Pepper: Humanoider Roboter als Bankangestellter, Verkäufer und Pfleger

| Autor: Sebastian Gerstl

Pepper zum Gruße: Durch Gesichts- und Spracherkennung und dank 20 beweglicher Freiheitsgrade ist der humanoide Roboter grundsätzlich in der Lage, sich seinem jeweiligen Gesprächspartner zuzuwenden.
Pepper zum Gruße: Durch Gesichts- und Spracherkennung und dank 20 beweglicher Freiheitsgrade ist der humanoide Roboter grundsätzlich in der Lage, sich seinem jeweiligen Gesprächspartner zuzuwenden. (Bild: Sebastian Gerstl)

Firmen zum Thema

Der humanoide Roboter Pepper mutet an wie ein Spielzeug, doch er findet inzwischen auch in Deutschland praktische Anwendung. Einige Anwendungsfälle konnten Besucher auf der Pepper World Tour in München nun genauer begutachten.

Zwei Roboter stehen am Eingang. Als der Gast sich nähert, heißt er ihn mit kindlicher Stimme willkommen und fragt, ob der Mann oder die Frau ein Ticket dabei hat. Schnell scannt der Roboter dieses mit seinen Augen – oder dem Tablet auf seiner Brust – ab und wünscht noch einen schönen Tag. Das ist der erste Eindruck, den ein Besucher zur Pepper World Tour erhält. Der kleine Roboter, der in diesem Jahr fünf Jahre alt wird, befindet sich aktuell zum nun vierten Mal auf Tournee – um der Welt einen Eindruck zu vermitteln, wozu humanoide Service-Roboter inzwischen praktisch genutzt werden können.

Menschenähnlich, aber bewusst nicht menschlich

Kulleraugen, ein runder, kindlich anmutender Kopf, kurze Arme: Pepper macht durchaus einen menschenähnlichen Eindruck, ohne aber wie ein Mensch auszusehen Eindruck. Dies ist von den Machern gezielt so gewollt. Pepper soll sich den Menschen als Helfer anbieten – und ein zu menschliches Aussehen würde dies verhindern.

Der Grund hierfür wird in der Robotik-Forschung gemeinhin als das „Uncanny Valley“ bezeichnet. Grundsätzlich sei es erst einmal so, dass Menschen einer Maschine oder einem Objekt immer mehr Vertrauen entgegenbringen, je menschenähnlicher sie zunächst wirkt. Wirkt das Objekt allerdings zu realistisch – fast wie ein Mensch, aber noch nicht ganz exakt – wird es allerdings von Menschen abgelehnt. Ähnlich, wie man einem Zombie mit Furcht begegnen würde, begegnen die meisten Personen einem fast, aber nicht ganz menschenähnlichen Roboter mit Misstrauen und Distanz. Das ist natürlich hinderlich, wenn ein solcher Roboter Menschen helfen oder unterstützen soll – etwa im Einzelhandel oder im Pflegesektor.

Diese Einstellung hat sich prägend auf das äußere Erscheinungsbild von Pepper ausgewirkt. Der Roboter ist gerade einmal 120 Zentimeter hoch, in etwa so groß wie ein sechsjähriges Kind. Ebenso kindlich ist sein generelles Aussehen, und auch die Körpersprache mit ihren mechanischen, aber doch irgendwie natürlich wirkenden Bewegungen der Arme hat etwas kindhaftes. Der erwünschte Effekt der Entwickler: Der Roboter soll harmlos wirken, freundlich und beherrschbar – und damit andere Menschen auf spielerische Art einladen, mit ihm zu interagieren.

Pepper und NAO als leicht zugängliches Robot-System konzipiert

Seit seiner ersten Vorstellung im Juni 2014 hat Pepper einige Fortschritte gemacht. War man bei der Implementierung von Software-Lösungen, der Anbindung einer Cloud oder der Ansteuerung von Sensoren bislang auf eine Python-Oberfläche angewiesen, kann das Pepper SDK seit Mitte 2018 über ein Plug-in inzwischen vollständig in die Entwicklungsumgebung von Android (ab 6.0 Marshmallow) integriert werden .

