center Group sowie der Galactic Center Orbits Initiative, ist die vierte Frau, die mit dem Nobelpreis für Physik geehrt wird.
(Bild: Christopher Dibble / Royce Hall / UCLA)

Ghez ist erst die vierte Frau, die einen Physik-Nobelpreis erhält. „Ich hoffe, ich kann junge Frauen für das Fachgebiet inspirieren“, sagte Ghez. Es gebe noch so viel mehr als Schwarze Löcher zu erforschen, erläuterte sie, als sie nach der Verkündung von der Königlich-Schwedischen Akademie telefonisch zugeschaltet wurde.

„Der Preis für Andrea Ghez ist hochverdient, und ich freue mich, dass eine Frau ihn bekommen hat“, sagte Anton Zensus, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie. „Ich hoffe, dass das noch viel öfter passieren wird.“

Die Abgabe des Preises an Genzel und Ghez sei hoch gerechtfertigt“, so Zensus weiter. „Die Preise zeigen, dass die Gruppe aus den USA und die europäisch-deutsche Gruppe auf Augenhöhe forschen.“ Genzel habe über viele Jahre etwa mit dem Very-Large-Teleskop der Europäischen Südsternwarte das Zentrum unserer Milchstraße und die Bahnen der Sterne beobachtet, um daraus Hinweise auf das Schwarze Loch abzuleiten. „Er hat eine unglaubliche Begeisterung für die Wissenschaft und für sein Feld.“

Der britische Physiker Roger Penrose erhält den Nobelpreis für die Entdeckung, dass die Bildung Schwarzer Löcher eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.
Der britische Physiker Roger Penrose erhält den Nobelpreis für die Entdeckung, dass die Bildung Schwarzer Löcher eine robuste Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.
(Bild: Danny Lawson/PA Wire/dpa)

Roger Penrose erfand „geniale mathematische Methoden“, um Albert Einsteins allgemeine Relativitätstheorie zu erforschen, wie das Nobelkomitee mitteilte. Er habe gezeigt, dass diese Theorie zur Bildung von Schwarzen Löchern führt, jenen Monstern in Zeit und Raum, die alles erfassen, was ihnen nahe kommt. Genzel und Ghez entdeckten, dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Umlaufbahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie beherrscht. Ein supermassives Schwarzes Loch sei dafür die einzige derzeit bekannte Erklärung.

Allgemeine Informationen zum Nobelpreis 2020

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.

Seit der ersten Vergabe im Jahr 1901 haben 212 Forscher den Physik-Nobelpreis erhalten, darunter drei Frauen. Der US-Amerikaner John Bardeen bekam ihn zweimal.

Am Montag war der Nobelpreis für Medizin den Virologen Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) zuerkannt worden. Sie hatten laut Nobelkomitee maßgeblich dazu beigetragen, das Hepatitis-C-Virus nachweisen und beseitigen zu können. Die daraus folgenden Bluttests und Medikamente hätten Millionen Menschen das Leben gerettet.

Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-Nobelpreises verkündet. Am Tag darauf folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers. Am Freitag wird verkündet, wer den diesjährigen Friedens-Nobelpreis erhält. Der Reigen endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreis.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr hatte James Peebles (Kanada/USA) für seine grundlegenden Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums die eine Hälfte des Physik-Nobelpreises erhalten. Die andere ging an Michel Mayor und Didier Queloz (beide Schweiz), die den ersten Exoplaneten entdeckt hatten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

Ergänzendes zum Thema
Die Physik-Nobelpreisträger seit 2010

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der «X-Strahlen», der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

2019: Der kanadisch-amerikanische Kosmologe James Peebles für Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums sowie die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz. Sie entdeckten den ersten Exoplaneten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

2018: Die Laserphysiker Arthur Ashkin (USA), Gérard Mourou (Frankreich) und Donna Strickland (Kanada) für die Entwicklung präziser Werkzeuge aus Licht.

2017: Die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne für den direkten Nachweis von Gravitationswellen. Albert Einstein hatte das Phänomen bereits vorhergesagt.

2016: Die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz. Sie haben exotische Zustände beschrieben, die eine Relevanz für Quantencomputer und neue Materialien haben könnten.

2015: Der Japaner Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur McDonald. Sie hatten nachgewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Die winzigen neutralen Elementarteilchen durchströmen das All und selbst Mauern.

2014: Die gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für die Erfindung hocheffizienter Lichtquellen. Die blau leuchtenden Dioden ermöglichen helle und energiesparende LEDs.

2013: Der Belgier François Englert und der Brite Peter Higgs für die Vorhersage des Higgs-Teilchens.

2012: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA für Fallen, mit denen sich geladene Teilchen (Ionen) und Licht (Photonen) einfangen lassen. Sie schufen damit Grundlagen für genauere Uhren und grundsätzlich neue Computer.

2011: Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) für die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.

2010: Der Niederländer Andre Geim und der britisch-russische Physiker Konstantin Novoselov für ihre Arbeiten zu Graphen. Das einlagige Gitter aus Kohlenstoffatomen leitet hervorragend Hitze und Strom.

Hier ist eine Liste aller Physik-Nobelpreisträger seit 1901. (in englischer Sprache).

(ID:46905605)