Ohne 5G sind Zukunftstechnologien in Deutschland gefährdet

| Redakteur: Lisa Marie Waschbusch

Nachzügler: Eine aktuelle Studie unterstreicht die große Bedeutung des kommenden 5G-Standards. Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, muss es nachziehen.
Nachzügler: Eine aktuelle Studie unterstreicht die große Bedeutung des kommenden 5G-Standards. Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, muss es nachziehen. (Bild: Pixabay / CC0)

Ab 2020 soll der neue 5G-Mobilfunkstandard in Deutschland die Basis für eine umfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft legen. Klappt das nicht, sind Zukunftstechnologien wie das Internet der Dinge oder autonomes Fahren in Gefahr, warnen Roland Berger und der IE.F.

Das Internet der Dinge und zunehmend autonome Fahrzeuge sind auf dem Vormarsch – doch ein Kernelement dieser Technologien bleibt in Deutschland derzeit noch auf der Strecke: der Mobilfunkstandard 5G. Erst durch diesen werden die zukunftsträchtigen Technologien anwendungsreif. Politik und Wirtschaft müssen also nun konzertiert handeln, damit das Land zum internationalen Leitmarkt für 5G-Anwendungen werden kann. Zu diesem Schluss kommen Roland Berger und die Internet Economy Foundation (IE.F) in ihrer neuen Studie "Erfolgsfaktor 5G".

Der Standort Deutschland könne ganz besonders von 5G profitieren, meint Friedbert Pflüger, Vorsitzender der IE.F. "Denn die deutsche Industrie setzt schon heute auf viele Zukunftstechnologien, die erst mit dem neuen Mobilfunkstandard richtig durchstarten werden." So sind etwa Anwendungen wie autonom fahrende Fahrzeuge, das Internet der Dinge in Fertigungsprozessen oder auch E-Health auf einen schnellen und jederzeit verfügbaren Datenaustausch angewiesen – wie es mit einer 5G-Verbindung möglich wäre. Für all diese Anwendungen müssen Milliarden von Sensoren in Maschinen, Autos und Geräten miteinander kommunizieren können - mobil und in Echtzeit. Industrielle Geschäftsmodelle wie Predictive Maintenance oder IoT-Plattformen, über die Maschinen innerhalb industrieller Prozesse vollautomatisiert Daten miteinander austauschen, brauchen künftig 5G.

Deutschland muss schnell handeln

"Deshalb gilt es, schnell zu handeln - unsere Konkurrenten im internationalen Standortwettbewerb haben die Bedeutung von 5G ebenfalls längst erkannt", so Pflüger weiter. Japan, Korea und China liegen in Sachen 5G derzeit an der Spitze, die USA und die skandinavischen Länder folgen dichtauf. "Die Ambition der neuen Bundesregierung, als First Mover einen 5G-Leitmarkt zu schaffen, muss nun mit optimalen Weichenstellungen vorangetrieben werden."

Die schnelle Datenkommunikation mittels 5G wird zum zentralen Hebel für die immer stärkere Automatisierung und effizientere Produktionsprozesse. "Wenn Deutschland seine industrielle Vorrangstellung halten will, muss das Land bei Entwicklung und Implementierung von Industrie 4.0 Vorreiter sein", erläutert Klaus Fuest, Chefanalyst von Roland Berger. Anwendungen wie fahrerlose Transportsysteme, mobile Werkzeuge, Roboter oder auch die Mensch-Maschine-Kollaboration funktionieren nur mit einer hochleistungsfähigen Funktechnologie, weshalb eine schnelle Verfügbarkeit der 5G-Technologie eine wesentliche Voraussetzung für die mit Industrie 4.0 verbundene Vernetzung sei, so Fuest weiter. 5G ist für maschinelle Massendaten ausgelegt, für Tausende von Geräten innerhalb einer Funkzelle, die zuverlässig und energieeffizient Daten miteinander austauschen.

Sieben Schritte für die 5G-Technologie in Deutschland

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass bisher jeder neue Mobilfunkstandard zu einem Innovationsschub geführt hat, allerdings nicht unbedingt in Deutschland. Das gilt es diesmal zu vermeiden, denn die Prognosen für die zusätzliche Wertschöpfung durch 5G liegen im Milliardenbereich - darauf kann die heimische Wirtschaft nicht verzichten. Ein schneller und flächendeckender 5G-Rollout ist in Deutschland deshalb unverzichtbar. 5G würde das Leben in Deutschland leichter machen, Ohne 5G kein autonomes Fahren, keine vernetzten Städte, kein Smart Farming und damit keine Lebensmittel, bei denen die Belastung mit Pestiziden minimiert ist, keine optimierte Logistik, die die Straßen freier macht, und keine Telemedizin auf höchstem Niveau.

Um die Ausbaupläne zum Erfolg zu führen, haben Roland Berger und die IE.F in ihrer Studie sieben Handlungsempfehlungen ausgearbeitet. Dazu gehören neben der zügigen Vergabe der Frequenzen und dem Aufbau zusätzlicher Testfelder auch staatliche Investitionen in den Ausbau der nötigen Zugangsnetze, denn 5G funktioniert nur mit lokaler Glasfaseranbindung.

Gesunder Wettbewerb unter Providern

Außerdem sind politische Weichenstellungen wichtig. Dazu gehört vor allem eine rechtliche Grundlage für das National Roaming: Es sorgt dafür, dass alle Netze miteinander verknüpft und so Versorgungslücken vermieden werden. Außerdem muss sichergestellt werden, dass auch Unternehmen ohne eigene Frequenzen als virtuelle Netzbetreiber die Infrastruktur für ihre Lösungen und Angebote nutzen können. Denn nur wenn alle Anbieter von digitalen Innovationen den freien Zugang zum Markt haben, kann sich ein echter und fruchtbarer Wettbewerb der Ideen, Lösungen und Geschäftsmodelle entwickeln.

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