Nun auch Probleme in Hessen

Digitalfunk-Geräte gefährden deutsche Sicherheitskräfte

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Was als großer technischer Fortschritt angepriesen wurde, entpuppt sich als Sicherheitsrisiko: Medienberichte sprechen unter anderem von minutenlangen Totalausfällen.
Was als großer technischer Fortschritt angepriesen wurde, entpuppt sich als Sicherheitsrisiko: Medienberichte sprechen unter anderem von minutenlangen Totalausfällen. (Bild: Gemeinfrei / CC0)

Was als technischer Fortschritt angepriesen wurde, entpuppt sich als Sicherheitsrisiko: Immer mehr Bundesländer rüsten ihre Polizei mit digitalen Funkgeräten aus, doch statt einer reibungslosen Kommunikation gibt es minutenlange Totalausfälle. Schuld sind fehlende Absprachen bei der Planung.

Die digitalen Funkgeräte der Polizei kommen nicht zur Ruhe. Dieser Satz mag vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme als zynisch empfunden werden: Denn statt einer klaren und deutlichen Verbindung sind die Einsatzkräfte teilweise nicht erreichbar.

Das Problem tritt speziell dann auf, wenn eine größere Menge an Beamten am selben Einsatzort ist. Auch Stahl und Betonwände blockieren die Verbindung. Die aktuellsten Meldungen kommen aus Hessen, doch auch Bayern und Berlin, um nur zwei weitere Beispiele zu nennen, hadern mit der Technik.

In Hessen gibt es nach Informationen der BILD-Zeitung Berichte über Totalausfälle, die neben den oben genannten Punkten auch durch das Wetter hervorgerufen werden. Bei Regen ist bereits mehrfach eine erhöhte Ausfallquote registriert worden.

In Bayern sorgten die Digitalgeräte hingegen bereits im vergangenen Jahr sogar für einen Eklat. Während des Amoklaufs am Münchener „Olympia-Einkaufszentrum“ waren viele Einsatzkräfte minutenlang nicht erreichbar. Darunter soll sich nach Informationen des Bayerischen Rundfunks auch der „Höhere Beamte vom Dienst“ (HVD) befunden haben. Das Ganze passierte, als der Täter noch flüchtig war.

In der Notsituation mussten die Beamten auf Ihre privaten Handys ausweichen, was jedoch nur bis zum Zusammenbruch des Mobilfunkanbieters funktionierte. Seitens der Politik kam es dennoch zu keinem Schuldeingeständnis. Der bayerische Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) verteidigte gegenüber dem BR den Digitalfunk als ein „ganz tolles Einsatzgerät“.

Der zu erwartende Widerspruch kam von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Der Münchner Bezirksvorsitzende Jürgen Ascherl äußerte sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass dies kein Einzelfall gewesen sei und ihm bereits mehrfach Beschwerden zugetragen worden seien. Am Münchener Flughafen könne beispielsweise nicht von einem Terminal zum nächsten gefunkt werden.

Die Verlässlichkeit der Digitalfunk-Geräte ist demnach so unzureichend, dass Beamte teilweise zur Absicherung bis zu drei Stück mitnehmen. Mindestens ein Derivat ist immer noch mit analoger Technik versehen. Eine schnelle Lösung des Problems ist bisher nicht in Sicht.

Wie die Stadtwerke München im Gespräch mit der SZ mitteilten, seien diese nicht in die Planungen des Innenministeriums eingebunden gewesen, weshalb es nun in vielen Gebäuden zu einem Totalausfall komme. Noch immer seien in München, neben der U-Bahn, ca. 200 Gebäude übrig, die für die digitalen Geräte nachgerüstet werden müssten.

Bereits im Jahr 2006 sollten bundesweit im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft sämtliche Polizeikräfte mit digitalen Funkgeräten ausgerüstet werden. Doch es kam zu Verzögerungen und einer Kostenexplosion. Beispiel Bayern: Die geplanten Aufwendungen erhöhten sich um mehrere hundert Millionen Euro, sodass am Ende ein Gesamtbetrag von einer Milliarde Euro stand.

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Wenn der Staat für seine BOS-Kräfte an der falschen Stelle spart, können ca. 4.500...  lesen
posted am 10.02.2017 um 14:47 von Unregistriert

Hut ab! wirklich mit Fakten recherchiert.  lesen
posted am 09.02.2017 um 13:28 von Unregistriert


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