Umweltschutz Nachhaltigkeit beginnt bei Dir – jeder kann beitragen

Ein Gastbeitrag von Dieter G. Weiss*

Die Industrie muss nicht auf Beschlüsse der Politik warten, sondern kann und sollte selbst entscheiden, was sie beitragen kann, um unsere Umweltprobleme zu reduzieren.

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EMS-Marktforscher Dieter G. Weiss appelliert an die Verantwortung der Elektronikindustrie und ihrer Menschen.
EMS-Marktforscher Dieter G. Weiss appelliert an die Verantwortung der Elektronikindustrie und ihrer Menschen.
(Bild: headshots.de / Weiss Engineering)

Wir müssen begreifen, dass nachhaltiges Handeln zum Wohle der Umwelt bei uns selbst beginnt. Es ist zwar richtig, dass 60 Prozent des CO2-Ausstoßes in China stattfindet, aber falsch, deswegen nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, um damit das eigene Nichtstun zu rechtfertigen. Wir alle haben es in der Hand, selbst einen Beitrag zu leisten und sei er noch so klein.

Das beginnt damit, dass wir umdenken müssen, was die Produktion von Produkten für unseren Heimatmarkt betrifft. Die Entscheidung von vor 30 Jahren, unter anderem stark forciert durch ein amerikanisches Beratungsunternehmen, um jeden Preis den billigsten Produktionsstandort zu wählen, muss heute als kurzsichtige Dummheit bezeichnet werden.

Welchen Sinn hat es, anschließend die Produkte um die halbe Welt zu transportieren, um sie zum Endkunden zu bringen? Regionalisieren wir die Elektronikproduktion, produzieren also dort, wo das Produkt benötigt bzw. vermarktet wird. Dies ist nicht teurer, sondern teilweise sogar preiswerter und auf jeden Fall aufgrund der derzeitigen regionalen Produktionsstörungen und unsicherer Transporte zuverlässiger.

Zudem ist es erforderlich bei der Elektronik Entwicklung umzudenken. Jedes Produkt hat ein Lebensende. Und dann? Wir lesen gelegentlich von Recycling Initiativen und was aus dem Elektronikschrott an Metallen rausgeholt wird. Wir sollten uns dabei nicht belügen. Recycling von Metallen findet heute nur statt, wenn der Verkaufserlös der Metalle höher ist als die Kosten des Recyclings.

Im Übrigen besteht Elektronikschrott nicht nur aus Metallen sondern auch aus vielen anderen organischen und anorganischen Stoffen (z.B. Epoxidharzen, Thermoplasten, Glasgewebe etc.). 2019 wurde in den EU-Ländern lediglich eine Sammelquote von Elektro-/Elektronik-Altgeräten von 44,3% erreicht. Wo ist der Rest geblieben und wie hoch ist der Rücklauf von Altgeräten im Rest der Welt?

Was kann jeder Einzelne tun?

Lassen Sie uns bei der Elektronikentwicklung nicht davon leiten, wieviel Platz für die Elektronik im Gehäuse ist, sondern wie wir die Elektronik möglichst kompakt und klein gestalten können. Miniaturisierung hat jede Menge technischer Vorteile und wir sollten den Umweltaspekt endlich mitberücksichtigen. Wenn eine Leiterplatte anstatt 1,5mm Dicke nur noch 0,71mm dick ist, wird 50 Prozent Basismaterial eingespart. Wenn die Schaltungen nicht mehr mit 300µm bzw. 150µm Leiterbreiten und Abständen designt werden, sondern mit 75µm oder 50µm und gleichzeitig auch bei der Wahl der Bauteile entsprechend kleinere Bauformen bevorzugt werden, dann wird auch die Baugruppe in x/y-Richtung kleiner.

Allein dadurch entsteht 50 bis 75 Prozent weniger Elektroschrott. Entwickelt man die Baugruppe so, dass sie nur noch aus einer Leiterplatte mit entsprechender Schaltungsdichte entwickelt wird, spart man zusätzlich jede Menge Stecker ein. Zudem sind viele Schalter ein Relikt des letzten Jahrtausends.

Bedienfunktionen lassen sich heute über Touch-Displays oder Spracherkennung ansteuern. Suchen Sie nach Möglichkeiten Miniaturisierung umzusetzen und damit ein komplett neuartiges Produkt zu entwickeln, welches einerseits den Materialanteil reduziert, andererseits neue Funktionen möglich macht und einen Wettbewerbsvorteil erzielt.

Die ersten Mobiltelefone hatten die Größe von Ziegelsteinen und konnten ausschließlich telefonieren. Das dünne, leichte Mobilgerät in Ihrer Hosentasche telefoniert zwar immer noch, ist aber im Wesentlichen ein handtellergroßer Computer. Dank gezielter Entwicklung konnten die Geräte verkleinert und leistungsfähiger gemacht werden. Leider hat dies jedoch keinen wirklichen Umweltvorteil gebracht, da Apple und andere Hersteller gleichzeitig durch gezieltes Marketing dem Konsumenten vorgaukeln, er brauche jedes Jahr ein neues Smartphone.

* Dieter G. Weiss von in4ma ist EMS-Marktforscher und analysiert seit vielen Jahren die Europäische EMS-Industrie.

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