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Nicht nur Corona: Nachfrage nach Ingenieuren bricht ein

| Redakteur: Katharina Juschkat

In den Monaten April, Mai und Juni waren so wenige offene Stellen ausgeschrieben wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. Vor allem die Nachfrage nach Ingenieuren für Automotive und Antriebstechnik sank um rund 70 Prozent. Corona ist nicht immer der einzige Grund.

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Vor allem Entwicklungsingenieure für den Bereich Automotive und Antriebstechnik sind weniger gefragt.
Vor allem Entwicklungsingenieure für den Bereich Automotive und Antriebstechnik sind weniger gefragt.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Ingenieure werden im zweiten Quartal 2020 spürbar weniger gesucht. Das ist das Ergebnis des aktuellen Hays-Fachkräfte-Index Engineering. Die Rückgänge bei den Stellenangeboten fielen dabei für die untersuchten Positionen unterschiedlich stark aus. Hauptgrund ist die in vielen Branchen schlechte wirtschaftliche Lage und Unwägbarkeiten wegen der Corona-Pandemie. Doch auch der seit über einem Jahr in vielen Ländern schwächelnde Autoabsatz trägt zu der sinkenden Nachfrage nach Ingenieuren bei.

IHK bestätigt sinkende Nachfrage

Auch die Industrie- und Handelskammer Bayern (IHK) bestätigt auf Nachfrage der Redaktion diesen Trend: Aufgrund der Coronakrise sinkt die Nachfrage nach Fachkräften. In einer Umfrage, die Mitte Mai stattfand, ging jedes dritte Unternehmen von einem sinkenden Beschäftigungsverhältnis aus. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch trotz Corona bestehen, betont die IHK, denn auch wenn es weniger neue Anstellungen gibt, gehen bestehende Fachkräfte in den nächsten Jahren in den Ruhestand und hinterlassen Lücken, die nicht gefüllt werden können.

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Welche Ingenieurberufe betroffen sind

Nicht alle Ingenieurberufe sind von der sinkenden Nachfrage gleich stark betroffen. So ist die Nachfrage nach Automatisierungsingenieuren (– 59 Punkte auf 96) und Versuchsingenieuren (– 41 Punkte auf 66) sehr stark gesunken. Am geringsten war dagegen der Rückgang bei Betriebsingenieuren (– 6 Punkte auf 100), gefolgt von Chemieingenieuren (– 14 Punkte auf 78) und Konstruktionsingenieuren (– 19 Punkte auf 46).

Elektroingenieure sind im zweiten Quartal 2020 erstmals seit vielen Jahren unter die 100-Punkte-Marke gerutscht. Damit sind sie weniger nachgefragt als im ersten Quartal 2015, dass Hays als Referenzwert 100 gesetzt hat. Damit hat sich der Wind in der Branche in wenigen Monaten um 180 Grad gedreht: Noch vor etwas über einem Jahr konnten wir über einen Beschäftigungsrekord bei Ingenieuren und Informatikern berichten.

Einen Lichtblick gibt es aber auch: Aufgrund der wieder anziehenden Nachfrage primär in China erwarten Betriebe der deutschen Elektroindustrie mehr Geschäft ab der zweiten Jahreshälfte, hat der ZVEI in einer Umfrage ermittelt.

Einen historischen Tiefstand haben Entwicklungsingenieure für Antriebstechnik erreicht (27 Punkte). Auch Berechnungsingenieure (33), Entwicklungsingenieure für Automotive (34) und Fertigungsingenieure (35) sind mittlerweile deutlich weniger gefragt als noch im ersten Quartal 2015 (Referenzwert 100). Daran ist nicht allein die Corona-Pandemie schuld: Bereits zuvor verzeichnete der Index eine rückläufige Nachfrage. Grund sind vielfältige Probleme der Automobilbranche, die sich unter anderem in rückläufigen Nachfragen niederschlagen.

Unter allen analysierten Branchen blieb die Zahl der Stellenanzeigen im 2. Quartal 2020 nur in der öffentlichen Verwaltung stabil. Sonst gab es überall Rückgänge. Am stärksten fielen diese in der IT-Branche (– 61 Punkte auf 108) sowie bei Architektur- und Ingenieurbüros (– 44 Punkte auf 78) aus. Die Automobilbranche schneidet mit 28 Punkten im Vergleich zu 2015 insgesamt am schlechtesten ab.

Warum die Nachfrage sinkt

Hintergrund der sinkenden Nachfrage ist vor allem die anhaltende Corona-Pandemie und der daraus folgenden wirtschaftlichen Probleme. Vorhandene Arbeitsplätze zu sichern hat für viele Unternehmen hohe Priorität. Wie sich die zukünftige Nachfrage entwickelt, hängt stark vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Hintergrund: Der Hays-Fachkräfte-Index

Jedes Quartal wertet Index Internet und Mediaforschung verschiedene Quellen wie Online-Jobbörsen und Jobanzeigen in Tageszeitungen für den Personaldienstleister Hays aus. Die Auswertungen finden seit dem ersten Quartal 2015 statt. Die Auswertungen aus dem ersten Quartal 2015 bilden den Referenzwert 100, auf den sich die folgenden Zahlen im Artikel beziehen.

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