Passive Bauelemente – Schlüsselkomponenten im Schatten

| Autor: Thomas Kuther

Passive Bauelemente für Zukunftstechnologien

Das nächste Thema der Gesprächsrunde waren Zukunftstrends. Und Reinhard Sperlich zeigt ein schönes Beispiel auf: „Für das Internet der Dinge sind jede Menge Sensoren nötig. Der Trend geht zu kabellos und digital. Die Wertschöpfung muss größer werden! Das Sensorelement ist zwar passiv, aber es braucht mehr: Auswerteelektronik, Software, etc. Der passive Hersteller wird also aktiv und sogar zur Softwareschmiede. Wir müssen den Sensor fit machen für das IoT. Außerdem muss jede Komponente eines Tages identifizierbar sein, zum Beispiel via RFID.“ Johann Wiesböck greift das Thema auf: „Wenn also im Internet of Things Sensoren alleine nicht reichen, müssen die Hersteller eben ‚intelligente‘ Sensorsysteme anbieten, quasi ‚Passive IoT-ready‘.“

Einen weiteren Trend sieht Olaf Lüthje: „Immer mehr kundenspezifische passive Bauelemente sind gefragt. Es kommt durchaus auch vor, dass ein Kunde ein Standardbauelement mit kundenspezifischen abweichenden Spezifikationen wünscht. Und wir entwickeln es für seine Anwendung. Das ist dann ein Produkt, das kein Katalog-Distributor anbieten kann.“

Reinhard Sperlich gibt ihm recht: „Das ist wahr, es gibt gewaltige Unterschiede zwischen kundenspezifischen und Commodity-Bauelementen. Und es gehört viel Knowhow dazu, wenn man es dem Kunden recht machen möchte.“ Wilhelm Hasenpflug ergänzt: „Ja, in solchen Fällen können auch kleinere Mengen interessant sein. Gerade für kleine Anbieter wie uns sind solch beratungsintensive Wünsche ein sehr interessantes Thema. Und wenn viel Entwicklungsarbeit nötig ist, dann ist es durchaus möglich, dass bei einer Stückzahl von Eins das Bauteil einige tausend Euro kosten kann.“

Auch die Industrie verlangt vermehrt AEC-Q200

„Lassen Sie uns noch zu einem anderen Thema kommen: Vorhin wurde erwähnt, dass eine Automotive-Qualifizierung immer wichtiger wird“, wirft Thomas Kuther ein. „Sind Qualifizierungen nach AEC-Q200 und IEC 16949 auch in der Industrieelektronik mittlerweile gefordert?“

„Tatsächlich nutzt die Industrie jetzt vermehrt auch AEC-Q, da solche Bauelemente sich für höhere Temperaturen eignen sowie stabiler, robuster und zuverlässiger sind. Deshalb stellen viele Hersteller nach und nach auf AEC-Q um. Das ist tatsächlich ein Trend.“ „Allerdings darf man nicht vergessen, dass AEC-Q200-getestet nicht gleich AEC-Q200-qualifiziert ist!“, wirft Reinhard Sperlich ein. „Das ist ein weit verbreiteter Trick.“ Für Olaf Lüthje ist das kein Thema, denn „bei uns werden alle Bauelemente, die neu dazu kommen, nach AEC-Q-qualifiziert. Das Problem ist allerdings, dass das sehr zeitaufwendig ist.“ „Es fehlt aber oft das Verständnis, was AEC-Q eigentlich ist“, ergänzt Wilhelm Hasenpflug. „Damit treibt die AEC-Q-Qualifizierung den Preis hoch. “

Ein weiteres Problem bei der Forderung nach automotive-qualifizierten Bauelementen sieht Olaf Lüthje: „Oft kommt es auch vor, dass wir diesen Wunsch nicht erfüllen können, weil es noch gar keine Spezifikationen gibt.“ Und oft weiß der Kunde auch nicht so recht, was hinter der geforderten Spezifikation genau steckt, weiß Sperlich zu berichten: „AEC-Q200 ist zwar ganz nett, aber wir dürfen nicht vergessen, dass in der Automobilindustrie ohne IEC 16949 gar nichts geht!“ Das sieht Olaf Lüthje ebenso: „Das kommt mir so ähnlich vor, wie ISO 9000 vor 30 Jahren – jeder wollte es haben, aber keiner hat gewusst, was das eigentlich ist.“

Bauelementekauf ist Vertrauenssache

Ein weiteres interessantes Thema bei der Bauelementebeschaffung sind Fälschungen. Auch dieses Thema wird in der Runde angeregt diskutiert. Einig sind sich die Teilnehmer, dass Produktfälschungen bei passiven Bauelementen nur selten sind. „In China sind Fakes allerdings durchaus ein Problem“, meint Reinhard Sperlich. „Wir haben bei Murata vielleicht ein bis zweimal im Jahr so einen Fall. Mir ist auch klar, warum das so ist: es rentiert sich einfach nicht. Zum einen kosten passive Bauelemente nun einmal nicht viel, zum anderen wird es richtig teuer, wenn zum Beispiel so ein gefälschtes Bauelement in die Klimaanlage eines Autos eingebaut wird, ausfällt, und dann eine teure Rückrufaktion fällig ist. Um unseren Kunden solche Erfahrungen zu ersparen, haben wir bei Murata eine eigene Onlineseite eingerichtet, wo sich der Kunde informieren kann. Allerdings sind gefälschte Bauelemente in Europa kein größeres Problem.“ Ein weiterer Grund für seltene Fakes ist, dass Bauelemente gut trackbar sind und Labels oft nur schwer zu fälschen. Deshalb sind Fake-Bauelemente meist leicht erkennbar.

Was am besten vor Fälschungen schützt, bringt Wilhelm Hasenpflug auf den Punkt: „Wir kaufen grundsätzlich nur von autorisierten Quellen. Wenn uns ein Kunde jedoch damit beauftragt, andere Quellen zu nutzen, sagen wir ihm, dass diese Bauelemente dann nicht vom Hersteller kommen. Zudem können wir sehr gut feststellen, ob es sich um ein Fake handelt, da wir die technischen Daten der Bauelemente selbst messen können.“ Laut Hasenpflug sind bei solchen unsicheren Quellen rund 80% der angebotenen Ware gefälscht. Dabei ist alles vertreten: kopierte Label, gefälschte Label sowie richtige Label mit falschen Produkten.

Das Resümee der Runde: Bauelemente nur bei vertrauenswürdigen Anbietern kaufen und im Zweifelsfall testen.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44885089 / Passive Bauelemente)