Nächste Übernahme in der Chipbranche: Kauft Marvell Konkurrent Cavium?

| Redakteur: Michael Eckstein

Auf einen Schlag: Durch die Übernahme von Cavium würde Marvell einen Fuß in den Cloud-Computing-Markt bekommen.
Auf einen Schlag: Durch die Übernahme von Cavium würde Marvell einen Fuß in den Cloud-Computing-Markt bekommen. (Bild: clipdealer)

Nach ersten Gerüchten Anfang des Monats verdichten sich die Hinweise, dass Controller-Spezialist Marvell Wettbewerber Cavium übernimmt. Mit dem erlangten Prozessor-Knowhow könnte sich Marvell besser gegen Branchengrößen wie Intel behaupten.

Die Zeit der Mega-Merger in der Technologiebranche ist offenbar noch lange nicht vorbei: Wie mehrere Nachrichtendienste berichten, plant Halbleiterhersteller Marvell Technology die Übernahme seines Konkurrenten Cavium zum Preis von rund sechs Mrd. Dollar – das entspricht ca. 5,93 Mrd. Euro. Branchengrößen wie Intel oder Broadcom würde damit auf einen Schlag ein gewichtiger Konkurrent gegenüber stehen.

Bereits Anfang des Monats hatte das Wall Street Journal und das Handelsblatt über mögliche Fusionspläne berichtet, jetzt verdichten sich die Hinweise auf eine tatsächliche Übernahme. Noch an diesem Montag soll das Geschäft publik gemacht werden, berichten mehrere Nachrichtendienste wie Reuters, dpa und Bloomberg übereinstimmend.

Börsenwert beider Unternehmen ist gestiegen

Marvells Angebot bewertet Cavium mit etwa 80 Dollar je Aktie, berichtet das Wall Street Journal – ein Plus von knapp fünf Dollar gegenüber dem Börsenschlusspreis von Freitag. Seit Anfang des Monats ist der Wert von Cavium um ca. 17 Prozent gestiegen. Marvells Wert ist seit Jahresanfang um fast 46 Prozent gestiegen auf rund 10 Mrd. Dollar. Das Geschäft will Marvell der Zeitung zufolge je zur Hälfte in Aktien und in bar begleichen.

Damit folgt Marvell dem Trend zur Bildung neuer Technologieriesen und zur Konsolidierung in der Halbleiterindustrie: Erst vor rund drei Wochen hatte Broadcom Konkurrent und Mobilfunk-Chipgröße Qualcomm für 130 Mrd. Dollar kaufen wollen. Qualcomm lehnt bislang den Deal ab und versucht seinerseits den niederländischen Halbleiterspezialisten NXP zu kaufen.

Einstieg ins Cloud-Computing

Cavium ist auf Netzwerkprozessoren spezialisiert – und einer der Hersteller, die mit ARM-basierten Produkten in den bislang von Intels x86-Architektur beherrschten Markt für Server-Mikroprozessoren vordringen wollen. Mitte November hatte Supercomputer-Hersteller Cray eine Partnerschaft mit Cavium angekündigt. Dessen ARMv8-basierte 64-Bit-Prozessorreihe ThunderX2 soll in den HPCs (High Performance Computing) der XC50-Reihe eingesetzt werden, die zu den leistungsfähigsten Supercomputern der Welt zählen. Bislang hält Intel laut Bloomberg im Server-Markt einen Marktanteil von 99 Prozent.

Marvell hingegen ist bekannt für Swtiching-Chips und Festplatten-Controller – ein Markt mit begrenzten Wachstumsperspektiven, auf den zunehmend andere Speichertechnologien drängen. Die Übernahme von Cavium würde für Marvell-CEO Matthew J. Murphy der bislang größte Deal sein, seit er seine Position im letzten Jahr übernommen hat. Ein Zusammenschluss könnte Kostensynergien mit sich bringen, außerdem könnte sich das Unternehmen besser gegen Branchengiganten wie Intel und Broadcom behaupten.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45011931 / Mikrocontroller & Prozessoren)