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Baugruppenfertigung Outsourcing – aber richtig!

| Redakteur: Claudia Malllok

Erfolgreiches Outsourcing funktioniert nur als langjährige Partnerschaft zwischen Kunde und EMS-Provider. Sie ist verbunden mit viel Interaktion, aber auch Arbeit. Erfolg und Misserfolg

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Dr. Gernot Strube, Prinicpal von McKinsey&Company: „Beide Parteien müssen sich bewusst sein, dass Outsourcing eine langjährige enge Partnerschaft ist.“
Dr. Gernot Strube, Prinicpal von McKinsey&Company: „Beide Parteien müssen sich bewusst sein, dass Outsourcing eine langjährige enge Partnerschaft ist.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Erfolgreiches Outsourcing funktioniert nur als langjährige Partnerschaft zwischen Kunde und EMS-Provider. Sie ist verbunden mit viel Interaktion, aber auch Arbeit. Erfolg und Misserfolg liegen dabei nahe beieinander.

„Es funktioniert nicht, einfach Probleme outzusourcen“, bringt es Dr. Gernot Strube, Principal und Leiter European Manufacturing Practice von McKinsey&Company, auf den Punkt. Wer denkt, dass ein Elektronikfertigungs-Dienstleister, kurz EMS, beratend zur Seite steht, denkt zwar richtig, aber: „Der EMS-Provider konzentriert sich ausschließlich auf die Fertigung und bietet hierbei seine vielfältigen Dienstleistungen an.“ Electronics Outsourcing ist kein Selbstläufer. Win-Win- Situationen müssen geschaffen werden. Wer outsourcen will, beginnt nicht nur eine langjährige Partnerschaft mit viel Interaktion. „Für den EMS-Kunden beginnt hier auch die eigentliche Arbeit“, erläutert der McKinsey-Berater.

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Die Vorteile einer Produktions-Auslagerung liegen auf der Hand. Laut den Auswertungen von McKinsey ist eine jährliche Kosteneinsparung von bis zu 40?% möglich. Durch kürzere Produkteinführungszeiten, verkürzt sich der Bargeldzyklus um 50?%. Darüber hinaus verringert sich die Gewinnschwelle von 80?% auf 60?% weil der Kunde flexibler wird und schneller auf eine Marktbelebung bzw. einen Marktrückgang reagieren kann. Schließlich profitiert der EMS-Kunde dank seines global aufgestellten Elektronikfertigungs-Dienstleisters von dessen strukturellen Vorteilen, die sich ihm in unterschiedlichen Ländern bieten. Ein Hauch von Globalisierung umgibt also den mittelständischen Kunden, dessen produktionstechnisches Lokalkolorit von 80?% auf 30?% sinkt.

Doch der Fehlerteufel steckt bekanntlich im Detail, warnt Dr. Gernot Strube: „Wenn die Interaktion zwischen Kunde und EMS nicht intensiv geführt wird, ist der Misserfolg programmiert.“ Beispielsweise divergieren Forecast und Kundenbedürfnis weit auseinander. Neben der Planung und Ausführung der Produkt-Auslagerung sei vor allem das Management gefordert, mahnt der McKinsey-Berater: „Probleme sind eher exekutiven als strukturellen Ursprungs.“ Nach Auswertung verschiedener Studien kommt Dr. Gernot Strube zu dem Schluss: „Die Misserfolgsquote liegt bei 50% innerhalb von nur fünf Jahren.“

Der Bedarf an Outsourcing ist da

Der Bedarf an Outsourcing ist nach wie vor da, wenngleich „mit weniger Getöse“, wie Dr. Gernot Strube einräumt. Das Outsourcing in der Elektronikbranche zeige ein starkes Wachstum bei gleichzeitig langsam steigendem Anteil am Branchenumsatz. In Zahlen: McKinsey beziffert den Outsourcing-Banchenumsatz (EMS und ODM) für 2006 auf weltweit 185?Mio. Euro, der bis 2009 auf 277?Mio. Euro steigen soll. Davon steuert der EMS-Bereich im Jahr 2006 133?Mio. Euro bei, 2009 voraussichtlich 195?Mio. Euro. Die kontinuierlich wachsende Nische Original Design Manufacturing (ODM) soll 2006 einen weltweiten Umsatz von 52?Mio. Euro erreichen, der bis 2009 auf 82?Mio. Euro klettern soll. Hingegen werden EMS und ODM zusammen kaum am weltweiten Branchenwachstum des Elektronikmarktes partizipieren: Für 2006 gibt McKinsey für EMS und ODM einen Branchenanteil von 24,5?% an, für 2009 gerade einmal 29?%.

Branchenprimus Flextronics will sich den prognostizierten Aufschwung nicht entgehen lassen, und hat dafür den Geschäftsbereich Special Business Solutions (SBS) aus der Taufe gehoben. „Es stellt sich nicht die Frage, ob das Outsourcing von diversifizierten Produkten zunehmen wird“, meint Dr. Uwe Schmidt-Streier, General Manager von Flextronics Deutschland und Leiter des deutschen Werks in Paderborn und erläutert: „sondern mit welcher Geschwindigkeit dies geschehen wird und welcher Anteil dieses Geschäftes aufgrund höherer Komplexitäts- und Flexibilitätsanforderungen in den westlichen Ländern gehalten werden kann.“

Paderborn ist der Dreh- und Angelpunkt

SBS zielt auf mittelständische Kunden ab. Sie können auf die weltweiten Ressourcen der Flextronics-Gruppe zurückgreifen: Eine Einkaufsmacht von mehr als 14?Mrd. Dollar soll beste Preis- und Lieferbedingungen bieten. Die rund 6000 Ingenieure der Flextronics-Gruppe bieten nahezu unbegrenzte Design-Kapazitäten. Nicht zuletzt die weltweite Standardisierung von Prozessen und Anlagen erlaubten einen guten Ausgleich von Kapazität und Ressoucen, ist Dr. Uwe Schmidt-Streier überzeugt. Dreh- und Angelpunkt für SBS ist Paderborn: „Mit mehr als 250 Kunden am Standort Paderborn beweisen wir, dass wir ein traditionelles Unternehmen sind, das nicht nur mit den ‚Großen’ agiert“, rührt er kräftig die Werbetrommel.

Erfolgreiches Outsourcing folgt mehreren Schritten zusammen. Wichtig dabei ist, hat Dr. Uwe Schmidt-Streier die Erfahrung gemacht, dass die eigene Geschäftsstrategie des Kunden mit dem Outsourcing-Ziel vereinbar sein muss. Um eine konsequente Implementierung und Prozessneugestaltung zu erreichen empfiehlt er, dass anfangs nur Teile einer Fertigung auszulagern: „Es handelt sich um einen fortlaufenden Prozess mit viel Interaktion, weshalb eine langsame Steigerung sinnvoll ist.“ Schließlich sähen doch beide Seiten einander als bevorzugte Partner für eine künftige Ausdehnung der Geschäfte an.

Flextronics Deutschland, Tel. +49(0)5251 1801850

McKinsey Company, Tel. +49(0)89 55940

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