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Osram empfiehlt Übernahmeangebot von AMS

Autor / Redakteur: dpa / Martina Annuscheit

Das Übernahmeangebot des österreichischen Chipherstellers AMS für den Münchner Lichtkonzern Osram hat eine weitere Hürde genommen. Vorstand und Aufsichtsrat von Osram empfehlen die Annahme nun und bezeichneten die Offerte als „angemessen“ und für Aktionäre „attraktiv“. Parallel ist offenbar ein weiterer Stellenabbau geplant.

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Osram schließt im Zuge der Übernahmeofferte Zusammenschlussvereinbarung mit ams.
Osram schließt im Zuge der Übernahmeofferte Zusammenschlussvereinbarung mit ams.
(Bild: Osram Licht)

AMS unterstütze „ausdrücklich“ die Photonik-Strategie von Osram, teilte das Unternehmen am Dienstag (12.11.19) bei der Vorlage des Jahresabschlusses in München mit. Osram hat daher eine Zusammenschlussvereinbarung mit AMS abgeschlossen. Unter anderem sollen die Mitarbeiter bis Ende 2022 vor fusionsbedingten Kündigungen geschützt werden. Zudem soll die Marke Osram im Unternehmensnamen des neuen Konzerns reflektiert werden. München wird Co-Konzernzentrale und soll die Hälfte der Zentralfunktionen erhalten. Der Zusammenschluss wird dabei den Angaben zufolge von außen überwacht. Als Monitorin wurde Brigitte Ederer eingesetzt, die unter anderem Vorstandsmitglied bei Siemens war.

AMS hatte vergangene Woche einen zweiten Anlauf gestartet, Osram zu übernehmen. Eine erste Offerte war an der Mindestannahmequote gescheitert. Die Österreicher kommen Osram nun in gewissen Punkten entgegen. Nachdem das Münchener Traditionsunternehmen beim ersten Versuch erhebliche Kritik an der Strategie und am unklaren Integrationsprozess geäußert hatte, überarbeitete AMS das Angebot.

So wird die Osram-Digitalsparte nicht mehr komplett und endgültig zur Disposition gestellt. Stattdessen ist zunächst eine gemeinsame Bestandsaufnahme der Geschäfte und Synergien angedacht. Die zuvor geplante Verlagerung der Fertigung aus dem malaysischen Kulim nach Regensburg ist nicht mehr unbedingt vorgesehen, sondern es soll auch hier eine gemeinsame Bestandsaufnahme der Fertigungsstrategie geben. Beide Aspekte gehörten zu den Hauptkritikpunkten, die Osram bei der ersten Offerte geäußert hatte.

Der Preis bleibt bei 41 Euro je Aktie, Aktionäre können ihre Papiere bis zum 5. Dezember andienen. Die Mindestannahmeschwelle wurde auf 55 Prozent gesenkt. AMS hält bereits knapp 20 Prozent an Osram.

Konzern will Dividende streichen

Das vergangene Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) schloss Osram mit einem Nettoverlust von 405 Millionen Euro ab, nach einem Gewinn von 137 Millionen Euro im Vorjahr. Osram litt vor allem unter der schwachen Autokonjunktur, auch sank die Nachfrage nach traditionellen Lichtquellen für Scheinwerfer weiter. Beim Gemeinschaftsunternehmen mit dem Reifen- und Automobilzulieferer Continental, OC, schrieb der Lichtkonzern zudem 171 Millionen Euro ab. Das Geschäft mit optischen Halbleitern entwickelte sich ebenfalls schwächer. Der Konzern will wegen des Verlustes die Dividende streichen.

Seine Sparziele übertraf das Unternehmen, das im laufenden Jahr weiter auf die Kostenbremse drücken will. Osram hält weitere „strukturelle Anpassungen“ für nötig, die auch einen weiteren Stellenabbau beinhalten. Derzeit fänden dazu Gespräche mit den Gremien statt, hieß es. Weitere Details dazu sind noch offen.

Für das neue Geschäftsjahr 2019/20 geht Osram von einer gewissen Stabilisierung aus. Der Umsatz könnte auf vergleichbarer Basis in der Mitte der Prognosespanne etwa auf dem Niveau des Vorjahres von knapp 3,5 Milliarden Euro liegen. Dabei geht Osram von einer Spanne von minus 3 bis plus 3 Prozent aus. 2018/19 hatte der Konzern hier einen Einbruch um rund 13 Prozent erlitten. Die bereinigte operative Marge (Ebitda-Marge) wird bei 9 bis 11 Prozent erwartet, nach 8,9 Prozent im Vorjahr. Profitieren dürfte Osram auch von der Einführung eines neuen Rechnungslegungsstandards.

Weiterer Stellenabbau

Osram will in Deutschland offenbar weitere Stellen abbauen, heißt es in einer von der IG Metall ebenfalls am Dienstag verbreiteten Stellungnahme. Das Unternehmen wolle 800 von derzeit 5600 Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik streichen. Darin erneuert die Gewerkschaft im Gegenzug auch ihre Kritik am Plan des österreichischen Sensorspezialisten AMS, Osram zu übernehmen.

„Mit dem sogenannten ‚Effizienzprogramm‘ gefährdet der Osram Vorstand die Zukunft von Osram“, kritisierte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall, Klaus Abel, die Pläne zum Stellenabbau. „Die Beschäftigten von Osram werden hierdurch neben dem Geschacher am Kapitalmarkt durch den zweiten Übernahmeversuch von AMS zusätzlich verunsichert.“

Osram-Chef Olaf Berlien kommentierte die von der IG Metall genannte Zahl von 800 Stellen nicht. Er bestätigte aber, dass das Unternehmen weitere Anpassungen vorhabe. Zwar gelte für die Beschäftigten zwar wegen der Vereinbarung mit AMS bis Ende 2022 ein Schutz vor fusionsbedingten Kündigungen, das Effizienzprogramm ist laut Osram-Vorstand aber unabhängig von der geplanten Übernahme.

Die IG Metall kritisiert zudem, dass auch der Schutz vor fusionsbedingten Kündigungen aus der Vereinbarung „nicht wirklich rechtssicher“ sei. Wie aus Kreisen zu erfahren war, hatten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht für die Zusammenschlussvereinbarung gestimmt.

(dpa)

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