Das erleichtert die Entwicklung und sorgt für eine optimierte Systemleistung, etwa was die Nutzung von Sensoren zur Rauschunterdrückung und Umgebungsgeräuschfilterung betrifft. Pepper reagiert nun schneller, erkennt seine Gesprächspartner genauer und ist – wenn eine entsprechende cloudgestützte Chatbot- oder KI-Anwendung implementiert ist – auch wesentlich intelligenter als bisher.

Tatsächlich sind die Robotermodelle Pepper und NAO – gewissermaßen der kleine Cousin, der inzwischen in sechster Generation auf dem Markt ist – zunächst primär in der Forschung und Bildung anzutreffen. So ist der NAO beispielsweise eines der Standard-Robotermodelle, das Studententeams für die Robo-Fußball-WM verwenden. Die direkte Programmierbarkeit via Python – und mittlerweile auch visuell über Android Studio – macht es relativ einfach, die komplexe Ausstattung aus Kameras, Lagesensoren, Sonaren zur Abstandsmessung usw. gezielt anzusteuern und in dieses System komplexe Routinen oder gar lernende Algorithmen zu implementieren.

Aber wie sieht es auf dem Markt aus? Die ersten Anwendungen findet Pepper zunächst einmal im Einzelhandel und im Tourismus. Der Roboter kann proaktiv potentielle Neukunden ansprechen, auf Angebote hinweisen oder interaktive Fragen beantworten bzw. Auskunft geben. Was im ersten Moment wie ein etwas glorifizierter Wegweiser klingt, erfüllt durchaus einen tieferen praktischen Nutzen.

Pepper im Bankwesen: Erst Hausmeister, dann Gastgeber, später Schalterbeamter?

Sven Eschmann, Kreissparkasse Köln: „Wir arbeiten bereits sehr stark daran, dass wir über den Roboter auch Lösungen anbieten können“.
Sven Eschmann, Kreissparkasse Köln: „Wir arbeiten bereits sehr stark daran, dass wir über den Roboter auch Lösungen anbieten können“. (Bild: Sebastian Gerstl)

So setzt beispielsweise die Kreissparkasse Köln bereits in einigen Filialen Pepper-Roboter ein. Ursprünglich waren dort die Funktionalitäten rein auf die einer Art „Türstehers“ beschränkt: Pepper nimmt Kunden, die die Filiale aufsuchen, in Empfang, begrüßt sie und gibt Auskunft, an welchem Schalter ihnen in welcher Sache weitergeholfen werden kann. Zudem bietet der Roboter mit einigen „Spaßaktionen“ wie Tanzeinlagen oder Videos die Gelegenheit, die Wartezeit zu verkürzen oder Kinder zu bespaßen.

Einer der Gründe für den Einsatz der Pepper-Roboter in der Sparkasse ist es, die Kunden wieder zurück in die Filiale zu holen: Im Schnitt wären Sparkassen-Kunden nur noch im Schnitt zweimal im Jahr telefonisch und nur noch einmal im Jahr persönlich in einer Bankfiliale anzutreffen, sagt Sven Eschmann, der für die Kreissparkasse Köln sich mit den Bereichen KI und Agilität befasst und der sich federführend die Weiterentwicklung von Pepper verantwortet. Die meisten Kundenkontakte fänden inzwischen nur noch online statt, entweder in Form von Banking-Apps, gelegentlich auch noch über Chatbots. Eine persönliche Beratung ist oft auch für die Kunden viel hilfreicher, doch scheuen die meisten den Weg und ziehen kurzes Online-Banking gegenüber langwierigem Warten in der Bankfiliale vor.

