Nutzen & Risiken beim PCB-Design durch externe Dienstleister

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Eigene Software und Geheimhaltungsvereinbarung

Werden Layouts oder Simulationen intern durchgeführt, muss sowohl in Tools als auch die Ausbildung der Mitarbeiter investiert werden. Bei externen Dienstleistern dagegen stehen die Mitarbeiter ausgebildet und mit eigenen Tools für das Projekt zur Verfügung. Ab wann sich eine Investition in eigenes Layout lohnt ist von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich.

Für den Review, bei dem die Design-Regeln kontrolliert und der Design-Fortschritt geprüft wird, sollte der Auftraggeber die kostenlosen Viewer verwenden. Der nächste Schritt wäre die kleinste Ausbaustufe einer skalierbaren Layout Software zu erwerben, mit der der Entwickler selbst Design-Regeln vergeben kann und kritische Platzierungen vornimmt. Ein Dienstleister kann dann z.B. komplexe High-Speed Designs in der leistungsstärkeren Ausbaustufe des Tools umsetzen. Auf alle Fälle sollten nach dem Design die kompletten Design-Daten an den Auftraggeber ausgehändigt werden, damit nachfolgende Entwicklungen auf dem vorhandenen Design aufsetzen können.

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Erfahrene PCB Layouter können entweder beim Kunden vor Ort das Layout umsetzen oder sie bekommen die Daten und Anforderungen übergeben und layouten dann im Büro des Dienstleisters. Welches Modell verwendet wird, ist abhängig von den Kosten, den Sicherheitsanforderungen und wie oft das Team aus internen und externen Mitarbeitern schon zusammengearbeitet hat.

Ein Non Disclosure Agreement (NDA) ist bei externen Dienstleistungen heute Standard. Historisch betrachtet kommen die Geheimhaltungsvereinbarungen aus den angelsächsischen Regionen der Welt, da dort viel mehr über einzelne Verträge geregelt ist. In Deutschland gibt es einen guten Gesetzesrahmen, der das meiste aus diesen Vereinbarungen bereits regelt. Dennoch sind Geheimhaltungsvereinbarungen sehr beliebt, denn sie stellen für alle Beteiligten zusammenfassend klar, dass es sich hier um schützenswertes Knowhow handelt und dieses Intellectual Property (IP, geistiges Eigentum) nicht an Dritte weitergegeben werden darf. Mit dieser juristischen Sensibilisierung geht dann auch meist ein gesicherter oder verschlüsselter Datenaustausch einher.

Dennoch ist ein Vertrag nur so viel wert, wie er sich letztendlich durchsetzen lässt. Ein Vergehen in fernen Ländern rechtlich zu ahnden ist weitaus schwieriger als bei einem Dienstleister vor Ort in Deutschland. Allein daraus resultiert auch die unterschiedliche Sicherheit der Daten bei Dienstleistern in verschiedenen Regionen.

Wenn ein Auftraggeber sensible oder sehr innovative Projekte bearbeitet, kommt es auch vor, dass ein Leiterplatten-Dienstleister nur vor Ort beim Kunden in einer gesicherten IT-Infrastruktur arbeiten darf. Dann stellt der Auftraggeber auch die entsprechenden Tools, damit keine Daten übertragen werden müssen.

Komplexer Datenaustausch und Kosten der Auslagerung

Die Angaben, die für ein Layout benötigt werden, sind meist den jeweiligen Datenblättern, Excel- oder Word-Dateien und erfassten Stromlaufplänen entnommen. Meist sind diese Daten so umfangreich, dass sie sich nicht problemlos per E-Mail verschicken lassen. Dies trifft auch für die Layout-Datei einer Leiterplatte zu, wenn Werte für Reviews ausgetauscht werden sollen.

Von sensibleren Informationen können entweder nur PDF-Ansichten oder Bildausschnitte verschickt werden; oder die Übertragung findet verschlüsselt mit PGP (Pretty Good Privacy) statt. PGP kann hier für eine sichere Kommunikation verwendet werden und nutzt asymmetrische Verschlüsselungsverfahren mit öffentlichen und privaten Schlüsseln.

Die anfallenden Tagessätze für Dienstleistungen variieren je nach Art der ausgelagerten Arbeitspakete. Neben der reinen Arbeitszeit des Mitarbeiters fließen auch Kosten für entsprechende Tools oder für Reisen in die Kalkulation mit ein. Zur Bewertung der Gesamtkosten sind noch weitere, hier nicht genannte, Posten zu berücksichtigen. Ergo: Erfahrene Layouter, die in der gleichen Sprache kommunizieren wie die internen Mitarbeiter, sind effizienter und setzen die Arbeitspakete in kürzerer Zeit um. Nicht so einfach messbar ist, inwieweit der externe Mitarbeiter mitdenkt und frühzeitig auf kritische Bereiche hinweist, um sie mit den internen Mitarbeitern zu besprechen und mögliche Probleme zu lösen. Die Qualität dieser Kommunikation entscheidet auch, ob es zu zusätzlichen Prototypen und Redesigns kommt. Eine Effektivität dieser Kommunikation lässt sich nur schwer bewerten, da vermiedene Fehler praktisch nicht erfassbar sind.

* Dirk Müller ist Geschäftsführer bei FlowCAD, Feldkirchen.

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