Meilensteine der Elektronik „Nah am Markt heißt nah am Kunden“

Redakteur: Kristin Rinortner

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Phoenix Contact gestaltet die moderne industrielle Produktion mit neuen Lösungen mit. Ein Interview mit dem neuen Präsidenten „Device Connectors“ Torsten Janwlecke.

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Kennt den Markt der Leiterplatten-Anschlusstechnik seit mehr als einem Jahrzehnt: Seit April 2016 ist Torsten Janwlecke Präsident der Business Area Device Connectors bei Phoenix Contact. Zuvor war er in führender Position unter anderem für Metz Connect tätig.
Kennt den Markt der Leiterplatten-Anschlusstechnik seit mehr als einem Jahrzehnt: Seit April 2016 ist Torsten Janwlecke Präsident der Business Area Device Connectors bei Phoenix Contact. Zuvor war er in führender Position unter anderem für Metz Connect tätig.
(Bilder: Phoenix Contact)

Internationale Initiativen wie das Industrial Internet Consortium (USA), Industrie 4.0 (Deutschland) und Made in China 2025 (China) befassen sich mit den Chancen und Herausforderungen der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung der industriellen Produktion. Phoenix Contact gestaltet diesen Wandel mit intelligenten Lösungen mit. Als neuer Präsident der Business Area Device Connectors setzt Torsten Janwlecke auf Konstanz – und den Mut, neue Wege einzuschlagen.

Herr Janwlecke, Sie kennen den Markt der Geräteanschlüsse seit mehr als einem Jahrzehnt. Welche Entwicklungen haben den Markt besonders geprägt?

Auf Basis der ersten Reihenklemmen wurden zunächst rein lötbare Leiterplattenanschlüsse entworfen. Ab Beginn der 1980er Jahre hat sich das Angebot sehr stark in die Breite entwickelt. Aus Leiterplattenklemmen wurden Steckverbinder und Durchführungsklemmen, die den Anschlusskomfort in den Fokus rückten. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren enorm beschleunigt. Mit dem Aufkommen intelligenter, vernetzter Kommunikationsteilnehmer wie dezentralen Steuerungen oder Feldbussystemen stieg der Bedarf an Verbindungslösungen.

Heute gibt es nicht den einen universellen Leiterplattenanschluss, sondern individuelle Lösungen für die unterschiedlichen Anforderungen internationaler Märkte. Ein Beispiel sind Anschlusstechnologien wie der Push-in-Federanschluss: Im europäischen Markt ist das Prinzip wegen seines hohen Anschlusskomforts weit verbreitet. In Amerika setzen viele Gerätehersteller und Anwender auf den einfacheren, aber etablierten Schraubanschluss.

Welche Rolle spielen passive Komponenten für die intelligente Produktion von morgen?

Steckverbinder sind die Synapsen intelligenter Geräte. Ohne technische Lösungen zur Übertragung von Signalen, Daten und Leistung in die Geräte sowie zwischen den Kommunikationsteilnehmern im Feld wären automatisierte Steuer- und Regelkreise unmöglich. Je flexibler und anpassungsfähiger die Leiterplattenanschlüsse, Steckverbinder und Elektronikgehäuse sind, desto vielseitiger sind auch die Geräte. Eine zentrale Eigenschaft der intelligenten Fabrik wird ihre Adaptivität sein – und dazu tragen passive Anschlusskomponenten ihren Teil bei.

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Ist die Entwicklung von Automatisierungskomponenten stehengeblieben?

Die Entwicklung ist nicht stehengeblieben. Im Gegenteil – sie hat sich beschleunigt. Heute existieren nicht nur neue technische Produktionsverfahren wie der 3-D-Druck, Gesetzgeber, Hersteller und Anwender legen auch immer mehr Wert auf umweltverträgliche Materialien.

Welche Lösungen für die Produktion von morgen bietet die Business Area Device Connectors von Phoenix Contact?

Ob unsere Lösungen intelligent sind, bestimmen unsere Kunden letztendlich ganz individuell. Unser großer Vorteil ist unsere jahrzehntelange Erfahrung sowohl in der Verbindungstechnik als auch in der Automatisierungstechnik. Wir bieten das breiteste Portfolio löt- und steckbarerer Leiterplattenanschlüsse, ein durchgängiges Rundsteckverbinderprogramm in den Größen von M5 bis M58, Datenübertragungslösungen für Kupfer- und Lichtwellenleiter-Kabel sowie eine Vielzahl von Elektronikgehäusen für zahlreiche Applikationen. Und dies nicht nur für die klassische industrielle Produktion sondern auch für Zukunftsmärkte wie Infrastruktur, Erneuerbare Energien oder Smart Buildings. Ein Beispiel sind unsere Photovoltaik-Sicherungsadapter. Die Sicherungselemente sind robust, einfach zu installieren und schützen Photovoltaik-Anlagen dank ihrer integrierten Elektrik zuverlässig vor Überspannungen.

Inwiefern profitieren Kunden davon?

Mit unserer technologischen Erfahrung über die Gerätegrenzen hinaus bieten wir Kunden zahlreiche Lösungen für unterschiedliche Anwendungsgebiete aus einer Hand. Dank unserer hohen Fertigungstiefe können wir aber auch individuelle Anpassungen und Neuentwicklungen schnell realisieren. Der Kunde profitiert also entlang seiner Wertschöpfungskette: vom Design-in-Prozess über eine flexible Produktion bis hin zur effizienten Logistik. Die hohe Qualität der Anschlusskomponenten trägt zur hohen Zuverlässigkeit des Gerätes und damit der Automatisierungsinfrastruktur bei.

