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Lufttransport Pelican kombiniert die Stärken von Luftschiff und Flugzeug

| Redakteur: Peter Koller

Mit einem Zwitter aus Luftschiff und Flugzeug will die US-Engineering-Firma Aeros den Lufttransport umkrempeln. Ein von NASA und Pentagon finanzierter Prototyp hat erste Tests absolviert.

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Einsatzszenario: Tranport von Hilfsgütern in schwer zugängliche Regionen
Einsatzszenario: Tranport von Hilfsgütern in schwer zugängliche Regionen
(Aeros Worldwide)

Luftschiffe sind eigentlich die idealen Lastesel der Lüfte: Sie können große, sperrige Güter über weite Strecken transportieren und am Ziel in der Luft stehenbleiben oder senkrecht landen. Ihr großer Nachteil: Sie brauchen in der Regel zum Manövrieren in Bodennähe abwerfbaren Ballast, Masten zum Andocken oder Boden-Crews. Ein Luftschiff, das darauf verzichten kann und somit universell einsetzbar wäre, ist beim US-Luftfahrtunternehmen Aeros in Entwicklung.

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Der Clou bei der Pelican, so der Name: Sie kann ihren Auftrieb selbst regulieren. Das geschieht, in dem das Gas Helium, das den Auftrieb liefert, zwischen den Zellen des Luftschiffs und Tanks elektronisch gesteuert hin- und hergepumpt wird. Komprimiert in den Drucktanks erzeugt das Helium weniger Auftrieb als ausgedehnt in den Zellen. Damit die Stabilität der Hülle nicht vom Innendruck abhängig ist, verfügt das Luftschiff über ein ultraleichtes Innengerüst aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen. So ausgestattet kann die Pelican autonom wie ein Flugzeug agieren.

Diese Fähigkeiten sind dem US-Verteidigungsministerium und der Luft- und Raumfahrtagentur NASA immerhin 35 Millionen US-$ wert. Mit diesem Betrag wurde die Entwicklung eines Pelican-Prototyps gefördert. Dieser hat in den letzten Wochen in einem riesigen Hangar in Tustin (Kalifornien) erfolgreich seine ersten Test absolviert. Mittels des COSH-Systems (Control of Static Heaviness) stieg das Luftschiff rund ein bis zwei Meter kontrolliert in die Luft und konnte von der Crew an Bord ohne Hilfe von Außen in dem Hangar bewegt werden.

Der Pelican Prototyp ist mit knapp 80 Metern Länge und einem Gewicht von mehr als 16 Tonnen nicht gerade klein, aber für Aeros ist das erst der Anfang. Das reguläre Pelican-Luftschiff, offizieller Name ist ML866, soll später einmal rund 150 Meter lang sein und eine Nutzlast von 66 Tonnen ohne Zwischenlandung über eine Strecke von rund 5500 Kilometern transportieren – mit nur einem Drittel des Energieverbrauchs anderer Transportsysteme. Auch über Versionen mit 200 und sogar 500 Tonnen Nutzlast wird bereits nachgedacht.

Neben dem Einsatz als militärisches Frachtsystem könnten Pelican-Luftschiffe zum Beispiel auch Windturbinen an unwegsame Ort transportieren. Weitere Einsatzszenarien wären zum Beispiel die Katastrophenhilfe oder der Einsatz als besonders Luxuriösen Passagiertransportsystem wie einst die Zeppeline in den 1930er Jahren.

Um das System so universell einsetzbar wie möglich zu machen, wurden bei Aeros auch bereits interessante Detaillösungen entwickelt. So zum Beispiel ein in das Luftschiff integrierter Cargo-Lift, um die Nutzlast am Zielort abseilen zu können oder Landekufen aus Luftsäcken, die auf nahezu jedem Untergrund einsetzbar sind. Schwenkbare Propellergondeln sorgen für Manövrierbarkeit bei senkrechten Starts und Landungen

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