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Narrowband-IoT kann den Markt für Wide-Area-Sensorik aufmischen

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit NB-IoT greifen die Mobilfunkanbieter in Europa den Markt für Low-Power-Sensornetzwerke an. Die Chancen stehen gut, den Markt von hinten aufzurollen und für sich zu erobern. Risiken lauern im Detail.

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Lyn Matten, CTO von mm1 Technology: „Narrowband Internet of Things hat das Potential, den Markt für Low-Power-Sensornetzwerke gründlich aufzumischen“
Lyn Matten, CTO von mm1 Technology: „Narrowband Internet of Things hat das Potential, den Markt für Low-Power-Sensornetzwerke gründlich aufzumischen“
(Bild: mm1)

Der Mobilfunk-Markt und seine Standardisierung blicken auf eine sehr lange und erfolgreiche Geschichte zurück. Komplexe mobile Infrastrukturen werden seit vielen Jahren zuverlässig bereitgestellt, gewartet und weiterentwickelt. Nun kommt eine neue, vielversprechende Technologie ins Spiel: NB-IoT = Narrowband Internet of Things und es hat das Potenzial, den Markt gründlich aufzumischen.

Die drahtlose Funktechnik gehört zu den sogenannten Low Power Wide Area Networks, kurz LPWAN, und setzt auf dem Mobilfunkstandard LTE auf. NB-IoT wurde konzipiert, um dem steigenden Bedarf an niedrigratiger Datenkommunikation gerecht zu werden. Das System punktet bei unkomplizierter Verfügbarkeit und niedrigeren Kosten, indem die bestehende Infrastruktur der Mobilfunk-Dienstleister verwendet wird. Für weite Teile der Infrastruktur kann NB-IoT durch Firmware-Updates bereitgestellt werden, damit sich der Investitionsaufwand bei den Mobilfunkbetreibern in Grenzen hält. Zudem sind die Mobilfunkbetreiber in der Lage, in relativ kurzer Zeit ein flächendeckendes NB-IoT-Netz anzubieten, das durch seine höhere Reichweite und bessere Gebäudedurchdringung bisherige GSM-Lücken füllen kann. Das wird sich auch auf die Preise auswirken, die deutlich unter den bisherigen M2M-Preisen liegen dürften.

Noch erheblicher Verbesserungsbedarf

Die NB-IoT-Module sind allerdings Neuentwicklungen und dementsprechend zeigen die ersten Praxis-Erfahrungen noch erheblichen Verbesserungsbedarf: So zeigt die Stabilität der Firmware noch Schwächen aber auch der Energieverbrauch und die Kosten sind noch zu hoch. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden zwei Jahren in relativ kurzen Intervallen neue Versionen der NB-IoT-Chips und -Module auf den Markt gebracht werden, bis eine technische Reife erreicht ist.

Zunächst können daher für Unternehmen hohe Kosten entstehen, weil häufige Redesigns der Produkte notwendig werden aber auch, weil bestimmte Business Cases im Moment nicht aufgehen und zunächst ein Zuschussgeschäft für die Firmen werden. Trotz aller Erfahrung der Mobilfunk-Unternehmen in der Installation und im Betrieb komplexer Systeme muss auch hier der Praxistest im Massenbetrieb erst noch bestanden werden. Es bleibt das Risiko unvorhergesehener Schwierigkeiten, deren Beseitigung länger dauert als erwartet und die den reibungslosen Betrieb von Kundenlösungen beeinträchtigen oder verhindern können.

Netzübergreifendes Roaming

Eine weitere, wesentliche Herausforderung wurde bis heute noch nicht gemeistert: Netzübergreifendes Roaming. Das zuständige Konsortium 3GPP arbeitet zwar daran, doch Stand Juli 2017 ist der Standard noch nicht verabschiedet. Somit ist nicht klar, wie Hersteller Produkte aus einer Hardware in mehreren europäischen Ländern anbieten oder betreiben können. Wenn sich die technischen Performance-Daten realisieren lassen und attraktive kommerzielle Modelle möglich sind, ist durchaus denkbar, dass der LPWAN-Markt in einigen Jahren von NB-IoT dominiert wird.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und mit Massen-Produkten auf NB-IoT-Basis sollte nicht vor 2018 gerechnet werden. Stabile, deutschlandweite Netze werden wir wohl frühestens Ende 2017 erwarten können und bis dahin haben die Mobilfunkbetreiber noch eine Menge Arbeit zu erledigen. Auch LPWAN-Konkurrent SigFox schläft nicht und wird mit zunehmender flächendeckender Verfügbarkeit eine ernsthafte Konkurrenz für NB-IoT darstellen. Und zumindest in einigen Ländern wie der Schweiz haben Telcos begonnen, LoRaWAN basierte Netze aufzubauen und als Service anzubieten.

Am Ende wird neben dem Preis für Module und Plattformnutzung vor allem die Stabilität der Netze und die Flexibilität unterschiedlicher Use Cases ausschlaggebend für den Erfolg sein. Letztlich muss für jeden Use Case individuell anhand der spezifischen Anforderungen bewertet werden, welche der Technologien am besten passt. Es gilt wie immer beim Funk: „There is no one size fits all!“.

Treffen Sie Lyn Matten!

Auf unserem Smart-Home-/Smart-Buidling-Kongress am 13. und 14. September in München wird Lyn Matten von mm1 Technology einen Vortrag über Funktechniken in der Praxis halten: Welche Funktechnik ist die richtige für meine Anwendung? Sein Vortrag betrachtet neben Grundlagen der Funktechniken auch Unterschiede ausgewählter Funkprotokolle. Abgerundet wird sein Vortrag durch konkrete Praxisbeispiele.

Das komplette Programm sowie die Anmeldung finden Sie hier.

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