Osram und der Abschied von der klassischen LED-Beleuchtung

| Autor: Hendrik Härter

Das Ende einer Ära: Die Glühlampe steht sinnbildlich für das klassische Leuchtengeschäft bei Osram. Doch mit Allgemeinbeleuchtung lässt sich kein Geld mehr verdienen. Die Zukunft sieht Osram Licht in LED-Halbleiter.
Das Ende einer Ära: Die Glühlampe steht sinnbildlich für das klassische Leuchtengeschäft bei Osram. Doch mit Allgemeinbeleuchtung lässt sich kein Geld mehr verdienen. Die Zukunft sieht Osram Licht in LED-Halbleiter. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Erst war es die Allgemeinbeleuchtung, jetzt das Spezialgeschäft mit Licht: Osram Licht verabschiedet sich von seinen Wurzeln. Geld verdienen will das Unternehmen künftig vor allem mit LED-Halbleitern und dem Autonomen Fahrzeug.

Besser als befürchtet: So lässt sich die aktuelle Kursentwicklung bei Osram beschreiben. Was ist passiert? Ein kurzer Blick zurück. Im November 2015 hatte Osram unter dem vielversprechenden Namen „Diamond“ angekündigt, bis zum Jahr 2020 rund drei Milliarden Euro investieren zu wollen. Es waren vor allem Forschung und Entwicklung, die davon profitieren sollten. Auch war geplant, in Malaysia eine neue Chipfabrik zu bauen. Die Chips sollen vor allem für die Automobilbeleuchtung dienen. Zwei Jahre nach Ankündigung konnte im November 2017 die LED-Chipfabrik in Kulim eröffnen. Ungefähr 370 Mio. Euro hatte Osram bisher investiert. Die Summe soll sich bis zu einer Milliarde erhöhen. Wenn denn der Bedarf nach den entsprechenden Halbleiterchips da ist.

Und die Vorhersage nach LEDs und ihren Anwendungen ist schwierig, der Preiskampf enorm. So hatte sich Osram nach langen Zerren von seiner Tochter für Allgemeinbeleuchtung, Ledvance, getrennt. Gekauft wurde das Unternehmen von einem chinesischen Investor, der gleich nach der Übernahme über 1000 Mitarbeitern gekündigt hatte. Bei Ledvance will man mit einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung gegen billige Massenprodukte aus Fernost vorgehen.

Weniger Stellen bei Siteco abgebaut

Dann traf es der Speziallicht-Sparte Siteco in Traunreut. Im April 2017 hieß es, mehrere hundert Stellen sollen abgebaut werden und die Mitarbeiter sich in Regensburg bewerben. Hier zumindest gab Osram Entwarnung: „In Traunreut wurden weniger Stellen abgebaut als ursprünglich geplant.“, berichtet Konzernsprecher Jens Hack. Den Grund schiebt er hinterher: Teile der Produktion aus der Slowakei wurden nach Traunreut gebracht. Doch wie es weitergeht, lässt sich „zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös absehen.“ Der Verkaufsprozess wird gerade erst gestartet. Siteco wurde Anfang 2011 von Osram übernommen. Siteco baut unter anderem LED-Leuchten für Straßen und Stadien sowie Büro- und Industrieleuchten.

Was bleibt? Das Geschäft mit den optischen Halbleitern. In dieser Sparte läuft es nach Angaben von Osram „weiter gut.“ Aktuell wird der Ausbau des Werksverbundes forciert. In Regensburg wird gegen Ende des Jahres ein neuer Fertigungsbau eröffnet. Im malaysischen Kulim neigt sich nach und nach der Ramp-up des neuen Werks dem Ende zu. Und auch im chinesischen Wuxi wurden die Kapazitäten deutlicher erweitert.

Automobilmarkt mit Unsicherheiten

Zurück zum Automobilmarkt: Warum dieser Markt gerade ins Straucheln geraten ist, sieht Konzernsprecher Hack vor allem bei Unsicherheiten wie modifizierten Abgastests sowie drohende und bestehende Handelszölle. Diese führen zu einem kurzfristig veränderten Bestellverhalten bei einigen Automobil-Kunden. Doch langfristig, so ist sich der Osram-Sprecher sicher, führen die „LEDifizierung des Automobils, Fahrassistenzsysteme und Technologien für Autonomes Fahren wie beispielsweise mit der LiDAR-Technik“ wieder zu steigenden Gewinnen. Wie wichtig dieser Markt für Osram ist, zeigt unter anderem ein Joint Venture mit Continental, in das Osram 1500 Beschäftigte an 16 Standorten eingebracht hat. Beide Unternehmen halten je 50% an der Firma.

Regensburg in Deutschland und Kulim in Malaysia sind die Leuchttürme für Osram Licht. Hier sollen ganz neue Halbleitertechniken auf LED-Basis entwickelt werden. Damit wird die Sparte Osram OS weiter ein „wichtiger Pfeiler des Gesamtgeschäfts bleiben“, ist sich Hack sicher.

Was das für die Konzernausrichtung bedeutet und wie sich das Unternehmen weiter aufstellen wird, das will der Vorstand allerdings erst im November dieses Jahres auf einer Kapitalmarktkonferenz bekannt geben.

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