Pepper könnte hier Abhilfe schaffen. „Wir arbeiten bereits sehr stark daran, dass wir über den Roboter auch Lösungen anbieten können,“ sagt Eschmann. „Also, dass der Roboter nicht nur ein Interaktionsmedium ist der reine Bespaßung macht, sondern dass er auch Lösungen anbieten kann auf Grund von Fragen, die ihm gestellt werden. Der Schlüssel dazu ist die weitere Vernetzung des Roboters mit künstlicher Intelligenz in der Cloud. ” Eine denkbare Möglichkeit wäre etwa, Funktionen der Online-Apps wie Überweisungen oder Daueraufträge auch direkt in Pepper zu integrieren. Dazu kann der Robot noch schnelle Tipps geben oder an Berater in der Bank weitervermitteln – quasi die leichte Benutzbarkeit einer App und den persönlichen Kontakt in einer Filiale miteinander zu verbinden.

Noch ist man in der Sparkasse Köln noch nicht so weit, aber Pepper hat dort auch bereits in einer anderen Funktion eine Rolle gefunden: Als Host für Veranstaltungen begrüßt er Gäste und kündet die Sprecher an. Diese Rolle kommt in der Regel gut an: Bei manchen Veranstaltungen hätte der Roboter mehr Anklang gefunden als der eigentliche Sprecher, scherzt Eschmann. Auch in der Sparkasse Bremen und in Marburg-Biedenkopf wird aktuell der Einsatz von Pepper-Robotern erprobt.

Pepper im Einzelhandel: Den Kunden zurück in die Filiale holen

Eine der praktischeren Anwendungen, die die Firma raumCode implementiert hat: Ein potentieller Kunde im Einzelhandel wählt auf Pepper aus, was er gerne möchte, der Roboter leitet das Anliegen an einen zentralen Server weiter, wo die Angestellten alle essentiellen Daten ablesen können - samt Beschreibung des Kunden, die per Kamera erfasst wurde.
Eine der praktischeren Anwendungen, die die Firma raumCode implementiert hat: Ein potentieller Kunde im Einzelhandel wählt auf Pepper aus, was er gerne möchte, der Roboter leitet das Anliegen an einen zentralen Server weiter, wo die Angestellten alle essentiellen Daten ablesen können - samt Beschreibung des Kunden, die per Kamera erfasst wurde. (Bild: Sebastian Gerstl)

Wieder mehr direkten Kontakt mit dem Kunden finden ist auch etwas, was sich die Retail-Branche von dem Pepper-Einsatz erhofft. Das Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom hat etwa in Zusammenarbeit mit raumCode, einem Spezialisten für integrierte Robotik und intelligente Systeme, ein entsprechendes Konzept erarbeitet.

Ein großes Problem in Läden ist häufig, dass Kunden persönliche Beratung suchen, aber oft nicht den richtigen Ansprechpartner finden – etwa, weil der Mitarbeiter, den sie als erstes gefunden haben, für eine andere Abteilung zuständig ist. Angestellte haben wiederum oft das Problem festzustellen, welcher Kunde als erstes gekommen ist oder wer wann an der Reihe ist. Die Versuche, Prozesse über ein rein Tablet-basiertes System zu lenken, hätten wenig gefruchtet, erklärt Jonas Stauffer, Geschäftsführer von raumCode: Die Kunden ignorieren das Tablet und laufen einfach direkt auf den ersten Angestellten zu, den sie sehen. Wenn dieser Ihnen dann nicht weiterhelfen kann, sorgt das für Frust, es entsteht der Eindruck, dass einem nicht geholfen werden kann – oder will.

Pepper holt dagegen den Kunden direkt ab und kann den gesamten Service-Prozess im Laden selbst optimieren. Der Roboter fragt Kunden nach ihrem Anliegen – ob er etwa eine Kaufberatung, ein spezielles Ersatzteil oder eine Reparatur wünscht – erfasst sein oder ihr Gesicht und vermittelt den Kontakt direkt an den zuständigen Mitarbeiter weiter. Dieser bekommt neben dem Anliegen gleich einige Details über den Kunden übermittelt, um ihn auch gleich identifizieren zu können: Ob es ein Mann oder eine Frau ist, Brillenträger oder nicht, und eine grobe Einschätzung des Alters. Der Angestellte weiß gleich um wen und was er sich zu kümmern hat, und der Kunde bekommt sofort das Gefühl, dass ihm weitergeholfen wird.

