CES 2019: Das waren die Highlights der Technik-Messe

| Autor / Redakteur: SZ.de / Julia Schmidt

Harley Davidson zeigte auf der Technik-Messe CES sein erstes Elektro-Motorrad. Das Modell LiveWire kommt von null auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) in 3,5 Sekunden und ist ab knapp 30 000 Dollar (gut 26 000 Euro) zu haben.
Harley Davidson zeigte auf der Technik-Messe CES sein erstes Elektro-Motorrad. Das Modell LiveWire kommt von null auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) in 3,5 Sekunden und ist ab knapp 30 000 Dollar (gut 26 000 Euro) zu haben. (Bild: Andrej Sokolow/dpa)

Ein intelligenter Koffer, ein Brotback-Roboter und ein kletternder Krankenwagen wie aus "Star Wars": Die irrsten und spannendsten Entwicklungen der Technik-Messe CES aus Las Vegas im Überblick.

Man muss sich die Technikmesse CES in Las Vegas vorstellen wie eine Mischung aus Hamburger Fischmarkt, LSD-Trip, Odysseus' Fahrt entlang der Sirenen-Inseln und dem dritten Kreis der Hölle aus Dantes Inferno: Leute mit dem Mitteilungsbedürfnis von "Aale-Dieter" stehen vor blinkenden und lärmenden Ständen und erklären einem mit verführerischer Stimme, warum ihr Produkt die Welt verändern wird. Sie machen das so lange, bis der Besucher erschöpft aufgibt und zustimmt - oder sie das nächste ahnungslose Opfer vorbeischlendern sehen.

4500 Aussteller gab es in diesem Jahr auf der CES, sie alle versprechen eine Verbesserung der menschlichen Existenz und lebensverlängernde Maßnahmen für den Planeten. Doch welche Produkte taugen wirklich etwas? Welche basieren auf einer grandiosen Idee, sind jedoch eher nicht massentauglich? Und welche sind einfach nur kreativer Krempel? Ein Überblick.

Der intelligente Koffer

Was ist es? Wäre es nicht toll, wenn man seinen Koffer nicht mehr selbst ziehen, schleppen oder heben müsste, weil einem das Ding selbstrollend durch Bahnhof oder Flughafen folgt? Das chinesische Unternehmen Ovis hat Geräte entwickelt, die dem Menschen bei den nervigsten und haltungsschädlichsten Tätigkeiten helfen sollen: einen autonomen Rasenmäher etwa, oder einen Rollwagen, der automatisch von einem Ort zum anderen fährt und schon von Logistikkonzernen wie DHL eingesetzt wird. Für den gestressten Vielreisenden gibt es nun den Ovis Suitcase im Handgepäckformat, von dem die Firma verspricht, dass er seinem Herrchen vier Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Stundenkilometer folgen kann. Ein kleiner Selbstversuch ergibt: Es funktioniert, allerdings nimmt der Koffer wenig Rücksicht auf Mitreisende, denen er gerne vor die Füße fährt.

Was wird es? Eine Hilfe für gut betuchte Vielreisende, weil der Koffer 799 US-Dollar kosten soll.

Engenius Wifi 6

Was ist es? Man kennt das als technikaffine Familie: Es ist Feierabend, Zeit für ein Videotelefonie-Bier mit dem besten Freund. Die Ehefrau will ihre Lieblingsserie auf einem Streamingportal gucken, die Tochter hört auf ihrem Computer Musik im Internet und vertreibt sich auf dem Handy die Zeit in sozialen Netzwerken, der Sohn will online ein Videospiel zocken. Plötzlich: Panik! Geschrei! Tumult! Wegen der gleichzeitigen Nutzung vieler Geräte wird die Internetgeschwindigkeit schrecklich langsam. Mit dem Wifi 6, so verspricht es das US-Unternehmen Engenius, werden Störungen in Privatwohnungen und Büros behoben und Geschwindigkeitsverluste vermieden.

Was wird es? Ein Hit, weil 200 US-Dollar ein recht geringer Preis dafür sind, dass alle Angestellten oder alle Familienmitglieder mit Hochgeschwindigkeit surfen können.

Der Brot-Backroboter

Was ist es? Abends, auf dem Weg vom Büro nach Hause. Was fehlt? Klar, wie immer: Brot! Aber deshalb noch einmal den Umweg in die Bäckerei machen, um dann doch nur einen bereits am Morgen gebackenen Laib oder irgendein Retorten-Gebäck zu bekommen? Es gibt nun eine Maschine namens Bread Bot, in etwa so groß wie drei Telefonzellen, in der automatisch Teig geknetet und Brot gebacken wird, 235 Stück pro Tag, für Herstellungskosten von weniger als 75 Cent pro Laib. Die frischen Backwaren werden in der Maschine vom durchsichtigen Ofen auf kleine Plattformen in der Maschine gehievt und dort direkt am Automaten verkauft.

Was wird es? Es hat das Potenzial für einen wahnwitzigen Erfolg - wenn der amerikanische Hersteller Wilkinson Baking Company seine Automaten entgegen der derzeitigen Planung anstatt nur in Supermärkten auch in größeren U-Bahn-Stationen und an wichtigen Bushaltestellen aufstellt.

Der ausrollbare Fernseher

Was ist es? Wonach würde das Wohnzimmer ausgerichtet, wenn es keine Fernseher mehr gäbe? Nachdem Streamingportale schon dafür gesorgt haben, dass die Menschen ihre Abendplanung nicht mehr ans TV-Programm anpassen, wagt der südkoreanische Hersteller LG Electronics nun das nächste, durchaus philosophische Experiment: Der Fernseher verschwindet aus dem Alltagswohnzimmer: Der Oled TV R wird nur dann ausgerollt, wenn man ihn braucht - wie früher die Dia-Leinwand.

Was wird es? Der erste Schritt zu einem neuen Wohnzimmerdesign.

Die Zehn-Sekunden-Zahnbürste

Was ist es? Zähneputzen, drei Minuten. Diese Formel, die fast jeder als Kind eingebläut bekommen hat, soll irgendwann Geschichte sein. Die Y-Brush benötigt angeblich nur zehn Sekunden für das Säubern der Zähne. Fünf Sekunden für die obere Zahnreihe, fünf für die untere. Dazu verteilt der Nutzer herkömmliche Zahncreme auf einem halbkreisförmigen Mundstück, steckt es sich in den Mund und drückt einen Knopf auf dem Griff. Fertig. Das französische Unternehmen Fasteesh ist nicht das einzige mit dieser Idee. Auch die Amabrush verspricht Zähneputzen innerhalb von zehn Sekunden. Allerdings müssen Kunden für dieses Modell die Zahnpasta in Kapseln beim Hersteller selbst erwerben. Offensichtlich hat sich da jemand vom Geschäftsmodell einiger Kaffeeunternehmen inspirieren lassen.

Was wird es? Könnte ein Erfolg werden - nicht nur bei Kindern. Man stelle sich vor, welch tolle Taten man in den gewonnen freien Minuten vollbringen könnte.

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