Osram-Tochter Ledvance streicht nach Übernahme durch China 1300 Jobs

| Autor / Redakteur: Mit Material der dpa / Sebastian Gerstl

Ehemaliges Osram-Werk in Augsburg kurz nach der Umbenennung des Leuchtengeschäfts in Ledvance. Dem bayerischen Standort mitsamt seinen 650 Mitarbeitern droht unter dem neuen Eigentümer, der chinesischen Investorengruppe MLS, nun das Aus.
Ehemaliges Osram-Werk in Augsburg kurz nach der Umbenennung des Leuchtengeschäfts in Ledvance. Dem bayerischen Standort mitsamt seinen 650 Mitarbeitern droht unter dem neuen Eigentümer, der chinesischen Investorengruppe MLS, nun das Aus. (Bild: dpa - Bildfunk)

Massiver Stellenabbau bei dem Leuchtmittelhersteller Ledvance: mehr als jeder zweite Job wird deutschlandweit gestrichen. Die Mitarbeiter sind schockiert. Gerade einmal 15 Minuten habe die Informationsveranstaltung gedauert.

Wenige Monate nach der Übernahme durch einen chinesischen Investor will der Leuchtmittelhersteller Ledvance mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze abbauen . Wie das Unternehmen am Montag bestätigte, sollen die zwei ehemaligen Osram-Werke in Augsburg und Berlin geschlossen werden. An anderen Standorten ist in den kommenden Jahren ebenfalls ein deutlicher Personalabbau geplant. Insgesamt sollen nach den Angaben des Unternehmens rund 1300 von etwa 2300 Mitarbeitern in Deutschland gehen. Bereits am Wochenende waren die Schließungspläne bekanntgeworden.

Der Betriebsrat und die IG Metall kritisierten das Vorgehen massiv. Es sei ein "bodenloses Verhalten gegenüber den Mitarbeitern", sagte Angela Steinecker, die Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft. Die Mitarbeiterversammlung in Augsburg, mit etwa 700 Beschäftigten der größte betroffene Standort, habe gerade einmal eine Viertelstunde gedauert. Perspektiven seien den Mitarbeitern dabei nicht aufgezeigt worden, so habe es keine Angaben zu einer Auffanggesellschaft gegeben.

Osram hatte seine im Jahr 2016 Ledvance getaufte Lampensparte zum 1. März 2017 für mehr als 400 Millionen Euro an ein Konsortium um den chinesischen Investor MLS verkauft. Weltweit hat das Unternehmen etwa 9000 Mitarbeiter an 17 Standorten. "Es ist ein komischer Zufall, dass nicht einmal eineinhalb Jahre nach Ausgliederung des klassischen Geschäftes dieses Hackebeil kommt", meinte Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Trend zu modernen LED-Leuchtmitteln. Die heimischen Ledvance-Werke sind davon besonders betroffen, weil dort noch herkömmliche Leuchten wie Leuchtstoffröhren produziert werden. Es werde mit einem Rückgang des Marktvolumens im traditionellen Geschäft von nahezu 90 Prozent bis 2025 gerechnet, erklärte Ledvance dazu.

In Augsburg soll bis Ende 2018 das eigentliche Werk und etwas später auch eine spezielle Maschinenbauabteilung schließen. In Berlin sind rund 200 Mitarbeiter betroffen. Die beiden weiteren Fabriken Wipperfürth und Eichstätt sollen bleiben, dort sollen aber 300 Jobs wegfallen, überwiegend in Eichstätt. Am Unternehmenssitz in Garching bei München sollen weitere 100 Mitarbeiter gehen.

Bei der Betriebsversammlung in Augsburg sei es am Montag totenstill gewesen, sagte Willi Sattler, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat. "Ich bin mir vorgekommen, wie auf einer Beerdigung." Die Mitarbeiter seien teilweise seit 20 bis 30 Jahren bei dem Unternehmen. Sie seien "traumatisiert" und könnten das Aus nicht verstehen. Die Augsburger Fabrik wurde 1906 als Glühlampenproduktion gegründet, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Standort von Osram übernommen.

Ursprünglicher Beitrag vom 13. 11. 2017, 09:00 Uhr

Seit der Ausgliederung und der Übernahme der Osram-Tochter Ledvance durch chinesische Investoren machten Gerüchte über potentielle Werksschließungen die Runde. Nun scheint ein entsprechender Schritt vollzogen worden zu sein: Wie der bayerische Rundfunk meldet, plant der Lampenhersteller Ledvance, heute offiziell die Schließung des ehemaligen Osram-Werks in Augsburg bekannt zu geben. Das Werk mit seinen insgesamt 650 Arbeitsplätzen stehe damit vor dem Aus.