Dadurch, dass Pepper Besucher beim Betreten des Geschäfts direkt anspricht, bringt der Roboter die Kunden viel eher dazu, das integrierte Service-Angebot zu nutzen, als wenn nur ein reines Tablet zur Verfügung stünde. Aber auch ohne die Begrüßung weckt der kindliche Roboter die Neugier – oder auch einen Spieltrieb – bei den Menschen. Eine eigene Datenauswertung habe ergeben, dass knapp ein Zehntel (9,3%) der Laufkundschaft in einer Filiale gleich aus eigenem Antrieb heraus mit Pepper interagieren würden, meint Reto Wälchli, Business Developer for Robots bei Swisscom. Etwa 62% könnten sich sogar vorstellen, ein komplettes Beratungsgespräch mit Pepper zu führen. „Anders als bei menschlichen Verkäufern entsteht bei den Leuten mit Pepper nicht der Eindruck, als würde der Roboter ihnen etwas aufschwatzen wollen“, meint Wälchli.

Auf diese Art und Weise kann Pepper aktiv viel effizienter Daten bei Kunden abholen und, über eine per Cloud angebundenen Server, aktiv bei der Auswertung von Kundenansprüchen und –Daten helfen. Die Roboter können etwa regelmäßig Statusupdates an einen zentralen Server schicken. Dieser wiederum kann jederzeit abfragen und überwachen, was ein individueller Roboter gerade macht. Als KI-Plattform kommt hier meist IBM Watson zum Einsatz.

Pepper als Pflegekraft: Ein geduldiger Helfer in der Seniorenbetreuung

In Deutschland testet die Caritas den Pepper-Roboter in einigen Sozialstationen - mit erfreulichen Ergebnissen: Die betreuten Menschen akzeptieren den Roboter, zeigen sich interessiert und nehmen ihn in ihren Kreis auf, meint Gerhard Schuhmacher, 1. Vorsitzender der Caritas-Sozialstation in Erlenbach.
In Deutschland testet die Caritas den Pepper-Roboter in einigen Sozialstationen - mit erfreulichen Ergebnissen: Die betreuten Menschen akzeptieren den Roboter, zeigen sich interessiert und nehmen ihn in ihren Kreis auf, meint Gerhard Schuhmacher, 1. Vorsitzender der Caritas-Sozialstation in Erlenbach. (Bild: Philippe Dureuil/TOMA)

Ein Gebiet, in dem der Roboter ebenfalls eingesetzt werden könnte, ist der Pflegesektor. Nach aktuellen Angaben herrscht in Deutschland ein eklatanter Mangel an Pflegepersonal. Laut der Bundesagentur für Arbeit sind in Deutschland pro Jahr 40.000 Pflegestellen unbesetzt . Geht man von den Erhebungen der Gewerkschaft ver.di aus,fehlen hierzulande sogar 80.000 Pflegekräfte.

Zwar ist der Pepper-Roboter aufgrund seiner eingeschränkten physischen Eigenschaften – seine maximale Nutzlast liegt laut Datenblatt bei gerade 500 Gramm – nicht in der Lage, eine Pflegekraft komplett zu ersetzen. Aber als unterstützende Hilfe wird er hierzulande bereits erfolgreich eingesetzt: Die Caritas Sozialstation Erlenbach testet derzeit in einem zweijährigen Pilotprojekt, mit Unterstützung durch die Firma Entrance Robotics, den praktischen Nutzen des Roboters in der Seniorenbetreuung.

