Elektroinstallation

Neue DIN VDE-Bestimmungen für Elektroinstallations-Rohre

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0,1 Prozent maximaler Halogenanteil erlaubt

Das Prüfverfahren bestimmt den Halogengehalt jedes einzelne Halogen (Fluor, Chlor, Brom, Jod) genau. Zuständig ist das UK 543.2 „Führungssysteme für Kabel und Leitungen“ der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE. Nur wenn die Konzentration jedes einzelnen Halogens von 0,1% in der Probe nicht überschritten wird, gilt das Produkt als halogenfrei.

Problematisch wird das neue Prüfverfahren für Elektroinstallationsrohre aus PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen), die bislang – mangels aussagekräftiger Prüfmethode – als halogenfrei bezeichnet wurden. Sie werden normalerweise mit dem Halogen Brom flammgeschützt, dessen Konzentration nach der neuen Untersuchungsmethode jedoch zu hoch ausfällt.

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Deswegen erfüllen diese Rohre die Anforderung der neuen DIN VDE V 0604-2-100 nicht, gelten also nicht mehr als halogenfrei. Wer bislang angeblich halogenfreie Rohre vertrieben hat, die jedoch Halogenanteile enthalten, darf seine Kunden damit künftig nicht mehr täuschen. Denn wo Halogene drin sind, darf nicht mehr halogenfrei drauf stehen.

Alternativen gibt natürlich: Alle halogenfreien flammgeschützten Rohre aus der Low-Smoke-Produktfamilie sind aus Spezialkunststoff gefertigt und erfüllen die neue Norm bereits seit Jahren: 0,00% Halogenanteil in Rohren und Zubehör sind ein überzeugendes Argument für mehr Sicherheit im Brandfall.

Bestandteil der neugefassten DIN VDE 0100-520 (0100-520) 2013-06 sind auch flammenausbreitende Rohre. Punkt 521.6 Tabelle F.52.1 Anmerkung 2 legt fest, dass europaweit Elektroinstallationsrohrsysteme mit der Klassifizierung „flammenausbreitend“ und der Farbe orange nur noch für die Verlegung in Beton erlaubt sind.

Die meisten flammenausbreitenden Rohre sind leichte Rohre mit der Druckklassifizierung 2 in der ersten Stelle des Klassifizierungscodes, die Verlegung in Beton schreibt aber mittlere Druckfestigkeit 3 in der ersten Stelle vor.

Das Aus kommt für flammenausbreitende Rohre

Flammenausbreitende Rohre, die die oben beschriebenen Voraussetzungen nicht erfüllen können, werden demzufolge in den kommenden Monaten vom Markt komplett verschwinden. Die Übergangsfrist für die bisherigen Bestimmungen wird am 24. Januar 2014 auslaufen.

Bislang galt in der alten Norm für die orangefarbenen, flammenausbreitenden Rohre lediglich, dass sie mit nicht brennbarem Material – also etwa Putz oder Beton – überdeckt werden mussten. Nicht flammenausbreitende Rohre können zwar brennen und schmelzen, verlöschen aber von selbst maximal 30 s, nachdem die Feuerquelle versiegt ist. Während sich ein Brand dadurch nicht weiter ausbreiten kann, verlöschen flammenausbreitende Rohre nicht von alleine und können so selbst zum gefährlichen Brandherd werden (Bild 2).

Das flammenausbreitende FBY-EL kann ganz einfach durch das nicht flammenausbreitende FBY-EL-F ersetzt werden.

Die neu erschienene DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) 2013-06 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen“ enthält die deutsche Übernahme des Europäischen Harmonisierungsdokuments HD 60364-5-52:2011 das die Internationale Norm IEC 60364-5-52:2009 „Low-voltage electrical installations – Part 5-52: Selection and erection of electrical equipment – Wiring systems“ mit gemeinsamen Änderungen von CENELEC enthält.

Zuständig für Deutschland ist das nationale Arbeitsgremium UK 221.2 „Schutz gegen thermische Auswirkungen/Sachschutz“ der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE. Für Deutschland gilt: Sicherheit in der Elektroinstallation hat höchste Priorität. Deswegen weisen nationale Zusätze den Elektrohandwerker immer wieder auf spezielle Installationsvorschriften hin, die die landesweite Anwendung der IEC-Norm ergänzen. Beispiel für die erhöhten Sicherheitsansprüche sind die vielen grau schattierten nationalen Zusätze in der DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520).

Unter Punkt 521.6 sind die wichtigsten Bestimmungen für Elektroinstallationsrohrsysteme, Elektroinstallationskanalsysteme und Kabelträger mit den Neuerungen für Halogenfreiheit, biegsam sich selbstzurückbildende Rohre und flammenausbreitende Rohre beschrieben. Mit dieser neu gefassten Norm als Basis können Elektroinstallateure künftig das Sicherheitsbewusstsein ihrer Kunden entscheidend schärfen: Denn eine sichere elektrische Anlage beginnt bereits hinter der Wand – mit der Auswahl der richtigen Rohre und einer regelgerechten Installation.

* Norbert Biener ist im Produktmanagement Elektro Systeme bei Fränkische Rohrwerke in Königsberg und als Referent für Normung und Zulassung tätig.

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