Google Wallet Neun Dinge, die man über das Handy-Bezahlsystem NFC wissen sollte

Redakteur: Peter Koller

Mit einem Handy-Bezahlsystem namens Google Wallet will der Suchmaschinenriese Kredit- und EC-Karten auf breiter Front durch Handys mit der Technologie NFC ersetzen.

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Beispiel eines NFC-Bezahlvorgangs per Handy am Getränkeautomaten (Foto: Nokia)
Beispiel eines NFC-Bezahlvorgangs per Handy am Getränkeautomaten (Foto: Nokia)

Google Wallet soll nach übereinstimmenden Berichten vieler Medien noch heute bei einem Google-Presseevent in New York vorgestellt werden. Details sind bislang noch spärlich, doch klar scheint zu sein, dass das Mobile Payment System auf der Technologie NFC basieren wird.

1. Was bedeutet NFC eigentlich?

NFC heißt ausgeschrieben Near Field Communication - also soviel wie Kurzstrecken-Kommunikation - und ist ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Entfernungen auf der Frequenz 13,56 MHz.

2. Wie kurz ist denn die mögliche Entfernung?

Der Standard sieht Entfernungen bis maximal 20 Zentimeter vor. Üblicher Weise dürfte der Abstand zwischen dem Handy und einem Bezahlterminal aber vier Zentimeter oder weniger betragen. Durch die nötige räumliche Nähe soll eine zusätzliche Sicherheitsstufe beim Bezahlvorgang geschaffen werden.

3. Wer hats erfunden?

NXP Semiconductors (vormals Philips) und Sony haben schon 2002 die ersten Entwürfe für das System veröffentlicht. Die grundsätzliche NFC-Kommunikation ist mittlerweile in den Normen ISO/IES 18092 und ECMA-340 Standardisiert. Der Stand der noch nicht endgültig abgeschlossenen umfassenden Normierung lässt sich bei der Standardisierungsorganisation ISO nachlesen.

4. Wie funktioniert NFC?

NFC ist eine Weiterentwicklung der weithin bekannten RFID-Tags (Radio Frequency Identification), die in vielen Bereichen bereits die klassischen Barcodes zur Warenidentifizierung in Logistikketten abgelöst haben. Kommt ein RFID-Chip mit seiner Antenne in das elektromagnetische Feld eines Lesegerätes, wird der Chip aktiviert und startet eine Kommunikation mit dem Lesegerät zum verschlüsselten Austausch von Daten. Bei Handys kann der NFC-Chip sowohl die Funktion des passiven Tags als auch die des Lesegerätes einnehmen.

5. Was hat das mit Geld zu tun?

Über die Kommunikation zwischen NFC-Handy und Bezahlterminal kann im Hintergrund ein Bezahlvorgang angestoßen werden: Entweder über ein vorhandenes Kreditkartenkonto, zum Beispiel aber auch über die Mobilfunkrechnung.

6. Welche Anwendungen gibt es sonst für NFC?

Hier wird es eigentlich erst interessant. Ein Szenario: Ein Kunde mit einem NFC-Handy betritt ein Kaufhaus. Über den NFC-Chip im Handy wird er beim Bezahlen per Abgleich mit seiner Einkaufshistorie als Dauerkunde mit einer Vorliebe für teure Uhren erkannt. Nun wird auf dem Werbedisplay ("Smart Poster"), auf dass er sich zubewegt, speziell für ihn das Angebot einer soeben neu erschienenen Uhr angezeigt.

Durch die Integration des NFC-Chips mit der Prozessor- und Speicherkapazität eines Smartphones sind weitaus komplexere Applikationen möglich, als mit den schon bekannten NFC-Bezahlkarten realisiert werden konnten.

Darüber hinaus können NFC-Handys auch die Funktionen von Gutschein- oder Bonus-Karten sowie von Zugangskontroll-Systemen oder elektronischen Eintritts- und Fahrkarten übernehmen.

8. Welche NFC-Telefone kann ich denn heute schon kaufen?

Zum Beispiel das Google Nexus S oder das C7 von Nokia. Eine komplette Liste der verfügbaren NFC-Geräte gibt es bei nearfieldcommunicationsworld

9. Wie sieht die Situation für NFC in Deutschland aus?

Bis Google seinen Wallet-Dienst nach Deutschland bringt - falls überhaupt - dürfte noch einige Zeit vergehen. Dem Vernehmen nach sollen Konsumenten Google Wallet zunächst nur in New York, San Francicso, Los Angeles Chicago und Washington DC nutzen können.

Allerdings wird NFC derzeit an vielen Fronten von etlichen großen Playern im Mobilfunkmarkt vorangetrieben.

So stellte zum Beispiel auch die Deutsche Telekom auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar einen NFC-basierten mobilen Bezahldienst vor. Diese "Mobile Wallet" soll noch in diesem Jahr in Deutschland starten.

Was hat Google eigentlich davon?

Theoretisch könnte Google pro Transaktion eine Gebühr bekommen. Nachdem aber - neben dem eigentlich Verkäufer - auch Kreditkartenunternehmen und Mobilfunkunternehmen von diesem Kuchen naschen wollen, dürfte diese Gebühr eher vernachlässigbar klein ausfallen. Interessanter ist für Google wieder einmal, Daten über das Einkaufsverhalten zu aggregieren und über intelligente Displays (siehe Szenario oben) individualisiert Werbung ausspielen zu können.

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