Welche Entwicklungen werden den Markt der Geräteanschlüsse künftig prägen?

Da die Geräte immer kleiner, leistungsfähiger und adaptiver werden, müssen auch die Geräteanschlüsse diesem Trend folgen. Hybridsteckverbinder und Schnellanschlusstechnologien werden wegen ihrer Flexibilität also eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Unabhängig von konkreten technischen Lösungen, halte ich die Standardisierung und Digitalisierung von Geräteanschlüssen aber für eine der wichtigsten Entwicklungen.

Technische Normen und elektronische Bibliotheken sind aber doch keine neuen Erfindungen?

Vor dem Hintergrund global agierender Hersteller und Anwender auf international stark differenzierten Märkten sind einheitlich, verständlich und verbindlich beschriebene Komponenten unabdingbar. Die Produktlebenszyklen elektronischer Geräte werden immer kürzer. Damit steigt die Geschwindigkeit, mit der Lösungen für neue Anforderungen entwickelt werden müssen. Hersteller elektronischer Verbindungstechnik liefern diese Lösungen und gehören damit zu den Schrittmachern der Branche.

Wie stellt sich die Business Area Device Connectors auf diese Herausforderungen ein?

Vorausschauend und nachhaltig zu handeln, ist Bestandteil der Identität von Phoenix Contact. Bei aller Konstanz dürfen wir den Mut zu innovativen Ansätzen und neuen Wegen nicht verlieren. Mit international stark vernetzten Entwicklungs-, Produktions-, Marketing- und Vertriebseinheiten richten wir uns als Business Area an den besonderen Design-in- und Entwicklungszyklen des Gerätemarkts aus. Nah am Markt zu agieren, heißt schließlich nah am Kunden zu agieren – und diese Nähe sichert unsere führende Position als Innovationstreiber.

Ein Geschäftsbereich, der sich aus unserer Rolle als Hersteller entwickelt hat, ist der 3-D-Druck. Ursprünglich bei Phoenix Contact zur Produktion von Mustern und Prototypen eingesetzt, hat das Verfahren auch in der Kleinserienfertigung noch viel Potenzial. Genau das ist ja ein Gedanke der intelligenten Fabrik: Flexibel jeweils das Fertigungsverfahren und die Werkzeuge einsetzen können, mit denen sich beliebige Chargengrößen kosteneffizient produzieren lassen. Insofern ist Losgröße 1 zu den Kosten der Massenproduktion bereits in Ansätzen Wirklichkeit.

Welches Innovationspotenzial steckt noch in Komponenten wie Steckverbindern und Elektronikgehäusen?

Die Materialien und Technologien sind noch lange nicht „ausgedacht“. Letztlich bestimmen neue Märkte und Anforderungen die Innovationsgeschwindigkeit. 2007 hat das erste iPhone den Markt der Smartphones revolutioniert – obwohl es technisch eher eine Evolution war. Solche Entwicklungen sind auch bei passiven Komponenten möglich. Der Erfolg moderner Hybridsteckverbinder zeigt dies. Optimierte Produktionsverfahren wie beispielsweise der 3-D-Druck werden auch künftig neue Möglichkeiten eröffnen. Und das zu Stückkosten und in einer Varianz, die heute noch nicht vorstellbar sind.

Die electronica ist die wichtigste Messe für elektrische und elektronische Komponenten und Systeme. Was präsentiert Phoenix Contact in diesem Jahr?

Zu den Highlights, die wir in diesem Jahr zeigen, gehören neue Direktsteckverbinder mit SKEDD-Technologie, leistungsfähige Hybridsteckverbinder in Baugröße M40, durchgängige Datenverkabelungslösungen für Kupfer und LWL sowie neue Elektronikgehäuse für die Industrie- und Gebäudeautomatisierung. Diese Breite zeigt, dass wir uns nicht auf unserem bestehenden Produktprogramm ausruhen, sondern stets neue Lösungen für neue Anforderung entwickeln – auch außerhalb des Geräts.

Heute existieren bereits Lösungen zum induktiven Laden, Daten und Signale werden kabellos per WLAN-, Bluetooth- oder Infrarot-Schnittstelle übertragen. Wird es in der nahen oder fernen Zukunft keine Steckverbinder mehr geben?

Wenngleich Anwendungen wie Tablet-Computer oder WLAN bereits in der Industrieautomatisierung etabliert sind, werden sich auch in Zukunft viele Anforderungen nur über die kabelgebundene Übertragung lösen lassen. Auch die Funkübertragung basiert auf Antennen, bei denen die elektrischen und elektronischen Komponenten über Steckverbinder verbunden sind. Die robusten Umgebungen der industriellen Produktion mit ihren mechanischen und elektromagnetischen Störeinflüssen setzen zudem besonders sichere und zuverlässige Übertragungswege und Schnittstellen voraus. Steckverbinder wird es also immer geben!

Ob machbar oder nicht – wie sähe ein Steckverbinder aus, den Sie gerne entwickeln würden?

Wenn Flexibilität und Adaptivität die intelligente Produktion von morgen bestimmen, wären Steckverbinder oder Elektronikgehäuse aus adaptiven Materialien ein spannender Gedanke. Ein Steckverbinder, der seine Form an den Leiterquerschnitt und die zu übertragende Leistung anpasst und stets die minimal mögliche Bauform annimmt.

Und welchen Steckverbinder würden Sie am liebsten aus Ihrem eigenen Haushalt verbannen?

Statt eines Steckverbinders würde ich lieber die unzähligen Netzteile und Transformatoren verbannen und statt dessen ein komplettes 5-V-Gleichstromnetz installieren.

Herr Janwlecke, vielen Dank für dieses Gespräch.

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