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Ende einer Ära Nokia vergoldet seine Patente

Redakteur: Margit Kuther

Nokia holt sein letztes Ass aus dem Ärmel. Das milliardenschwere Patentportfolio erhält den einstigen Handy-Primus am Leben.

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Nokia 808 PureView: Highlight des neuen Nokia-Smartphones ist die Kamera mit 41-Megapixel-Sensor
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(Bild: Nokia)

Lange führte Nokia bei mobilen Technologien: das erste GPS-fähige Handy, das erste Kamera-Handy, das erste Handy mit Buchstaben-Tastatur, das erste Gerät für Video-Telefonate und weiteres entstieg den Laboren des finnischen Herstellers.

Doch der Markt ist gnadenlos. Auch Weltmarktführer, die sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausruhen, kommen zu Fall.

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Nokia hat den rechtzeitigen Sprung auf den Smartphone-Zug verpasst und den iPhone- und Android-Geräten zu spät Paroli geboten. Nach aktuellen Zahlen des Marktforschers IDC ist Nokia der größte Verlierer am Smartphonemarkt. Der Hersteller rutschte im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 45% auf acht Prozent Marktanteil ab. Gewinnwarnungen und Stellenabbau sind die Folge.

Die finnische Regierung will Nokia nicht stützen

Eine weitere Hiobsbotschaft für Nokia: Die finnische Regierung will den taumelnden Handyriesen nicht durch Aktienkäufe stützen. „Das geht uns nichts an“, äußerte sich Ministerpräsident Jyrki Katainen zu Spekulationen, der Staat könnte das finnische Unternehmen mit einem Einstieg stützen und so vor einer Übernahme durch einen ausländischen Konzern schützen. „Wir wollen Finnland zu einem Land machen, in dem Unternehmen gut arbeiten können, aber dies ist nicht der Weg der Unterstützung, den die Regierung gehen will.“

30.000 Patente, davon 11.000 in den USA

Das enorme Wachstum des Mobilmarkts hat Patente für mobile Technologien zuletzt sehr wertvoll gemacht. So ziehen die großen Player der Branche denn auch verstärkt vor Gericht, um angebliche Patentverletzungen zu verfolgen. Selbst bankrotte Firmen haben noch daran verdient: Die 6000 Patente von Nortel wurden 2011 im Insolvenzverfahren für 4,5 Mrd. Dollar an ein von Apple geführtes Konsortium veräußert. Google gab 13 Mrd. Dollar für die 17.000 Patente der Mobilfunksparte von Motorola aus.

Nokias Patentschatz ist das Ergebnis harter Forschungsarbeit: Über 50 Mrd. Dollar investierten die Finnen in den vergangenen 20 Jahren. Der Ertrag: 30.000 Patente, davon sind 11.000 in den USA angemeldet. "Das sind qualitativ mit die besten Patente in der Branche", sagt Chetan Sharma, Analyst für mobile Technologien in Seattle.

Alexander Butler von IPVision, einer Beratungsfirma für geistiges Eigentum in Cambridge, Massachusetts, schätzt, dass Nokias Patentportfolio wesentlich mehr wert ist als das von Nortel. Zusammengenommen könnte es wahrscheinlich den derzeitigen Börsenwert von Nokia erlösen, rund 9,6 Mrd. Dollar.

Das Wertvollste stammt aus dem Jahr 1992. Erteilt wurde es für eine "Methode zum Abbilden, Übersetzen und dynamischen Zusammenführen von Daten". Rund 300 Mal wurde es von anderen Patentschriften zitiert - ein deutliches Zeichen seiner Bedeutung für den Mobilfunkmarkt. Es ist im Prinzip die Grundlage dafür, wie Kalenderdaten von Handys und anderen Geräten synchronisiert werden. Nokia hat dieses Patent allerdings nicht selbst entwickelt, sondern durch eine Übernahme erworben.

Nokia-Patente – Lizenzierungen, Verkäufe oder Klagen

Nokia im Wandel: Nokia startete 1865 mit der Herstellung von Papiererzeugnissen und produzierte Anfang des 20. Jahrhunderts Gummischuhe
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(Bild: Nokia)
Ob durch Lizenzierungen, Verkäufe oder Klagen: Der Umsatz durch Patente könnte darüber entscheiden, ob Nokia Nortel in die Insolvenz folgen werde, sagt Alexander Poltorak, Geschäftsführer der Beratungsfirma General Patent in Suffern im US-Bundesstaat New York. "Nokia wird sich den Fall Nortel sehr genau anschauen, und ich glaube, dass sie alles unternehmen werden, um ihre Patente zu Geld zu machen", sagt Poltorak.

"Sie wissen um den Wert ihres Portfolios." Deshalb würden die Finnen sowohl ihre juristischen Bemühungen forcieren als auch weitere Patente veräußern. "Ich bin optimistisch, dass diese Strategie funktioniert, weil Nokia ziemlich clever mit seinem geistigen Eigentum ist", so Poltorak.

Nokias Lumia-Smartphones erhalten gute Bewertungen

Nokia setzt seine ganze Hoffnung auf die Lumia-Serie: Doch Microsoft könnte seinem Partner Nokia einen Strich durch die Rechnung machen: die Smartphones Lumia 610, Lumia 710, Lumia 800 und Lumia 900, die von den Medien positive Beurteilungen erhielten, könnten an Attraktivität verlieren. Denn Microsoft kündigte an, Windows Phone 8 werde es nicht als Update geben.

Auch Nokias aktuelles Modell (Symbian-Betriebssystem), das Nokia 808 PureView mit Carl-Zeiss-Optik wird insbesondere wegen seiner 41-Megapixel-Kamera von der Presse gelobt: „Das Pure View 808 hebt die Fotofunktionen in einem Smartphone auf ein neues Qualitätsniveau“, stellt etwa die Zeitschrift Chip fest.

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