Halbleiterfertigung in Europa Neue Intel-Chip-Fabrik: Kommt Bayern zum Zug?

Autor Michael Eckstein

Bei der Suche nach einem weiteren europäischen Standort für seine Halbleiterproduktion hat Branchenriese Intel möglicherweise den Süden Bayerns im Visier. Man sei mit dem Konzern im engen Austausch, ließ der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Samstag durchblicken.

Firmen zum Thema

Bunte Mischung: Vom Leistungs-IC bis zum Hochleistungsprozessor – europäische Hersteller sind in vielen Bereichen von asiatischen Chip-Fertigern abhängig. Intels Engagement könnte diese Abhängigkeit verringern.
Bunte Mischung: Vom Leistungs-IC bis zum Hochleistungsprozessor – europäische Hersteller sind in vielen Bereichen von asiatischen Chip-Fertigern abhängig. Intels Engagement könnte diese Abhängigkeit verringern.
(Bild: Intel Corporation)

Intel sucht neben seiner Foundry in Irland nach einem weiteren Standort für eine Chip-Fabrik in Europa. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass Bayern bei der Wahl zum Zuge kommen könnte: „Der Standort Penzing-Landsberg und die Region insgesamt wäre für das Projekt hervorragend geeignet“, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger der „Augsburger Allgemeinen“ am Samstag.

Der Gemeinderat Penzing und der Stadtrat Landsberg unterstützen die Bewerbung um die Intel-Foundry. Aiwanger erklärte, dass man mit dem Unternehmen in engem Kontakt stehe: „Wir setzen uns für das Projekt und die Region ein.“ Schließlich sei die Ansiedlung „eines großen internationalen Halbleiterproduzenten ist eine herausragende Chance für den Wirtschaftsstandort Bayern.“

Gute Verkehrsanbindung ist essenziell

Für den ehemaligen Fliegerhorst zwischen Penzberg und Landsberg am Lech spricht sicher die sehr gute Verkehrsanbindung: Der Ort liegt in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A8 München-Stuttgart, auch die A9 München-Nürnberg und der Münchener Flughafen sowie die Verbindung über die A8 Richtung Österreich und Italien sind gut zu erreichen.

Für Intel wie für den Freistaat will dieser Schritt gut überlegt sein, schließlich geht es um sehr hohe Investitionssummen: Für die Fab stehen 15 Mrd. Euro im Raum. Zuletzt hatte sich Intel erneut für staatliche Hilfen in Milliardenhöhe für die Halbleiterfertigung ausgesprochen – nur dadurch sei es möglich, zu konkurrenzfähigen Preisen zu produzieren.

Intel erwartet eine milliardenschwere Förderung

In Asien etwa ist eine Beteiligung der öffentlichen Hand in Größenordnungen von 40 Prozent Usus. Entsprechend können dort auch um 40 Prozent günstiger produziert werden als in Europa, sagte Intels Deutschlandchefin Cristin Eisenschmid dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Samstag: „Es sollte ein günstiges Umfeld geschaffen werden, das es den Chipherstellern ermöglicht, mit einer Fertigung in Europa wettbewerbsfähig zu sein.“

Europa ist in Punkto Halbleiterfertigung weitgehend von Herstellern aus dem asiatischen Raum abhängig, zum Beispiel von dem weltgrößten Chip-Produzenten TSMC. Und ist daher in Zugzwang: Corona-Pandemie, Fehlplanungen und durch US-Sanktionen ausgelöste Hamsterkäufe großer asiatischer Hersteller haben zu einem anhaltenden Mangel wichtiger ICs geführt – mit massiven Auswirkungen nicht zuletzt für hiesige Unternehmen. Vom Kleinhersteller bis hin zu Großkonzernen, quer durch alle Branchen: Viele Firmen haben Probleme, ihre Produktion aufrecht zu erhalten.

Europa ist im Zugzwang

Beispiel Autohersteller: Schon fallen wegen fehlender Elektronikbauteilen wieder Schichten in Automobilfabriken aus, müssen Arbeiter in Kurzarbeit, etwa im VW-Stammwerk in Wolfsburg. Auch Daimler schickt erneut tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit, und BMW hat die Autofertigung in seinem größten europäischen Werk in Dingolfing gedrosselt. Hier entstehen die 5er- bis 8-er-Baureihen, Elektroantriebe und in Kürze auch der vollelektrische iX.

Seit Ende April waren bei BMW schon einzelne Schichten in den Werken Regensburg, Oxford und beim Auftragsfertiger Nedcar ausgefallen. Jetzt fehlten Chips für Bauteile, die in den großen BMW-Baureihen gebraucht werden, sagte die Sprecherin gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa. Die weltweiten Lieferengpässe erforderten bei Einkauf und Produktion inzwischen „eine tagesaktuelle Planung“.

Mit Material von dpa, Reuters.

(ID:47473861)