„Es geht hier ganz explizit nicht darum, den Menschen in der Pflege zu ersetzen – das geht auch überhaupt nicht,“ sagt Gerhard Schuhmacher, Gerhard Schuhmacher, 1. Vorsitzender der Sozialstation und Vorsitzender der DiAG Altenhilfe Würzburg. Aber schon jetzt erweise sich der kindliche, humanoide Roboter als eine wertvolle Hilfe in der Seniorenbetreuung: Der Roboter liest den anwesenden Rentnern die Zeitung vor oder erzählt Geschichten, er spielt mit Ihnen Ratespielchen oder Vier gewinnt, auf Wunsch singt er ein Liedchen vor. Aber er bietet auch weit mehr als nur reinen Zeitvertreib: Der bewegliche Roboter kann gymnastische Übungen mit den Armen vormachen und mit seinen Augen überwachen, ob jeder mitmacht.

Auch für die anwesenden Pflegekräfte ist er eine aktive Hilfe. Während Pepper sich mit den Senioren beschäftigt, können Pfleger anderen Aufgaben nachgehen, wie etwa die Medikamente oder Essen vorbereiten. Darüber hinaus dient Pepper auch als mobile Datenbank für die anwesenden Caritas-Helfer: Wie in einem Tablet können in ihm Anwesenheits- und Checklisten geführt werden. „Dadurch, dass Pepper das Pflegepersonal auch in der administrativen Arbeit unterstützt, bleibt diesem wiederum mehr Zeit für persönliche Zuwendung", sagt Schuhmacher.

Besonders erfreut ist Schuhmacher über die Tatsache, dass die meist über 80- oder auch 90-jährigen Senioren Pepper nicht ablehnend, sondern sehr interessiert begegnen. Dazu trägt sicher auch das kindliche Erscheinungsbild des Roboters bei. Aber Schuhmacher schreibt es bis zu einem gewissen Grad sicher auch einer gewissen Technik-Affinität auch in dieser Generation zu. „Man darf nicht den Fehler machen und annehmen, dass ältere Menschen modernder Technik grundsätzlich feindselig gegenüber stehen", mahnt Schuhmacher. Schließlich hätten sich heutzutage auch ein Großteil der Über-80-jährigen in ihrem Alltag mit Computern auseinandergesetzt. Warum sollten sie sich also auch jetzt in ihrer Freizeit nicht mit einem Roboter beschäftigen – besonders, wenn er in der Lage ist, sie nicht nur zu unterhalten, sondern auch noch geistig etwas zu fordern?

Schuhmacher bezeichnet das derzeit laufende zweijährige Pilotprojekt auch als eine Art „Ausbildungsphase“ für den Roboter. Es werden Erfahrungen gesammelt, aus denen man lernt und neue Anwendungs- und Betreuungsfälle für Pepper generieren kann. Schließlich hat ein Roboter gewisse Vorteile die ein Mensch nicht hat – etwa ein unbegrenztes Geduldsvermögen. Pepper kann sich beispielsweise mit Demenzkranken befassen und, wenn es sein muss, stundenlang dieselben Übungen mit ihnen durchführen, um ihr Gehirn zu trainieren. Die eingebauten Kameras könnten auch helfen, Notfälle zu erfassen und einen Pfleger zu alarmieren, falls etwas nicht in Ordnung ist.

Sicher nicht außer acht zu lassen ist der wirtschaftliche Faktor. Ein Helfer in der Altenpflege – ein Arbeitsplatz, der hierzulande drastisch unterbesetzt ist – verdient offiziell in Deutschland laut einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) etwas über 20.000 Euro brutto im Jahr, ohne dass hier etwaige Ausbildungskosten und Urlaubszeiten mit eingerechnet wären. Zum Vergleich: Ein neuer Pepper-Roboter ist in der Grundausstattung laut Listenpreis für 19.900 Euro zu haben.

Eine glorreiche Zukunft für den kleinen Roboter?

