NB-IoT: Vodafone und Telekom kämpfen um die Vorherrschaft für das Maschinennetz

| Redakteur: Michael Eckstein

Langläufer: Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter mit einem Multi-Sensor für das Maschinen-Netz NB-IoT.
Langläufer: Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter mit einem Multi-Sensor für das Maschinen-Netz NB-IoT. (Bild: Vodafone)

90 Prozent des Vodafone-LTE-Mobilfunknetzes soll ab sofort NarrowBand-IoT beherrschen. Auch Konkurrent Telekom treibt den Ausbau des Maschinennetzes voran. Als zukunftsträchtige Technologie wird NB-IoT auch in den kommenden Mobilfunkstandard 5G integriert sein – und soll für Umsätze mit Internet-of-Things-Anwendungen sorgen.

Erst im März 2018 hatte Mobilfunkanbieter Vodafone mit dem Ausbau seines auf NarrowBand-IoT basierenden Maschinennetzes in Düsseldorf und Berlin begonnen. Gut sechs Monate später gibt der Telekommunikationskonzern an, dass die Technologie ab sofort in mehreren tausend Städten und Gemeinden nutzbar ist. Insgesamt sei NB-IoT damit in etwa 90 Prozent des eigenen LTE-Netzes verfügbar. Dazu war nach Angaben von Vodafone das Aufrüsten und Modernisieren „unzähliger Mobilfunkmasten in ganz Deutschland“ nötig. Nach Ansicht von Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland, ist „das Maschinennetz ein zentrales Standbein für die digitale Revolution und ein wichtiger Schritt zu 5G“.

Auch Wettbewerber Telekom pusht die NB-IoT- und 5G-Technik massiv. Ein Acht-Punkte-Programm soll dafür sorgen, dass bis zum Jahr 2025 99 Prozent der Bevölkerung auf 90 Prozent der Fläche des deutschen Bundesgebiets per 5G erreichbar sind. Ein zentraler Punkt dabei sind schnelle Glasfaser-Anbindungen der Mobilfunkbasisstationen. Vor gut anderthalb Jahren hat die Telekom mit der nach eigenen Angaben „größten Modernisierung des Mobilfunknetzes“ begonnen. Seit einiger Zeit bietet Deutschlands größter Telekommunikationskonzern über seine IoT-Internetplattform mehrere IoT-Produkte, -Dienstleistungen und -Tarife an.

„Größten Modernisierung des Mobilfunknetzes“ hat begonnen

Laut Telekom sind Stand heute rund 22.000 Antennenstandorte über Glasfaser angebunden. Nach Abschluss der Modernisierung sollen 27.000 Mobilfunkstandorte technisch so ausgestattet sein, dass sie 5G-fähig sind und Anwendungen wie das Maschinen- und Sensorennetz NB-IoT abbilden können. NB-IoT basiert auf der aktuellen 4G-Mobilfunktechnik LTE, wird aber auch in den neuen Standard 5G übernommen. 5G soll gegenüber 4G LTE bis zu zehnmal höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen. Wichtiger für NB-IoT-Anwendungen sind jedoch die angestrebten sehr kurzen Latenzzeiten, die in bestimmten Situationen eine Reaktion in Quasi-Echtzeit ermöglichen sollen.

Bis es soweit ist, wird das 4G-Netz noch als Brückentechnologie für NB-IoT dienen müssen. Vodafone gibt an, dass im neuen Maschinennetz theoretisch bis zu 4 Milliarden Geräte gleichzeitig funken können. Eine einzige Mobilfunkzelle könne mit der Technologie bis zu 50.000 Gegenstände parallel vernetzen. Nach eigenen Angaben vernetzt Vodafone schon heute weltweit 74 Millionen Gegenstände per Mobilfunk. Tendenz steigend. Jeden Monat kämen rund zwei Millionen Dinge hinzu. Vom LKW-Reifen, der sich bei Druckverlust beim Fahrer meldet, über den Wasserzähler, der täglich seinen aktuellen Stand übermittelt, bis zum E-Bike, das Alarm schlägt, wenn es gestohlen wird.

Roaming ist essenziell für ein großflächig verfügbares Maschinennetz

Ein Schlüssel zum Erfolg des Maschinennetzes ist das Roaming, also die Möglichkeit, dass die angebundenen Geräte zwischen den Netzen unterschiedlicher Provider wechseln können. Aus diesem Grund haben die Deutsche Telekom und die Vodafone Gruppe Mitte des Jahres gemeinsam Roaming-Tests durchgeführt – nach Angaben der GSMA erfolgreich. Die „Groupe Speciale Mobile Association“, eine weltweite Industrievereinigung der Mobilfunkanbieter, spielt eine zentrale Rolle beim Erarbeiten von netzwerkübergreifenden Standards zum Beispiel für das Roaming und hatte den Test überwacht. Nach Angaben der beiden Provider wurde der Test mit globalen SIMs der Deutschen Telekom auf dem Netz von Vodafone Spanien und globalen Vodafone SIMs auf dem Netz von T-Mobile Austria und kommerziell erhältlichen NB-IoT-Modulen durchgeführt.