Auch die Süddeutsche Zeitung bestätigt dies: Demnach will Jes Munk Hansen, Chef der früheren Lampensparte des Osram-Konzerns, heute auf einer Mitarbeiterversammlung die Angestellten über die Schließung des Werkes informieren. Zuerst hatte die Augsburger Allgemeine über eine mögliche Werksschließung berichtet.

Doch nicht nur Augsburg ist betroffen: Auch der Standort Berlin mit seinen etwa 220 Mitarbeitern soll dicht gemacht werden. Dort zeigt man sich nach Angaben der Berliner Zeitung von der Ankündigung überrascht: In Siemensstadt setzt man auf die Retrofit-Linie, um konventionelle Lampen mit LED-Technik auszustatten. Diese sei eigentlich derzeit enorm gefragt, die Produktion dafür im Nordwesten Berlins sei ausgelastet.

Mit je einem Werk im bayerischen Eichstätt und in Wipperfürth bei Köln würden dann noch zwei deutsche Standorte von Ledvance verbleiben. Auch hier machen die Sparmaßnahmen nicht halt: Wie mehrere Medien einhellig vermelden, müssen sich die dort verbleibenden insgesamt 700 Mitarbeiter auf weitere Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen einstellen.

Von der Ledvance-Unternehmensleitung in Garching bei München gab es derzeit keinen Kommentar. Aus Industriekreisen hieß es jedoch, die Einschnitte seien wegen des Einbruchs am Markt für Glühlampen und einer immer geringeren Auslastung der Werke "unausweichlich".

Der Markt für traditionelle Glüh- und Energiesparlampen schrumpft seit Jahren rasant – auch wegen immer strengerer Vorgaben für den Energieverbrauch. In der Branche befürchtet man weiteren Druck von der EU. Die Lampen aus Augsburg sind also wohl schon jetzt nur noch ein Auslaufmodell. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung formulierte es ein Branchenkenner folgendermaßen: "Glühbirnen und Lampen seien so etwas wie die mechanischen Schreibmaschinen unserer Zeit - auch die wurden irgendwann nur noch von einer Handvoll Liebhaber gekauft".

Der Münchener Beleuchtungs-Spezialist Osram hatte sein Geschäft mit traditionellen Lampen im vergangenen Jahr in Ledvance umbenannt und im März diesen Jahres für mehr als 400 Millionen Euro an die chinesische Investorengruppe MLS verkauft. Die Probleme, die dieser Geschäftsteil mit sich trug, wurden dadurch nicht bereinigt. "Dass das Geschäft nicht gut läuft, war schon klar, aber das war zuletzt bei Osram auch der Fall", zitierte die Augsburger Allgemeine einen Mitarbeiter des Werks in Augsburg.

Insider vermuten, dass der neue Eigentümer vorrangig auf Leuchtenproduktion in China setzen möchte. Osram selbst setzt den Unternehmenskurs inzwischen voll auf LED- und Lasertechnologien.

Chinesisches Konsortium schließt Übernahme der Osram-Leuchtensparte ab

Akquisition

Chinesisches Konsortium schließt Übernahme der Osram-Leuchtensparte ab

06.03.17 - Der Verkauf der früheren Osram-Leuchtensparte Ledvance an das chinesische Investmentkonsortium aus IDG Capital, dem LED-Hersteller MLS und dem Yiwu State-Owned Assets Operation Center ist Anfang März abgeschlossen worden. Auch das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin gab nun grünes Licht. lesen

Ledvance bietet Leuchten über den Elektrogroßhandel an

LED-Leuchten

Ledvance bietet Leuchten über den Elektrogroßhandel an

29.11.16 - Über den Elektrogroßhandel bietet Ledvance acht verschiedene Produktfamilien an. lesen

Das Lampengeschäft von Osram soll Ledvance heißen

Neuer Name

Das Lampengeschäft von Osram soll Ledvance heißen

15.01.16 - Noch bevor sich Osram von seinem Lampengeschäft für einige hundert Millionen Euro trennen will, hat man dem Lampengeschäft einen neuen Namen verpasst: Ab Juli 2016 firmiert man unter Ledvance. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Natürlich politisch so gewollt. Man hat in der Politik sehr genau gewusst was passieren wird. Mal...  lesen
posted am 16.11.2017 um 12:09 von Unregistriert

Politisch so gewollt.  lesen
posted am 14.11.2017 um 19:12 von Unregistriert

Wenn ich das schon lese „Insider vermuten, dass der neue Eigentümer vorrangig auf...  lesen
posted am 14.11.2017 um 15:43 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44999679 / LED & Optoelektronik)