Osram-Übernahme könnte an Hedgefonds scheitern

| Autor / Redakteur: dpa / Julia Schmidt

Wie am Freitag aus Finanzkreisen zu erfahren war, halten Hedgefonds inzwischen rund 35 bis 45 Prozent der Osram-Anteile. Dienen sie diese Aktien aber nicht wenigstens teilweise an, kann AMS die angestrebten 55 Prozent kaum erreichen.
Wie am Freitag aus Finanzkreisen zu erfahren war, halten Hedgefonds inzwischen rund 35 bis 45 Prozent der Osram-Anteile. Dienen sie diese Aktien aber nicht wenigstens teilweise an, kann AMS die angestrebten 55 Prozent kaum erreichen. (Bild: Matthias Balk/dpa)

Die geplante Übernahme des Münchner Lichtkonzerns Osram durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS könnte am großen Engagement von Hedgefonds scheitern.

Der österreichische Halbleiterhersteller AMS rührt gut eine Woche vor Ablauf des Kaufangebots für den deutschen Leuchtenhersteller Osram nochmals die Werbetrommel bei den Osram-Aktionären. Dies sei die letzte Chance, sich das „attraktive AMS-Angebot“ zu sichern, teilte die an der Schweizer Börse notierte AMS mit.

Bis Mittwochabend, 27.11. 18 Uhr, hätten 3,3 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Aktien im Rahmen des Übernahmeangebots von AMS für 41 Euro je Titel eingereicht. Das Kaufangebot ende am 5. Dezember 2019 um Mitternacht.

AMS sieht keine Vorteile in einer Minderheitsbeteiligung

„Um eventuelle Marktspekulationen zu beenden, bestätigt AMS, weder den Angebotspreis von 41 Euro ändern noch die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent senken zu wollen“, schrieb der österreichische Konzern. AMS sehe keine Vorteile in einer bedeutenden Minderheitsbeteiligung an Osram ohne klaren Weg zur Erlangung der Kontrolle.

Sollte das Angebot die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent nicht erreichen, werde AMS alle Optionen für die Beteiligung an Osram prüfen, hieß es weiter. Für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten würden keine weiteren Osram-Aktien erworben und kein weiteres Angebot für das deutsche Unternehmen aufgelegt, betonten die Österreicher.

Hedgefonds halten rund 35 bis 45 Prozent der Osram-Anteile

Wie jetzt jedoch am Freitag, 29.11., aus Finanzkreisen zu erfahren war, halten Hedgefonds inzwischen rund 35 bis 45 Prozent der Osram-Anteile. Dienen sie diese Aktien aber nicht wenigstens teilweise an, kann AMS die angestrebten 55 Prozent kaum erreichen. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

„Es scheint, dass eine Reihe von Hedgefonds Aktien erworben haben mit dem Ziel, diese erst zu einem späteren Zeitpunkt und zu einem höheren Preis anzudienen“, zitiert die Zeitung Osram-Chef Olaf Berlien. Doch dieser Plan könnte nun daran scheitern, dass zu viele Hedgefonds ihn verfolgen. Finanzkreisen zufolge liegen nämlich rund 20 bis 25 Prozent der Osram-Anteile bei Kleinaktionären, die schon die erste AMS-Offerte nur zögerlich annahmen, und weitere rund 10 Prozent bei Indexfonds, die diese Aktien halten müssen. Daher sei ein signifikanter Teil der Hedgefonds-Anteile nötig, um die Angebotsschwelle zu erreichen.

Die Hedgefonds stecken in einem Dilemma: Dienen sie ihre Anteile nicht an, kann die Übernahme scheitern und die Aktien würden wahrscheinlich erheblich an Wert verlieren. Geben sie ihre Anteile aber für die gebotenen 41 Euro pro Stück ab, verdienen sie kaum daran. Die Frage ist nun, ob genügend Hedgefonds bereit sind, auf einen Teil der möglichen Gewinne durch einen späteren Verkauf zu verzichten und jetzt einen Teil ihrer Anteile anbieten, um ein Scheitern der Offerte zu verhindern, die einen Kurssturz auslösen würde. Auf genau diesen könnten aber wieder andere Investoren setzen. (dpa)

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