Patentierte Sicherheitslösung verspricht „Fake-ID“ fürs Internet

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Mit einer viertuellen Identität im Netz unterwegs: Datenspezialisten der Forensik.IT GmbH haben eine Möglichkeit entwickelt, mit der Nutzer von der Datensammelwut von Amazon, Google, Facebook & Co. verschont bleiben soillen.
Mit einer viertuellen Identität im Netz unterwegs: Datenspezialisten der Forensik.IT GmbH haben eine Möglichkeit entwickelt, mit der Nutzer von der Datensammelwut von Amazon, Google, Facebook & Co. verschont bleiben soillen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Datenschutzskandale bei Facebook oder Yahoo, aber auch die Datensammelwut von Netzriesen wie Amazon, Google & Co verunsichern Anwender zunehmend. Ein Patent der Forensik.IT verspricht nun eine einfache Lösung, die mit Hilfe „virtueller Profile“ Nutzer vor Datenkraken schützen soll.

Der Mensch ist in den vergangenen Jahren immer transparenter geworden – zumindest für IT-Konzerne wie Google/Alphabet, Facebook oder Amazon, die allesamt für ihre Datensammelwut bekannt geworden sind. Speziell Google und Facebook, deren hauptsächliches Geschäftsmodell im Schalten von Anzeigen liegt, werden von immer mehr Anwendern zunehmend kritisch beäugt. Dabei geht es noch nicht einmal um die großen Datenschutzskandale wie beispielsweise der Fall von Cambridge Analytica, die Zugriff auf umfassende Datensätze von Facebook-Usern und deren Bekannte hatten, die so umfassend waren, dass das Unternehmen damit zielgerichtet Einfluss auf die Wahl des US-Präsidenten nehmen konnte. Es ist mitunter erschreckend, was die Unternehmen mitunter über ihre Anwender sammeln – und wie wenig diese im Gegenzug effektiv an Gegenleistung bekommen.

Facebook sind Hunderte von Datenpunkten gerade mal 1,50 US-$ wert

Gerade über Facebook ist innerhalb der letzten Monate viel ans Licht gekommen – und mindestens ebenso viel im Dunkeln geblieben. So stellte beispielsweise die Washington Post bereits 2016 in einem Beitrag fest, wie Facebook bei Anzeigenkunden bewirbt, wie genau und nach welchen Kategorien diese Anzeigen unter den Millionen-Facebook-Anwendern ausspielen können. Dabei kommen nicht nur Faktoren wie der Wohnort oder die Lieblingsserien des Nutzerprofils zu tragen. Zu den Faktoren zählen unter anderem auch, ob die Person in diesem Profil ein Auto hat, wie viel dieses wert ist, was seine oder ihre politische Gesinnung ist – mindestens 98 Datenpunkte kommen zu tragen, mit denen Werbetreibende ganz gezielt ihre Anzeigen auf Anwender ausspielen können – und dadurch auch zielstrebig Einfluss auf deren Meinung nehmen können.

Damit nicht genug: wie Business Insider im August 2018 feststellte, trackt Facebook unter anderem auch fleißig die Bewegungen des Mauscursors, den Batteriezustand, Sendeleistungen und Aktivitäten des Smartphones eines Nutzers, oder sogar, ob sich im selben Netzwerk eines Anwenders bestimmte Geräte wie z.B. Media Center zum Video-Streaming befinden. Im Gegenzug sind Facebook all diese Mengen an Nutzerdaten für einen typischen europäischen Nutzer gerade einmal 1,50 US-$ pro Monat wert, wie die britische Zeitung the Guardian Anfang 2016 einmal vorrechnete.

Aber auch abseits der großen Konzerne werden Anwender gründlich via Cookies und Ortsdaten von Webseiten überwacht. Zahlreiche Flugunternehmen berechnen beispielsweise unterschiedliche Preise für Flugtickets, abhängig davon, in welchem Land sich der Käufer gerade befindet. Versierte Websurfer können mit Hilfe von VPN-Netzwerken und einer Reihe von Kniffen das Shopsystem austricksen und so günstigere Flugtickets ergattern. Allerdings hilft das nur, dem Flugunternehmen vorzugaukeln, man wäre gerade in einem anderen Land; zahlreiche andere Daten werden weiterhin fleißig gesammelt, von denen Facebook, Google oder zahlreiche Werbe-Aggregatoren profitieren. Auch Nachrichtenwebseiten werten ausgiebig das Surfverhalten ihrer Leser aus und setzen diese Daten zu eigenen Vermarktungszwecken ein oder verkaufen sie weiter. Der Anwender selbst hinterlässt einen eindeutigen Fingerabdruck, eine eindeutige ID, die ihn identifiziert und vor all diesen Unternehmen nackt dastehen lässt. Das sehen nicht nur zahlreiche Datenschützer überaus kritisch.

