Suchen

Nur logisch: 25 Jahre Programmable Logic Competence Center PLC2

| Autor: Michael Eckstein

Vor 25 Jahren gründete Eugen Krassin das Programmable Logic Competence Center, kurz PLC2. Der Ingenieur und Gründer ist in der FPGA-Szene bekannt wie ein bunter Hund – und hatte mit der Konzentration auf die programmierbaren Logikbausteine bereits in den 1980ern den richtigen Riecher. Gefeiert wird Corona-bedingt aber erst im nächsten Jahr.

Firmen zum Thema

In seinem Element: PLC2-Gründer 
Eugen Krassin auf dem FPGA-
Kongress 2019 (fpga-conference.eu).
In seinem Element: PLC2-Gründer 
Eugen Krassin auf dem FPGA-
Kongress 2019 (fpga-conference.eu).
(Bild: VCG)

Bereits Mitte der 1980er Jahre erkannte der ASIC-Designer und RISC-Pionier Eugen Krassin das Potenzial der damals neuen programmierbaren Logikbausteine „Logic Cell Arrays“ (LCAs), aus denen sich die „Field Programmable Gate Arrays“ (FPGAs) entwickeln sollten.

Was fehlte, waren geeignete Ausbildungsprogramme für die neue Technik. Also entwickelte Krassin Schulungsunterlagen und Trainingseinheiten kurzerhand selbst. Dies war der Startschuss für die bis heute enge Partnerschaft mit dem 1984 gegründeten Unternehmen Xilinx, heute Marktführer für FPGAs und ACAPs (Adaptable Computing Acceleration Platforms). 1991 erhielt er als einer der ersten Kooperationspartner von Xilinx ein weltweit gültiges Trainerzertifikat. „Meine Frau habe ich danach oft nur noch am Flughafen zum Koffertausch getroffen“, blickt der PLC2-Gründer zurück.

Keimzelle Keller: Standesgemäße Gründung von PLC2

Mit dem Erfolg der FPGAs stieg der Bedarf an Entwicklern, die sich mit der Technik auskannten. Krassin erkannte erneut seine Chance und gründete das Ingenieurbüro PLC2 – wie es sich gehört in einem Kellerraum. Die Abkürzung steht für „Programmable Logic Competence Center“ – und der Name ist Programm.

Von Beginn an war PLC2 „Autorisierter Trainings Partner“ (ATP) im gleichnamigen Xilinx-Programm. Der Name PLC2 entstand übrigens in einem Biergarten im Münchener Süden: „Eine Abkürzung musste her“, erinnert sich Krassin. Und da PLCC bereits für flache Gehäuse von Elektronikbausteinen vergeben war, wurde es eben PLC2. „Das Logo mit der hochgestellten Quadratzahl habe ich auch gleich auf einem Bierdeckel entworfen“, schmunzelt der Gründer.

Der Aufbau des Unternehmens als Zweierteam sei in den Anfangsjahren hart und entbehrungsreich gewesen: „Während ich Schulungen gab, stemmte meine Frau Andrea die gesamte Logistik, Akquisition, Buchhaltung und mehr.“

Dankesschreiben für über 300 Übernachtungen – in einem Jahr

Zu Beginn hatte PLC2 vier Standard-Schulungen im Angebot. „Bereits von Anfang an haben wir aber auch kundenspezifische Schulungen entwickelt“, sagt Krassin. Viele von ihm verfasste Fachartikel halfen, den Bekanntheitsgrad von PLC2 zu erhöhen. Das Angebot wurde gut angenommen: „1996 bekam ich von einer internationalen Hotelgruppe ein Dankesschreiben – für deutschlandweit über 300 Übernachtungen, die ich in diesem Jahr gebucht hatte.“ Umsatzmäßig zahlte sich der immense Aufwand nicht gleich aus: „Für meine Kinder war oftmals nicht einmal Geld für ein Eis da“, blickt Krassin zurück.

Schließlich wurde die harte Arbeit aber doch belohnt: Mit der steigenden Leistungsfähigkeit der FPGAs erschloss die Technik immer neuere Bereiche. Und mit zunehmender Bedeutung der FPGAs wuchs auch das Ingenieurbüro.

„Der Alte muss weg!“ – Trennung vom treuen Gefährt(en)

PLC2 entwickelte immer neue Schulungen – und plötzlich stand Krassin vor ungewohnten Entscheidungen: Auf ausdrückliches Verlangen seiner Firmenberaterin – überlieferter Originalton: „Man kann doch so nicht zum Kunden fahren!“ musste er seinen altgedienten VW Passat mit über 350.000 Kilometern abwracken: „Das habe ich sehr bedauert!“ 2001 stand der Neubau eines Firmengebäudes an, da die Zahl der Mitarbeiter rasch wuchs. 2007 folgte die Umfirmierung des Ingenieurbüros in die PLC2 GmbH.

Heute ist PLC2 ein führendes Kompetenzzentrum für programmierbare Logik und auch als Veranstalter von Seminaren und Fachkongressen erfolgreich. Gemeinsam mit ELEKTRONIKPRAXIS entstand der FPGA-Kongress, der heute als FPGA conference europe 2020 die europaweit führende Fachveranstaltung für dieses Thema ist und in diesem Jahr ab dem 29. September erstmals als Hybrid-Event mit Live-Streaming stattfindet.

Heute steuert die zweite Krassin-Generation das Unternehmen

Die steigende Nachfrage nach kundenspezifischer Projektentwicklung im Embedded-Markt führte zur Gründung der PLC2 Design GmbH, der PLC2 Suisse GmbH sowie des Joint Ventures Aristos GmbH. Eugen Krassin hat die administrative Verantwortung für PLC2 mittlerweile weitergereicht – seit 2017 führt die zweite Krassin-Generation das Unternehmen. „Dass meine Kinder und Schwiegerkinder das Unternehmen weiterführen, macht sich sehr glücklich“, sagt der Gründer.

Als Ingenieur, Tüftler und Trainer widmet er sich natürlich weiter dem Entwickeln neuer Schulungen und Schaltungen. Darüber hinaus kümmert er sich um den Neubau des zweiten Firmengebäudes: „Damit setzen wir den Grundstein für die Zukunft.“

Neben den beiden Geschäftsbereichen, professionelle Schulungen und kundenspezifische Projektentwicklung im Embedded Markt, setzt PLC2 heute verstärkt auf die Entwicklung eigener Produkte. Der Fokus hierbei liegt auf der Entwicklung von High-Performance-Video-Grabbing und Daten-Logger-Lösungen – natürlich mit FPGAs.

Schließlich macht der Senior noch klar: „Unsere wegen der Coronakrise abgesagte Jubiläumsfeier holen wir im nächsten Jahr mit unseren Geschäftspartnern und Freunden nach!“

(ID:46685638)

Über den Autor