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BMW Hauptversammlung „Ohne moderne Diesel sind die EU-Ziele Makulatur“

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

„Hören wir auf die Menschen zu verunsichern und hören wir endlich auf den Diesel kaputt zureden.“ – Auf der Hauptversammlung appellierte BMW-Boss Harald Krüger mit eindringlichen Worten an die Politik. Neben einem Seitenhieb auf VW, konterte Krüger auch ein Statement von Daimler-Boss Dieter Zetsche und benannte BMW kurzerhand um.

BMW-CEO Harald Krüger: „Der Diesel ist aktuell Zielscheibe der Kritik. Der Haken an der Sache ist: Wer den Diesel verbannt, bekommt mehr CO². Ohne moderne Diesel sind die EU-Ziele Makulatur.“
BMW-CEO Harald Krüger: „Der Diesel ist aktuell Zielscheibe der Kritik. Der Haken an der Sache ist: Wer den Diesel verbannt, bekommt mehr CO². Ohne moderne Diesel sind die EU-Ziele Makulatur.“
(Bild: BMW Group)

Auf der 97. Hauptversammlung von BMW stellte BMW-Chef Krüger die zukünftigen Pläne des Autobauers vor. Neben unverhohlener Kritik an möglichen Dieselverboten, äußerte Krüger, dass für die BMW Group in Zukunft drei Themenfelder relevant seien: Elektrifizierung, autonomes Fahren und Dienstleistungen.

Dass sich zukünftig auch IT-Unternehmen als Mobilitätsdienstleister sehen, wertete Krüger als unmissverständliches Zeichen des Wandels in der Automobilindustrie. Doch BMW will weiter auf Angriff schalten. Man wisse wer man sei, nämlich ein Unternehmen mit Geschichte und man wisse, was man könne. Die Botschaft des BMW-CEO war offensichtlich nicht nur an die eigenen Aktionäre gerichtet.

Bayerische Elektromotoren Werke

„Wettbewerb spornt uns an. Das gilt jederzeit und jetzt erst recht“, fügte Krüger weiter an. Reine Absatzzahlen bedeuten für die Münchner offenbar nicht alles. Schließlich bedeute „Zukunftsfähigkeit mehr als reine Quartalszahlen“. Trotz aller Digitalisierung sollen die Fahrzeuge von BMW auch zukünftig „hochemotional“ sein.

An der Elektromobilität führt auch für BMW kein Weg mehr vorbei, da diese nicht zuletzt „von der Gesetzgebung getrieben“ werde. Bis zum Jahr 2025 setzt man sich in München ehrgeizige Ziele: Zwischen 15 und 25 Prozent des Absatzes sollen dann elektrifiziert vom Band rollen.

Dabei nahm der 51-Jährige Konzernchef erneut die politische Ebene in die Pflicht. Wer mehr Elektromobilität wolle, müsse auch etwas dafür tun. Für Krüger ist speziell ein einheitlicher E-Binnenmarkt elementar.

Für ein Schmunzeln sorgte der BMW-Chef, als er offenbarte, dass man BMW zukünftig Bayerische Elektromotoren Werke nennen könne. Krüger reagierte damit offensichtlich auf eine Spitze des Daimler-CEO Dieter Zetsche. Dieser hatte vor wenigen Wochen in einem Interview scherzhaft betont, dass Daimler dem Wandel hin zur Elektromobilität gelassener als manch Konkurrent entgegensehen könne, da man immerhin kein „Motor" im Namen habe.

„Wir halten uns in jedem Land an die Gesetze“

Kurz darauf ging es auf der Hauptversammlung wieder sachlich voran. BMW verkündete, dass man in Kooperation mit Toyota weiter an dem Brennstoffzellenantrieb forsche. Ab 2021 würde bereits eine Kleinserie an den Start gehen.

Nach einem Schluck aus dem Wasserglas holte Krüger zum Rundumschlag aus: „WIR halten uns in jedem Land an die Gesetze. WIR erfüllen die Testvorgaben. Darauf können Sie sich ganz klar verlassen.“ Dass Krüger damit primär die Aktionäre beruhigen wollte steht außer Frage. Ein Seitenhieb auf den Volkswagen-Konzern war es dennoch.

Einmal in Fahrt gekommen, wurden erneut die politischen Vertreter von Krüger ins Visier genommen: „Der Diesel ist aktuell Zielscheibe der Kritik. Der Haken an der Sache ist: Wer den Diesel verbannt, bekommt mehr CO². Ohne moderne Diesel sind die EU-Ziele Makulatur.“

Man wolle keine Bestrafung von hunderttausenden Fahrern von älteren Dieselfahrzeugen durch pauschale Fahrverbote. „Das sind viele Menschen, die im Alltag auf ihr Auto angewiesen sind. Pendler, Eltern und viele andere. Hören wir auf, die Menschen zu verunsichern! Und hören wir auf, den modernen Diesel kaputt zureden!"

Beim Thema autonomes Fahren ging der BMW-CEO explizit auf das Thema Datenschutz ein. Man werde die Datensicherheit der Kunden garantieren und die Privatsphäre schützen. Auch das sei für die BMW Group Premium.

Nebenbei bekannte sich Krüger einerseits zu Europa und zum europäischen Binnenmarkt, aber auch zu den hiesigen Standorten. „Unsere Wurzeln sind hier in Deutschland. Sie geben uns Halt, gerade im Sturm der Veränderung.“

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