Falsche IDs für die Datenkraken

Es existieren zwar verschiedene Methoden, wie sich Anwender vor manchen dieser Sammelauswüchsen schützen können. Aber egal, ob sie regelmäßig ihre Cookies löschen, nur im Inkognito-Modus surfen, oder VPNs oder Tor-Netzwerke nutzen, diese Maßnahmen sind entweder mit zusätzlichem, umständlichen Aufwand verbunden oder schränken Komfortabilität und die eigene Nutzerfreiheit ein – und schützen oftmals auch nicht vollständig genug, so dass letztlich für Anzeigenkunden noch genügend Rückschlüsse auf die Interessen eines Anwenders zurückbleiben.

Datenanalysespezialisten der Forensik.IT GmbH haben sich dieses Themas angenommen mit dem Ziel, einen einfach anwendbaren und gleichzeitig umfassenden Datenschutz für Internetnutzer zu finden. Für eine solche Lösung hat das Deutsche Patent- und Markenamt nun ein Patent gewährt. Die Idee: Der Nutzer soll in der Lage sein, nach Wunsch zwischen seinem eigenen und einer „virtuellen“ Netzidentität zu wählen. Dabei geht es nicht einfach nur darum, andere Standortdaten vorzutäuschen. Vielmehr handelt es sich bei diesen Fake-IDs um „virtuell authentische Echt-Daten“. Mit anderen Worten: Cookies, Vorlieben, gespeicherte häufig besuchte Websites – all das, was auch ein Werbeunternehmen zum Erstellen eines möglichst umfassenden Anwenderprofils tracken und speichern würde, ist hier bereits in Form einer Identität zusammengefasst.

Die Idee könnte sich in Form einer Smartphone-App, eines Plug-Ins oder eines eigenen Webbrowsers umsetzen lassen. Will sich ein Anwender frei durchs Netz bewegen, kann er in einer eigens zu diesem Zweck angelegten Datenbank einfach eine dieser vorgefertigten IDs wählen. All das, was potentiell verfolgt und gespeichert werden könnte, wird der virtuellen Identität zugeordnet – das eigene Profil bleibt laut Patentbeschreibung unberührt. Je nach Wunsch können auch eigene Daten mit denen eines Fakes gemischt werden, wenn man beispielsweise selbst den Verlauf der letzten Urlaubsreise tracken möchte.

Ergänzendes zum Thema
 
98 Daten, die Facebook für 'targeted Advertising' nutzt

„Die Erstellung virtueller Profile bietet dem Nutzer eine einfache und effektive Möglichkeit, selbstständig zu entscheiden wann er seine echten Informationen an den Dienstleister geben möchte und wann nicht,“ heißt es von Seiten der Forensik.IT. „Der Nutzer muss weder auf Dienstleistungen verzichten noch komplizierte Datenrichtlinien durchforsten oder spezielle Einstellungen im Browser vornehmen.“ Außer in Form von Apps oder Webbrowsern könne man sich aber auch andere Anwendungsszenarien vorstellen, etwa zur Datensicherheit in geschlossenen Netzwerken. Anderen Anwendungsmöglichkeiten stehe man ebenfalls offen gegenüber.

Datenleaks bei Yahoo: Übernahme und Neuausrichtung in Gefahr

Datenleaks bei Yahoo: Übernahme und Neuausrichtung in Gefahr

10.01.17 - Der Verkauf der Websparte des Internet-Pioniers Yahoo an Verizon galt bereits als gesichert. Yahoo-Geschäftsführerin Marissa Mayer kündigte Montag an, dass das Rest-Unternehmen künftig in Altaba umbenannt werden soll. Doch die Phishing-Affäre könnte nun neben dem Teilverkauf an Verizon auch die Neuausrichtung von Rest-Yahoo gefährden. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45659537 / Safety & Security)