Verbindungshalbleiter Nächster Fab-Deal: Nexperia kauft englische NWF

Redakteur: Kristin Rinortner

Nach TI hat nun Nexperia zugeschlagen und die englische Halbleiterschmiede NWF für eine nicht genannte Summe übernommen. Damit sichert sich das chinesische Unternehmen einen signifikanten Marktanteil bei Leistungs- und Automotive-Halbleitern.

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Nexperia kauft NWF: Mit der Übernahme der britischen Wafer-Fab aus dem Verbindungshalbleiter-Excellenzcluster Newport gelangen die Chinesen an wichtiges Fertigungs-Know-How bei GaN-auf-Silizium.
Nexperia kauft NWF: Mit der Übernahme der britischen Wafer-Fab aus dem Verbindungshalbleiter-Excellenzcluster Newport gelangen die Chinesen an wichtiges Fertigungs-Know-How bei GaN-auf-Silizium.
(Bild: Intel)

Nexperia hat die 200-mm-Halbleiterschmiede Newport Wafer Fab (NWF) im englischen Wales gekauft. Das chinesische Unternehmen will mit der Akquise seine Fertigungskapazitäten von Analogen ICs, Mixed-Signal- und Leistungshalbleitern signifikant steigern.

Die neuen Produktionskapazitäten bei IGBT-, Analog- und Verbindungshalbleitern sollen parallel zu den aktuellen 200-mm-Fertigungen in Manchester und Hamburg den Umsatz perspektivisch auf 10 Mrd. US-Dollar steigern, so Nexperia. Die Übernahme erhöht ebenfalls laut Unternehmen die Lieferkapazität für AEC-qualifizierte Produkte und den Marktanteil von Nexperia signifikant.

Newport ergänzt Standorte in Hamburg und Manchester

Nexperia war bisher ein Kunde der von NWF angebotenen Foundry-Dienstleistungen und wurde 2019 deren zweitgrößter Anteilseigner. Der Standort Newport ergänzt die beiden anderen europäischen Produktionsstätten, in die mit 590 Mio. Euro in letzter Zeit erheblich investiert wurde.

Unternehmerkreisen zufolge erfüllte NWF Lieferverträge nicht. Daraufhin machte Nexperia von seinem Recht als Eigner Gebrauch, Verwaltungsratsmitglieder zu ernennen, was die Übernahme letztendlich möglich machte.

Wachsende globale Nachfrage nach Halbleitern

Achim Kempe, Chief Operations Officer von Nexperia, kommentiert: „Wir freuen uns sehr, Newport in unsere globalen Produktionsstätten einbinden zu können. Nexperia hat ehrgeizige Wachstumspläne, und mit der Übernahme von Newport werden wir der wachsenden globalen Nachfrage nach Halbleitern gerecht. Das Werk in Newport verfügt über ein hochqualifiziertes Mitarbeiterteam und spielt eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der Betriebskontinuität. Wir freuen uns darauf, gemeinsam die Zukunft zu gestalten.“

Produktionskapazität 35.000 Wafer pro Monat

Die Chipfabrik in Newport wurde 1982 für INMOS gebaut. Die Besitzer wechselten: STMicroelectronics, International Rectifier und Infineon, im Jahr 2017 wurde Newport Wafer Fab daraus. Die derzeitige Produktionskapazität liegt bei mehr als 35.000 200-mm-Wafern pro Monat (0,18 µm und darüber) und deckt ein breites Spektrum an Halbleitertechnologien ab – von MOSFETs und Trench-IGBTs bis hin zu CMOS-, Analog- und Verbindungshalbleitern.

Drew Nelson, der scheidende Vorsitzende von Newport, erklärt: „Der Eigentümerwechsel des Standorts Newport markiert einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Werks sowie für die Region. Wir freuen uns, dass wir die Expertise in der Entwicklung von High-End-Halbleitern in der 200-mm-Wafer-Fab beibehalten können und uns gleichzeitig Möglichkeiten eröffnen, neue Halbleitertechnologien hinzuzufügen.“

Kommt der Deal letztendlich zustande?

Bild 1: Die Newport Wafer Fab.
Bild 1: Die Newport Wafer Fab.
(Bild: Nexperia)

Erst kürzlich wurden für den Excellenzcluster für Verbindungshalbleiter (GaN-auf Silizium) am Standort durch die EU mit 1,75 Mrd. Euro Fördermittel genehmigt. Auch die britische Regierung steckte Geld in die Entwicklung der GaN-Expertise.

Obwohl es viele Gegner des Deals mit den Chinesen gibt, soll es Großbritannien bisher abgelehnt haben, die Übernahme zu verhindern. Über die Einzelheiten des Kaufs wurde nichts bekannt, unbestätigten Informationen zufolge sollen aber 87 Mio. US-Dollar gezahlt worden sein. Die Fabrik firmiert nun unter Nexperia Newport.

Berichten zufolge könnte die Produktion von Verbindungshalbleitern in einem leeren Gebäude auf dem Campus in britischem Besitz unter der Regie von Drew Nelson weitergeführt werden.

Die Übernahme sei eine großartige Nachricht für die Mitarbeiter in Newport und andere Unternehmen in der Region, da Nexperia dringend benötigte Investitionen tätige und für Stabilität in der Zukunft sorge, erklärt Paul James, Operations Director des Werks in Newport. Man freue sich, weiterhin einen Beitrag zum lokalen Ökosystem leisten zu können.

Expertise bei Verbindungshalbleitern geht nach China

Experten erwarten, dass Nexperia/Wingtech den GaN-on-Si-Prozess von NWF in eine 300-mm-Wafer-Fabrik in Shanghai überführt, die von der chinesischen Regierung finanziert wird. Wingtech kündigte im April an, 1,8 Mrd. US-Dollar in den Bau einer Fabrik für Leistungshalbleiter zu investieren, als Teil eines nationalen Plans zur Produktion von Komponenten für Elektrofahrzeuge.

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