Das kindliche Aussehen von Pepper sorgt generell für Interesse und weckt Neugier. Bei vielen Umgebungsgeräuschen und hallender Akkustik fällt es ihm aber bisweilen schwer, den richtigen Ansprechpartner korrekt zu identifizieren.
Das kindliche Aussehen von Pepper sorgt generell für Interesse und weckt Neugier. Bei vielen Umgebungsgeräuschen und hallender Akkustik fällt es ihm aber bisweilen schwer, den richtigen Ansprechpartner korrekt zu identifizieren. (Bild: Sebastian Gerstl)

Noch verfügt Pepper in allen Use Cases, die auf seiner Welttournee-Station in München zu sehen waren, über eine sehr eingeschränkte Autonomität. Sein Wirkradius ist auf wenige Meter beschränkt, in der Regel bleibt er nur in einem Raum. Dennoch ist er gerade im Service-Bereich eine interessante Lösung. Auch die Verkehrsbetriebe Hamburg testen derzeit, ob sich ein Pepper-Roboter für den S-Bahn-Bereich sinnvoll einsetzen lässt.

Geht es nach Softbank, soll Pepper aber schon in naher Zukunft weit über die genannten Anwendungsfälle hinaus aktiv werden. Moderne Breitbandverbindungen und Cloud-gestützte KI versprechen, dem Roboter zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen. So könne man sich etwa Pepper als eine Art Nachtwächter vorstellen, der im Supermarkt oder in der Nachbarschaft patrouilliert, nach dem Rechten sieht und bei Notfällen einen stillen Alarm abgibt. Am Ende der angestrebten Roadmap soll Pepper auch direkt für den Endkunden interessant werden und quasi ein Companion, also ein Gefährte, innerhalb der Familie werden.

Bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg zu beschreiten, was sicher nicht nur am Preis liegt. Sieht man von der Pflege ab, sind die meisten Use Cases, die auf der Pepper World Tour zu bestaunen waren, doch eher Kleinigkeiten: Pepper spielt Quizspielchen, führt lustige kleine Tänzchen auf oder fungiert als sprechender Informationsstand, dessen Qualität sehr von der Umgebungslautstärke und der Geschwindigkeit der Internet-Verbindung abhängt.

Zwar attestieren die meisten Aussteller, dass in der neuesten Generation und seit dem Umstieg auf die Android-Plattform Pepper deutlich schneller reagiert und sich die eingebauten Mikrofone, Sensoren und Kameras effizienter nutzen lassen. Dennoch ist der Roboter sehr stark von der ihn Umgebenden Akkustik abhängig: Bei zu viel Hall oder zu vielen störenden Nebengeräuschen fällt es Pepper schwer, den richtigen Sprecher zu erkennen. In manchen Demonstrationen fiel es dem Roboter schwer, sein Gegenüber richtig zu identifizieren – was mal an den Lichtverhältnissen, mal an den zugrunde liegenden Algorithmen liegen mag.

Und dann ist da noch das Thema Sicherheit. Pepper verfügt über Ethernet-, Bluetooth- und WiFi-Konnektivität - letztere bislang nur nach dem WPA2-Protokoll. Fragt man Besucher auf der Pepper World, ob sie sich den Roboter auch zur Tätigung ihrer Bankgeschäfte vorstellen könnten, äußern sich die meisten skeptisch. Ende 2017 hatten Security-Experten der US-Firma IOActive davor gewarnt, dass Pepper und sein kleiner Cousin NAO relativ einfach zu hacken wären - gerade dann, wenn sie direkt mit dem Internet verbunden sind.

Haben die Entwickler darauf geachtet, sorgfältige Sicherheitsmechanismen zu implementieren, und ist der Rechner nur in einem geschlossenen, zusätzlich abgesicherten Netzwerk unterwegs – dann sollte auch nichts dagegen sprechen, den Roboter etwa für Bezahlungsgeschäfte innerhalb einer Bankfiliale einzusetzen, meinten auch Sparkassen-Angestellte. Und überall, wo Pepper zum Einsatz kam, meinten alle einhellig, dass die Mitarbeiter, Angestellten und Kunden gleichermaßen ihn schnell akzeptiert, ja sogar begeistert aufgenommen hätten.

