Technikgeschichte Päpste und elektronische Massenmedien

Redakteur: Franz Graser

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. lenkt die Blicke der Welt wieder einmal nach Rom. Fernsehen und Internet werden in den kommenden Tagen und Wochen dramatische Bilder vom Konklave liefern. Grund genug, um zurückzublicken, wie die Päpste die Medien für ihre Zwecke genutzt haben.

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Leo XIII. amtierte von 1878 bis 1903. In seinem päpstlichen Rundschreiben „Rerum novarum“ nahm er insbesondere zur Sozialen Frage Stellung und verurteilte die Ausbeutung der Industriearbeiterschaft.
Leo XIII. amtierte von 1878 bis 1903. In seinem päpstlichen Rundschreiben „Rerum novarum“ nahm er insbesondere zur Sozialen Frage Stellung und verurteilte die Ausbeutung der Industriearbeiterschaft.
(Bild: Wikimedia, gemeinfrei / CC0 )

Auch im 21. Jahrhundert hält die römisch-katholische Kirche an einer der ältesten Methoden der Nachrichtenübermittlung fest. Denn ob nach Wochen der gespannten Erwartung endlich ein erlösendes „Habemus papam“ (lateinisch für: Wir haben einen Papst) folgen wird, wird man auch diesmal zuallererst an den Rauchzeichen ablesen können, die dem altersschwachen Schornstein der Sixtinischen Kapelle entsteigen.

Und wie so oft, werden sich die Pilger auf dem Petersplatz fragen, ob der Rauch nun schwarz oder weiß ist. Denn das war in der Vergangenheit nicht immer eindeutig. Sicher ist aber, dass zahllose Kameras auf ebendiesen Kamin gerichtet sein werden und die Reporter der internationalen Medien eifrig über den Ausgang der geheimsten Wahl der Welt spekulieren werden. Zeit für einen Rückblick, wie die älteste noch existierende Organisation der Welt die elektronischen Medien genutzt hat.

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Zarte Anfänge: Leo XIII.

Leo XIII. wurde im frostigen Februar 1878 gewählt. Kardinal Gioacchino Pecci, so sein bürgerlicher Name, war damals 68 Jahre alt und galt aufgrund seiner nicht besonders robusten Konstitution als idealer Papst des Übergangs nach dem 31 Jahre dauernden Pontifikat seines Vorgängers Pius IX. Niemand rechnete damals damit, dass Leo XIII. ein hohes Alter von 93 Jahren erreichen und 25 Jahre lang amtieren würde.

Leo XIII. ist der erste Papst, von dem Film- und Sprachaufnahmen existieren. Die Sprachaufnahmen wurden 1903 von dem italienischen Erfinder Gianni Bettini gemacht, der den Edison'schen Phonographen modifizierte und verbesserte. Unter anderem erfand er ein dediziertes Abspielgerät, das die Qualität der Wiedergabe enorm erhöhte. Leo XIII sprach wenige Wochen vor seinem Tod ein „Ave Maria“ ein, seine Stimme wurde auf Wachszylindern aufgezeichnet. Kopien dieser Zylinder wurden später unter anderem von der Firma Columbia in den USA verkauft. Die Filmaufnahmen stammen aus dem Jahr 1896 und können noch heute von der Internetseite des Vatikanischen Filmarchivs heruntergeladen werden.

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