Top 10 der umsatzstärksten Fabless-Anbieter NVIDIA erstmals zweitgrößter Fabless-IC-Hersteller

Von Sebastian Gerstl

Auch ohne die Übernahme von ARM geht der Wachstumskurs bei NVIDIA ungebremst weiter: 2021 stieg das Unternehmen auf Platz 2 der umsatzstärksten Anbieter von Halbleitern ohne eigene Fabs auf und löste dort Broadcom ab. Spitzenreiter bleibt weiter Qualcomm.

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Globales Ranking der zehn größten Halbleiterhersteller ohne eigene Fabs, gemessen am Umsatz.
Globales Ranking der zehn größten Halbleiterhersteller ohne eigene Fabs, gemessen am Umsatz.
(Bild: Trendforce)

Getrieben von einer gesteigerten Nachfrage und deutlichen Preissteigerungen aufgrund des anhaltenden Chipmangels sind die Umsätze der Anbieter von Halbleitern ohne eigene Fertigungsstätten im Vergleich zum Vorjahr drastisch gestiegen. Das Melden die Marktanalysten von Trendforce auf Basis der nun vorliegenden Jahresberichte der betreffenden Unternehmen. Im Schnitt haben demnach die Umsätze von Fabless-Anbietern 2021 um 48% gegenüber 2020 zulegen können.

Drei signifikante Veränderungen machen sich dabei im Anbieter-Ranking bemerkbar. Erstmals seit langer Zeit besteht das Spitzenduo nicht mehr aus Qualcomm oder Broadcom: NVIDIA konnte sich mit einem Jahresumsatz von etwa 24,9 Mrd. US-$ auf den zweiten Platz vorarbeiten. Das Unternehmen hat seine starke Position einem Wachstum von 64% in seinem Grafikkartengeschäft und einer Umsatzsteigerung von 59% in der Rechenzentren-Sparte zu verdanken. Trotz des Scheiterns des geplanten Mega-Deals der Übernahme von Prozessor-IP-Anbieter ARM steht damit der Kurs des GPU-Spezialisten weiterhin ungebrochen auf starkes Wachstum ausgerichtet. Inzuge dessen findet sich Broadcom (Jahresumsatz 21 Mrd US-$), dass im Vorjahresvergleich eine Zugewinn von 18% melden konnte, nun auf Platz 3 wieder. Spitzenreiter ist wie 2020 auch Qualcomm, dass für 2021 eine Umsatzsteigerung von 51% auf nun 29,3 Mrd. US-$ vermeldet.

Des weiteren konnten die taiwanesischen Unternehmen Novatek (von Platz 8 auf 6) und Realtek (von 9 auf 8) im Ranking aufsteigen. Novatek konnte dabei mit einem Wachstum von 79% (von 2,7 Mrd. US-$ auf 4,8 Mrd. US-$) die im Vergleich zum Vorjahr verhältnismäßig größte Umsatzsteigerung vorweisen. Der Aufstieg der beiden Anbieter aus Fernost geht zu Lasten von FPGA-Spezialist Xilinx, der im Ranking von Rang 6 auf Rang 9 abrutschte, aber dabei immer noch einen Zugewinn von 20% auf nun ca 3,68 Mrd. US-$ im Vergleich zu 2020 (3,05 Mrd. US-$) melden konnte. Xilinx befand sich 2021 allerdings noch inmitten des sich vollziehenden Mergers mit Prozessoranbieter AMD (aktuell mit 16,4 Mrd. US-$ Platz 5 im Ranking). Die Übernahme wurde erst in diesem Jahr abgeschlossen; würde man die Umsätze von Xilinx und AMD addieren, würde das gesamte Unternehmen den aktuellen Viertplatzierten, Mediatek aus Taiwan (17,6 Mrd. US-$ im Jahr 2021), überholen.

Schließlich findet sich mit Himax aus Taiwan auf Platz 10 ein Neueinsteiger im Top-10-Ranking. Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass der Zehnplatzierte aus dem vergangenen Jahr, Dialog Semiconductor, vom japanischen Halbleiteranbieter Renesas übernommen wurde und somit nicht mehr in der Liste der Halbleiteranbieter ohne eigene Fabs aufgeführt wird. Himax konnte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von 888 Mio. US-$ auf etwa 1,55 Mrd. US-$ steigern, was einen Gewinn von 74% im Vorjahresvergleich ausmacht.

Ausblicke auf 2022: Steigende Nachfrage vs. Foundry-Kosten und Nachschubfragen

Trendforce wagte auch einige Ausblicke auf das kommende Jahr. Zum einen wird nach der nun abgeschlossenen Akquise von Xilinx durch AMD wieder ein neuer Anbieter in das Ranking eingehen. Ferner deutet die Marktlage weiter auf ein allgemeines Wachstum im Fabless-IC-Bereich hin: Laut Trendforce wird die steigende Nachfrage nach hochspezialisierten Produkten wie Hochleistungscomputern, Netcom, Hochgeschwindigkeitsübertragungen, Servern, Automotive und industriellen Anwendungen gute Geschäftsmöglichkeiten für IC-Designunternehmen schaffen und das allgemeine Umsatzwachstum vorantreiben.

Allerdings sieht man auch Stolpersteine voraus: Steigende Foundry-Kosten, sich verschärfende geopolitische Konflikte und eine steigende Inflation werden das globale Wirtschaftswachstum definitiv beeinträchtigen. Vor allem der bereits angeschlagene Markt für Unterhaltungselektronik wird diese Auswirkungen besonders stark zu spüren bekommen. Angesichts dieser Herausforderungen müssen sich IC-Designer 2022 mit der Frage auseinandersetzen, wie sie die Dynamik des Produktabsatzes innerhalb der bestehenden Produktionskapazitäten aufrechterhalten und die Chipspezifikationen verbessern können. Dies könnte zu Lasten der Effizienz von Forschung und Entwicklung gehen.

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