Aber zu Hause mag man ihn sich aktuell wohl doch noch nicht so recht vorstellen. Zumal im Endverbraucher-Segment die allerwenigsten Anwender daran denken würden, auch nur das Standard-Passwort bei dem Roboter zu ändern, wie einer der Besucher der Pepper World Tour feixend anmerkte.

Die technischen Daten von Pepper im Überblick

Pepper im Überblick: Der humanoide Roboter ist 120 cm groß und wiegt 28 kg, in seinem Herzen schlägt ein Quadcore Intel Atom E3845 Prozessor mit 1,91 GHz.
Pepper im Überblick: Der humanoide Roboter ist 120 cm groß und wiegt 28 kg, in seinem Herzen schlägt ein Quadcore Intel Atom E3845 Prozessor mit 1,91 GHz. (Bild: Philippe Dureuil / TOMA)

Maße – Höhe: 120 cm, Tiefe: 42,50 cm, Breite: 48,50 cm
Gewicht – 28 kg
Akku – Lithium-Ionen Akku - Kapazität: 30,0 Ah / 795 Wh - Laufzeit ca. 12 Stunden
CPU – Intel Atom E3845 Quadcore, 2 MByte Cache, 1,91 GHz
Interaktionssensoren – 4 Mikrophone, 2 RGB HD Kameras (Mund und Stirn), 5 taktile Sensoren (3 im Kopf und 2 auf den Handrücken), Touchscreen auf der Brust
Bewegungssensoren –1 3D-Kamera hinter den Augen für Tiefe und Erkennung von Bewegungen und Hindernissen; In den Beinen: 2 Sonar, 6 Laser, ein Gyro-Sensor
Fortbewegung – 3 Allrichtungsräder, Maximalgeschwindigkeit 5 km/h
Freiheitsgrade der Gelenke – Insgesamt 20: Kopf: 2, Schultern: 2, Ellbogen: 2, Handgelenke: 1, Hände (5 Finger): 1, Taille: 2, Knie: 1, Basis: 3
Betriebssystem – NAOqi OS; Entwicklung mittels Android SDK (über Plugin) ab 6.0 (Android Marshmallow) möglich
Programmiersprachen – C++, Python, Java, MATLAB, Urbi, C, .Net
Nutzlast – 500 g auf Armeslänge
Anzeige – Tablet 10,1 Zoll
Konnektivität – Wi-Fi (IEEE 802.11a/b/g/n), Ethernet (x1, 10/100/1000 base T), Bluetooth PAN
Preis – ab 19.900 Euro.

Roboter spricht mit chronisch kranken Kindern

Roboter spricht mit chronisch kranken Kindern

24.01.19 - Künftig werden chronisch erkrankte Kinder und Erwachsene von einem sprechenden Roboter unterstützt. Dieser hilft nicht nur bei der Medikation, sondern interagiert über einen cleveren Algorithmus mit den Patienten. lesen

Service-Roboter leistet wertvolle
Hilfe in der stationären Pflege

Service-Roboter leistet wertvolle Hilfe in der stationären Pflege

12.12.18 - Roboter in der Pflege entlasten Mitarbeiter und dank Sprachsteuerung unterhalten sich die Heimbewohner mit den Robotern. Ein Gewinn für beide Seiten und mehr Zeit für persönlichen Kontakt. lesen

Gehackte Roboter werden eine Gefahr für Menschen

Gehackte Roboter werden eine Gefahr für Menschen

24.08.17 - Viele der Roboter, die im industriellen und privaten Bereich genutzt werden, lassen sich leicht hacken und in fehlerhafte Maschinen verwandeln. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45981003 / Drohnen & Roboter)