Neuer Radar-Imaging-Co-Prozessor macht Lidar überflüssig

| Redakteur: Michael Eckstein

Multitalent: Der Co-Prozessor kann die Signale von bis zu 256 virtuellen Antennen eines 3D-Arrays in Echtzeit verarbeiten.
Multitalent: Der Co-Prozessor kann die Signale von bis zu 256 virtuellen Antennen eines 3D-Arrays in Echtzeit verarbeiten. (Bild: Ensilica)

Der eSi-ADAS-Co-Prozessor von Ensilica bestätigt den Trend zu hochspezialisierten Chips in der Automobilbranche. Er soll die Electronic Control Unit massiv entlasten und die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen beschleunigen.

Immer mehr elektronische Assistenzsysteme im Auto lassen die Menge an Daten, die die Bordelektronik verarbeiten muss, exponentiell steigen. Das erfordert immer leistungsfähigere Prozessoren, die aber auch mehr Strom verbrauchen. Im Hinblick auf e-Mobilität und autonomes Fahren kann sich dies zu einem Hemmschuh auswachsen.

Ein Beispiel ist die Kombination von Video, Radar und Lidar. Diese Systeme sollen die Fahrzeugumgebung zuverlässig und vollständig erfassen. Die Kombination ist nötig, da jedes System Einschränkungen hat: Bisherige Radarsensoren fehlen Imaging- und 3D-Darstellungsfähigkeiten sowie 360°-Rundumerfassung. Lidar (Light Detection And Ranging) bietet diese Möglichkeiten, arbeitet allerdings nur eingeschränkt bei Nacht oder Nebel. Die Folge: Allein für eine Aufgabe generieren die Systeme enorme Datenmengen, die in Echtzeit direkt im Fahrzeug verarbeitet werden müssen.

Auch wenn ein Großteil sonstiger Daten extern in riesigen Cloud-Rechenzentren ausgewertet wird – gerade bei sicherheitsrelevanten Funktionen wie Radar und Lidar ist eine Verarbeitung direkt im Fahrzeug essenziell. Und die erfordert immer mehr Rechenleistung. Der IC-Designer Ensilica hat nun einen Baustein vorgestellt, der eine Lösung dieses Problems verspricht und nach Ansicht des Unternehmens helfen wird, die Entwicklung und Kommerzialisierung autonom fahrender Vehikel zu beschleunigen.

TechWorks-Award gewonnen

Der neue Radar-Imaging-Co-Prozessor mit der Bezeichnung eSi-ADAS ist nach Angaben von Ensilica in der Lage, hunderte von Objekten in Echtzeitzu verfolgen. Darüber hinaus komme der Chip mit 20-mal weniger Energie aus als heutige Systeme bereits bei geringerer Auflösung aufnehmen. Der eigene Chip sei zudem bis zu 10 Mal schneller und genauer.

Mit diesen Eckdaten gewann der Ensilica eSi-ADAS vor wenigen Tagen den „Automotive Electronics Innovation & Excellence Award“, eine Auszeichnung von TechWorks für innovative neue Technologieprodukte. EnSilica will diese nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. „Bis jetzt sind wir mit unseren Produkten quasi unter dem Radar geflogen – um im Bild zu bleiben“, erklärt David Doyle, Commercial Director von EnSilica. Man habe die eigenen ADAS-Lösungen ohne großes Aufheben direkt in der Automobilbranche vermarktet, und bereits heute würden einige in Volumenproduktionen eingesetzt.

Optimiert für Radar-Daten

„Durch unsere Industrieprojekte ist uns klar geworden: Autos werden nur dann autonom fahren können, wenn sie jederzeit über ein akkurates Bild ihrer Umgebung verfügen. Dazu müssen sie die großen, von Video-, Lidar- und Radarsystemen und weiteren Sensoren erzeugten Datenmengen in Echtzeit verarbeitet“, erklärt Doyle. Und fügt hinzu: Durch das Verbessern der Auflösung der Radarsysteme könne man möglicherweise auf ein Lidar verzichten und so die Kosten erhebliche reduzieren.

Eine höhere Radarauflösung lässt den Datenstrom jedoch noch weiter anschwellen und belastet den Zentralprozessor zusätzlich. Um das zu verhindern, hat Ensilica seinen eSi-ADAS-Co-Prozessor darauf spezialisiert, genau diese Radardaten effizient zu verarbeiten. „Das ist vergleichbar mit einem dedizierten Grafikprozessor, der eine zentrale Recheneinheit bei der Bildausgabe unterstützt“, sagt Doyle. Die Idee hat sich Ensilica patentieren lassen.

Über kurz oder lang: Laut Ensilica erkennt eSi-ADAS nahe und weite Objekte und macht Ultraschallsensoren für die Einparkhilfe überflüssig.
Über kurz oder lang: Laut Ensilica erkennt eSi-ADAS nahe und weite Objekte und macht Ultraschallsensoren für die Einparkhilfe überflüssig. (Bild: Ensilica)

Co-Prozessor übernimmt Zielverfolgung

Der Co-Prozessor übernimmt laut Ensilica die gesamte Berechnung der Zielverfolgung und entlastet dadurch die Electronic Control Unit (ECU) des Fahrzeugs. Als Ergebnis seiner Berechnungen reicht der Co-Prozessor eine Objektliste mit Angaben zu Position, Geschwindigkeit und anderen Daten an die ECU weiter. Diese hat mehr Kapazitäten frei für sicherheitskritische Entscheidungen wie das Zusammenführen von Radar- und Videodaten und das Identifizieren von Objekten.

Ensilicas Lösung solle ein hochauflösendes 360°-Umgebungsbild aus mehreren Sensordaten zusammensetzen können. Nach Angaben des Unternehmens unterstützt der Co-Prozessor bis zu 256 virtuelle Antennen in einem 3D-Array und kann Rohdaten mit ADC-Samplingraten von bis zu 100 MS/s verarbeiten. Damit decke eSi-ADAS die Anforderungen für kurze und weite Distanzen ab und mache auch Ultraschallsensoren für Einparkhilfen überflüssig.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Bitte seriöse(re) Überschriften! Da fehlt das vielleicht irgendwann in der Zeile. Wir alle...  lesen
posted am 04.12.2017 um 12:19 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45035002 / Mikrocontroller & Prozessoren)