Kfz-Sicherheit Neue TÜV-Bestimmungen für die HU 2012

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Ab April 2012 gelten laut TÜV neue Regeln für die Haupt- und Abgasuntersuchung von Fahrzeugen. Wir verraten Ihnen die wichtigsten Bestimmungen und Neuerungen.

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Neue TÜV-Bestimmungen für die HU: Elektronische Sicherheitsassistenten rücken ab April 2012 noch stärker in den Fokus der Hauptuntersuchung
Neue TÜV-Bestimmungen für die HU: Elektronische Sicherheitsassistenten rücken ab April 2012 noch stärker in den Fokus der Hauptuntersuchung

Die wichtigsten Regeln und Bestimmungen des TÜVs ab 2012 in aller Kürze:Jede HU beginnt mit einer Probefahrt, die Sicherheitsassistenzsysteme werden mit einem so genannten HU-Adapter über die OBD-Schnittstelle geprüft, die Plakette wird nicht mehr rückdatiert, wenn der Termin überzogen wurde, und falls der Prüfer Mängel feststellt, gibt es dazu noch detailliertere Hinweise .Die entsprechende Novelle der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) soll im kommenden Februar den Bundesrat passieren.

TÜV macht künftig Probefahrt: Sicherheitsassistenten im Fokus

Ehe es mit dem Auto in die Prüfgasse geht, steht künftig bei der Hauptuntersuchung eine Probefahrt an. Der Sachverständige muss diese Runde mit mindestens 8 km/h drehen, das Lenkrad in beide Richtungen einschlagen und auch mal auf die Bremse treten. Der Grund: Die elektronischen Sicherheitsassistenten wie Airbag, ABS, ESP, Abstandsregler & Co. rücken künftig noch stärker in den Fokus der Hauptuntersuchung. „Diese Probefahrt stellt sicher, dass die Assistenzsysteme des Fahrzeugs aktiviert sind und ansprechen“, so Jürgen Wolz, Leiter der Technischen Prüfstelle für den Kraftfahrzeugverkehr in Bayern bei TÜV SÜD.

Sicherheitsassistenzsysteme werden via HU-Adapter geprüft

Mit einem so genannten HU-Adapter, mit dem die TÜV SÜD-Sachverständigen an die OBD-Schnittstelle (On Board Diagnose) des Fahrzeugs andocken, können sie auslesen, ob die Sicherheitsassistenten auch wirklich sicher funktionieren. „Die Probefahrt begrüßen wir im Sinne der Untersuchungsqualität ausdrücklich“, unterstreicht Wolz. Wenn auch die neuen Vorgaben im ein oder anderen Fall eine logistische Herausforderung seien. „An Service-Centern in Stadtzentren oder auf dicht belegten Werkstatthöfen ist die Probefahrt gar nicht so einfach zu realisieren“, merkt Wolz an.

Neue TÜV-Bestimmungen treten voraussichtlich zum 1. April 2012 in Kraft

Allen Beteiligten bleibt freilich noch etwas Zeit, sich auf die Neuerungen einzustellen: Die 47. Änderungsverordnung zur StVZO tritt voraussichtlich zum 1. April 2012 in Kraft. Die Probefahrt wird ab dann Schritt für Schritt für alle Fahrzeuge relevant, die ab diesem Stichtag neu zugelassen werden. Da für neue Wagen die erste HU nach drei Jahren ansteht, dürfen sich die TÜV SÜD-Sachverständigen auf häufige Probefahrten ab 2015 einstellen.

Taxis als erstes von den neuen TÜV-Regeln betroffen

„Unter den ersten Fahrzeugen für neu geregelte Hauptuntersuchungen, die bereits vorher kommen, sind erfahrungsgemäß zumeist Taxis oder Mietwagen“, erläutert Jürgen Wolz. Er arbeitet mit seinen Kollegen auch an der flächendeckenden Intensivierung der Elektronik-HU. Das heißt zum Beispiel, dass alle TÜV SÜD Service-Center und alle TÜV SÜD-Mitarbeiter, die in Werkstätten Hauptuntersuchungen vornehmen, mit dem HU-Adapter ausgestattet werden. Stichtag für die Masse der Pkw auch hier: Neuzulassungen ab 1. April 2012.

Die TÜV-Plakette soll künftig einheitlich gehandhabt werden

Sofort fällig wird ab dem 1. April 2012 das geänderte Vorgehen in punkto Rückdatierung HU-Plakette. Was tun, wenn ein Autofahrer den fälligen Untersuchungstermin versäumt hat? Die Antwort auf diese Frage ist bislang womöglich in Straubing anders ausgefallen als in Saarbrücken und in Schwerin anders als in Stuttgart. Mit dem anstehenden Änderungspaket zur StVZO wird der Gesetzgeber voraussichtlich ein bundesweit einheitliches Vorgehen vorgeben. „Die nächste HU ist dann grundsätzlich 24 Monate nach dem Untersuchungstermin fällig“, erklärt Jürgen Wolz.

Bei der TÜV-HU lässt sich bald wieder „Zeit schinden“

Bislang kennen die Autofahrer in Süddeutschland folgendes Vorgehen: Ist der HU-Termin beispielsweise um zwei Monate überzogen, orientiert sich die Gültigkeit der neuen Plakette am eigentlichen Fälligkeitsdatum für die Fahrzeuguntersuchung. Das macht es künftig wieder möglich, bei der HU „Zeit zu schinden“ – allerdings droht nach wie vor ein Bußgeld, wenn die Plakette seit drei Monaten abgelaufen ist. „Und wer mit abgelaufener HU-Plakette in einen Unfall verwickelt wird, muss auch damit rechnen, dass er von der Versicherung entsprechend belangt wird“, so Jürgen Wolz.

Der Prüfbericht gibt noch detailliertere Hinweise zu Mängeln

Ein weiteres Novum auf dem Weg zur Plakette: Ab dem 1. April 2012 arbeiten alle Prüforganisationen bundesweit mit einem einheitlichen Mängel-Tool, nach der EDV-Systematik auch Mängelbaum genannt. Die praktische Folge für den Autofahrer: Im Prüfbericht gibt es zu festgestellten Mängeln nun noch detailliertere Hinweise. „Fehlt es zum Beispiel an der Beleuchtung, bekommt es der Autofahrer künftig schwarz auf weiß, dass die Einstellung beim Scheinwerfer rechts nicht stimmt. Er kann dies mehr oder weniger direkt als Reparaturauftrag an die Werkstatt geben“, sagt Jürgen Wolz.

TÜV-Plakette feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag

Intensivierung der Elektronik-HU, Probefahrt im Rahmen jeder Fahrzeuguntersuchung: Dies sind Meilensteine in Sachen sicherer Straßenverkehr. Und sie werden im Umfeld einschlägiger „TÜV-Jubiläen“ gesetzt. So gründete der Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein, ein historischer Vorläufer von TÜV SÜD, vor gut einhundert Jahren, genau am 15. Oktober 1910, eine Spezialabteilung für Fahrzeugprüfungen. Das Automobil ist heuer 125 Jahre alt. Und die TÜV-Plakette feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag – und für den Weg zur Plakette stehen jetzt eben eine Reihe von Änderungen an.

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