„Der Erfolg dieser Tests ist ein wichtiger Meilenstein für das Entwickeln einer stabilen Roaming-Umgebung für mobile IoT-Netzwerke“, sagt Alex Sinclair, Chief Technology Officer der GSMA. Die „Mobile IoT Initiative“ der GSMA hat dazu beigetragen, lizenzierte LPWA-Technologien wie NB-IoT und LTE-M in 3GPP zu standardisieren. „Der Markt ist in sehr kurzer Zeit stark gereift und wir gehen davon aus, dass Mobile IoT in diesem Jahr skaliert“, erklärt Sinclair. Dies liege zweifellos daran, dass nur lizenzierte, gemanagte mobile Dienste in der Lage sind, sichere Low-Power-Verbindungen zu bieten, die den zukünftigen Bedarf decken können.

Wichtig für den weltweiten Einsatz von LPWA-Geräten

Roaming ist besonders wichtig für Hersteller, die LPWA-Geräte weltweit einsetzen und von Skalierungseffekten profitieren wollen. Auch für Anwendungsfälle wie die logistische Verfolgung von Containern, die mehrere internationale Grenzen auf einer einzigen Reise überschreiten, sowie für Geräte, die in einem Land hergestellt, aber in einem anderen Land eingesetzt werden können, etwa intelligente Zähler, ist Roaming von entscheidender Bedeutung.

Die von der Deutschen Telekom und Vodafone gemeinsam entwickelten Roaming-Testfälle beinhalten wichtige Energiesparfunktionen wie Power Saving Mode (PSM), Long Periodic Tracking Area Update (TAU) und verschiedene Messungen der Durchsatzwerte und Paketumlaufzeiten (Round Trip Time, RTT). „Die Deutsche Telekom hat NB-IoT-Netze in den meisten europäischen Ländern erfolgreich eingeführt und entwickelt, und wir freuen uns sehr, dass das Ökosystem schnell wächst“, sagt Ingo Hofacker, verantwortlich für das IoT-Geschäft im Konzern Deutsche Telekom. „Erste kommerzielle Angebote sind bereits auf nationaler Ebene verfügbar, aber jetzt müssen die Betreiber auch die Nachfrage der Kunden nach internationaler Abdeckung und Servicekontinuität ermöglichen.“

Globaler Ausbau im weltweit größten Narrowband IoT-Netzwerk

Auch Vodafone treibt den Ausbau seines Maschinennetzes global voran. In Tschechien, Griechenland, Irland, Italien, Spanien, Australien, Niederlande, Südafrika und in der Türkei hat das Unternehmen nach eigenen Angaben die Technologie bereits aktiviert. Bis Ende des Jahres 2019 soll das Narrowband IoT-Netzwerk in zehn europäischen Ländern funken. Auch Großbritanien, Rumänien und Ungarn sollen die Technologie zeitnah erhalten.

Stefano Gestaut, Director of IoT bei Vodafone, sagte: „Diese Entwicklung zeigt die erfolgreiche Evolution der Technologie und ich bin zuversichtlich, dass sie zu einer Reihe neuer Anwendungen für NB-IoT führen wird.“ Dazu zählt der beispielsweise die Kühlkettenüberwachung von Warentransporten über Grenzen hinweg. Für das Designen eigener Lösungen verkauft Vodafone ein NB-IoT-Entwicklungskit an, der neben der Hardware auch Cloud-Anbindung, 50 MB monatliches Datenvolumen sowie die Software NB-Easy zum Programmieren der Lösung enthalt.

IoT ohne Internet: Pragmatischer Ansatz für Konnektivität

IoT ohne Internet: Pragmatischer Ansatz für Konnektivität

27.08.18 - Thingstream bietet eine IoT-Konnektivitätslösung für das vorhandene GSM-Netz – ohne Einsatz von TCP/IP. Entwickler von Hardware für Anwendungen im Internet of Things brauchen sich nicht um Netzbetreiber oder Datenverträge kümmern. Möglich macht dies das verwendete MQTT-Protokoll. lesen

Vernetzte Dinge: Warum Sigfox für das IoT und das IIoT interessant ist

Vernetzte Dinge: Warum Sigfox für das IoT und das IIoT interessant ist

23.07.18 - Damit die Dinge untereinander kommunizieren können, müssen sie verbunden sein. zum Beispiel per Sigfox: Das LPWAN-Netzwerk kommt mit wenig Energie aus und gilt als sicher. Wie es funktioniert und was möglich ist, zeigt der Beitrag. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45548188 / 5G Mobilfunk)