Veränderte Mobilität Neue Aufgaben für den TÜV

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Fahrzeug- und Mobilitätsdaten spielen eine immer wichtigere Rolle, aber auch das automatisierte Fahren überwachen, die Aktualität der Software und den Zustand einer Batterie. Die Aufgaben von Prüforganisationen wie des TÜV haben sich gewandelt.

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Klassische Hauptuntersuchung: Der TÜV SÜD wird künftig das automatisierte Fahren überwachen, die Fahrzeugsoftware prüfen oder den Zustand der Batterie.
Klassische Hauptuntersuchung: Der TÜV SÜD wird künftig das automatisierte Fahren überwachen, die Fahrzeugsoftware prüfen oder den Zustand der Batterie.
(Bild: Wolfgang Claussen / Pixabay )

Wenn bei einem Auto vom TÜV die Rede ist, dann ist es die zweijährige Hauptuntersuchung sowie die Abgasuntersuchung durch Kfz-Sachverständige. Doch die Mobilität entwickelt sich weiter. Auf der diesjährigen IAA in München zeigt der TÜV SÜD, das es mehr gibt als die Hauptuntersuchung.

Wir haben mit Patrick Fruth, CEO der TÜV SÜD Division Mobility, gesprochen. Stichwörter für die neue Mobilität sind Green Deal und Vision Zero. Sie stehen für eine sichere Welt ohne Verletzte und Tote im Straßenverkehr.

Cybersecurity, Softwareupdates oder Data Storage

Laut Fruth kommen neben der Hauptuntersuchung/PTI noch „Cybersecurity, Softwareupdates oder Data Storage hinzu“. Hier sieht sich der TÜV als neutraler Dritter. Zu den Aufgaben der Prüforganisationen gehört es, gemeinsam Position zu beziehen und Forderungen zu formulieren, beispielsweise zu rechtlichen Rahmenbedingungen.

Für alle Prüforganisationen ist es nach Aussage von Fruth wichtig, „einen diskriminierungsfreien Zugang zu den Fahrzeugdaten zu haben sowie auch bei Themen Software-Sicherheit und der Gestaltung der Hauptuntersuchung von morgen Einfluss zu haben“.

Fahrzeug- und Mobilitätsdaten

Für die künftige Bewertung von Unfällen werden Fahrzeug- und Mobilitätsdaten eine wichtigere Rolle spielen. Deshalb fordern die Prüforganisationen nicht nur den erwähnten diskriminierungsfreien Zugang zu den Fahrzeugdaten, sondern auch, dass Mobilitätsdaten treuhänderisch in einem neutralen Trust-Center verwaltet werden.

Fruth sieht Cybersecurity dabei als Priorität: „Die sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten sind für die Prüforganisationen und die Sicherstellung der Fahrzeugüberwachung elementar wichtig, insbesondere in der zunehmenden C2C- und C2X-Kommunikation. Mit dem Wegfall der OBD-Schnittstelle muss der Zugang, beispielsweise über ein neutrales Trust-Center, für die Prüforganisation jederzeit gegeben sein.“

Automatisierte Fahrsysteme überwachen

Die klassische Hauptuntersuchung wird sich verändern. Ganz allgemein wird es zukünftig darum gehen, die automatisierten Fahrsysteme zu überwachen. Dynamische Funktionsprüfungen automatisierter und vernetzter Fahrsysteme gehören genauso dazu wie etwa die Funktionsprüfung der Sensorik sowie sicherheitsrelevante Fahrzeugfunktionen. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Überwachung der Software. Die Aktualität einer Software (Stichwort Updates) ist genauso wichtig wie Software-Checks (Simulationen). Sie werden feste Bestandteile des Prüfkatalogs sein.

Sie alle sind entscheidend, um die geforderten Grenzwerte einzuhalten – und das über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs. Das gilt auch für die erweiterte Abgasuntersuchung von NOx und Partikeln, aber auch – wie sie die neue Euro-7-Verordnung vorsieht – für die Emissionen beispielsweise von Ammoniak, Methan, Formaldehyd oder Partikeln, die durch Reifen und Bremsenverschleiß entstehen.

Neben den automatisierten Fahrfunktionen ist es die Sicherheit alternativer Antriebe wie BEV oder FCEV. Die Sicherheit muss innerhalb der periodischen Untersuchung garantiert werden. Dazu gehört die Sicherheit der Batteriezellen genauso wie die Prüfung aller wasserstoffführenden Leitungen und der Brennstoffzelle selbst.

Zustand und den Wert einer Batterie

Patrick Fruth, CEO der Division Mobility bei TÜV SÜD: „Hauptuntersuchung/PTI, Cybersecurity, Softwareupdates, aber auch Data Storage – das sind hier nur einige Themengebiete, die wir bieten.“
Patrick Fruth, CEO der Division Mobility bei TÜV SÜD: „Hauptuntersuchung/PTI, Cybersecurity, Softwareupdates, aber auch Data Storage – das sind hier nur einige Themengebiete, die wir bieten.“
(Bild: TÜV SÜD)

Bei den Ladestationen gehört der TÜV SÜD zu den „europaweit führenden Zertifizierern“. Außerdem arbeitet die Prüforganisation an verschiedenen Verfahren, um die CO2-Bilanz batteriebetriebener Fahrzeuge zu verbessern.

Zudem arbeiten die TÜV-Experten an State-of-Health- (SoH-)Prüfungen. Die können den Zustand und den Wert einer Batterie bestimmen und damit das Remarketing von BEV ankurbeln – der Gebrauchtwagenmarkt bei Elektroautos ist immer noch vergleichsweise klein.

Die SOH-Prüfungen führen die Experten aktuell in einem ersten Pilotversuch durch. Je länger die Batterie im Einsatz ist, desto besser ist deren Umweltbilanz – das gilt auch für den möglichen Einsatz nach Verwendung im Auto.

Auch der Antrieb mit Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das gilt für die Brennstoffzellen-Technik, also den Einsatz im FCEV, genauso wie als Zuführung in den Ansaugtrakt von Dieselfahrzeugen – hier, um die CO2-Emissionen zu verringern. Die Experten von des TÜV begleiten die Entwicklung der Wasserstofftechnik in Fahrzeugen bereits von Beginn an mit neutralen Sicherheitsbewertungen, Einzelzulassungen von Testfahrzeugen oder bei der Typgenehmigung.

Vertrauensvolle Daten verwalten

Neben der Technik ist der Umgang mit den Mobilitätsdaten einer der zentralen Punkte. Denn diese werden zukünftig die Basis für Algorithmen sein, die den Nutzern den nachhaltigsten Weg von A nach B zu berechnen. Die Daten sind für alle Teilnehmer am Mobilitätsprozess interessant: Versicherungen, Flottenbetreiber, Mobilitätsdienstleister oder auch für das Finanzamt und juristische Instanzen.

Deshalb bieten die TÜV-Gesellschaften sich als neutrale Treuhänder an, um die Daten zu verwalten. Alle Daten werden im sogenannten Trust-Center neutral gesammelt und auf Anforderung autorisierten Dritten, wie Mobilitätsdienstleistern, Werkstätten, den OEM und Versicherern, zur Verfügung gestellt. „Die Fahrzeughalter können so ihre Mobilitätsdaten bedarfsgerecht kontrollieren und entscheiden selbst darüber, wer Einblick hat“, sagt Fruth.

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