Nationales Forum Diesel Nachrüstung von fünf Mio. Diesel-Pkw

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Was hatten die Politiker parteiübergreifend im Vorfeld des Diesel-Gipfels nicht alles gefordert: Es dürfe keinen Kuschelkurs mehr geben, eine gerechte Bestrafung müsse her und Fahrverbote könne man auch nicht ausschließen. Es schien jedes Maß verloren gegangen zu sein. Nun zeigt sich aber: Der Herr im Hause sind die Autobauer.

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Die Politik fest im Blick: Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VdA), BMW-Boss Harald Krüger, Daimler-CEO Dieter Zetsche, und Volkswagen-Chef Matthias Müller.
Die Politik fest im Blick: Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VdA), BMW-Boss Harald Krüger, Daimler-CEO Dieter Zetsche, und Volkswagen-Chef Matthias Müller.
(Bild: Axel Schmidt/POOL/dpa)

Mehr als fünf Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen. Darin enthalten sind 2,5 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, für die schon Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) als ein Ergebnis des Dieselgipfels mit Bund und Ländern am Mittwoch in Berlin mit. Es handele sich um Fahrzeuge der Emissionsklasse Euro 5 und teilweise Euro 6.

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Ziel sei eine durchschnittliche Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent der nachgerüsteten Fahrzeuge. Studien zeigten, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote, hieß es beim VDA.

Angeboten werden die Nachrüstungen von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen. Für die Halter würden keine Kosten entstehen. Die Aktion soll auch keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben.

Die Automobilindustrie sei sich bewusst, dass sie erheblich an Vertrauen verloren habe, teilte der VDA weiter mit. Man müsse und werde daran arbeiten, dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Das sei ein Kernanliegen der Branche – im eigenen Interesse, im Interesse der Kunden und Beschäftigten sowie im Interesse des Landes.

Prämie für alte Diesel-Fahrzeuge

Über diese Maßnahmen hinaus gewähren die Autobauer zum Teil Sonderkonditionen für alte Diesel-Fahrzeuge. BMW bereitet beispielsweise EU-weit eine zunächst bis zum 31. Dezember 2017 befristete Sonderaktion zur Flottenverjüngung und der damit verbundenen positiven Wirkung auf Ressourcen, Klima und Umweltqualität vor.

Für Halter von Dieselfahrzeugen mit Euro 4 Abgasnorm oder älter, die ihren Wagen beim Händler in Zahlung geben, gibt es modellabhängig eine Umweltprämie von bis zu 2.000 Euro beim Erwerb eines BMW oder MINI Neuwagens, wenn dieser ein BMW i3, ein Plug-in-Hybrid oder ein Euro 6 Neufahrzeug (Erstzulassung) mit einem CO2-Wert von maximal 130 Gramm pro Kilometer (im NEFZ) ist.

Die Sonderaktion soll kurzfristig noch im August beginnen. Die Prämie wird nicht verrechnet mit anderen bestehenden staatlichen Kaufanreizen wie beispielsweise dem aktuell in Deutschland angebotenen Umweltbonus beim Kauf von elektrifizierten Fahrzeugen, sondern gilt zusätzlich.

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