Möglicher Verkauf von Toshiba Nach Übernahmeangebot: Toshiba-Chef tritt überraschend ab

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Der europäische Investor CVC Capital Partners will den japanischen Traditionskonzern Toshiba übernehmen. Das sorgt offenbar für Wirbel im Vorstand: Konzernchef Nobuaki Kurumatani – früher selbst für CVC tätig – ist zurückgetreten, sein Nachfolger ist Toshiba-Urgestein Satoshi Tsunakawa.

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Bauchladen: Toshibas Portfolio ist sehr breit, die Komponenten und Lösungen des japanischen Konzerns kommen in ganz unterschiedlichen Anwendungen zum Einsatz. Nun steht das japanische Traditionsunternehmen zum Verkauf.
Bauchladen: Toshibas Portfolio ist sehr breit, die Komponenten und Lösungen des japanischen Konzerns kommen in ganz unterschiedlichen Anwendungen zum Einsatz. Nun steht das japanische Traditionsunternehmen zum Verkauf.
(Bild: Toshiba)

Eine Woche nach Bekanntwerden eines Übernahmeangebots für den japanischen Technologiekonzern Toshiba durch einen Finanzinvestor aus Europa ist Konzernchef Nobuaki Kurumatani überraschend zurückgetreten. Zu den Gründen machte das Unternehmen am Mittwoch keine Angaben. In einer Mitteilung hieß es lediglich, der Vorstand habe den mit sofortiger Wirkung geltenden Rücktritt akzeptiert.

Medienberichten zufolge ist es im Management zu einem Streit über die Übernahmeofferte des europäischen Finanzinvestors CVC Capital Partners gekommen. Dieser soll umgerechnet 21 Milliarden US-Dollar (17,7 Mrd. Euro) für Toshiba geboten haben, wie vergangene Woche bekannt geworden war. Unter Mitgliedern des Vorstands, aber auch unter Aktionären, werde die Offerte als zu niedrig angesehen, hieß es. Sie hofften auf ein höheres Angebot von anderen Investoren.

CVC-Offerte für Toshiba: Sind 21 Mrd. US-Dollar angemessen?

Der nun zurückgetretene Kurumatani war zuvor selbst für den Bieter CVC tätig und für den Asien-Pazifikraum zuständig. Zu seinem Nachfolger wurde Vorstand Satoshi Tsunakawa ernannt. Der 65-Jährige ist seit 1979 bei Toshiba.

Vergangene Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, es werde die CVC-Offerte sorgfältig prüfen. Nun hieß es, eine Bewertung des Angebots sei momentan nicht möglich. Ein möglicher Grund: Mittlerweile sind wohl weitere Angebote eingegangen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Die Beteiligungsgesellschaft KKR sowie der Finanzinvestor Brookfield Asset Management erwägen demnach ein Gebot für das Traditionsunternehmen. Zuvor hatte die „Financial Times“ über ein Interesse von KKR und Brookfield berichtet. Somit könnte ein Bieterwettstreit um den japanischen Technologiekonzern entbrennen.

Regierung müsste Verkauf genehmigen

Dem Bloomberg-Bericht zufolge könnte eine KKR-Offerte Toshiba dabei höher bewerten Angebot des Finanzinvestors CVC Capital. Die Toshiba-Aktien legten zuletzt um knapp sechs Prozent zu. Seit der CVC-Offerte summieren sich die Gewinne auf gut ein Viertel.

Ein Verkauf des Traditionskonzerns dürfte noch einige Schwierigkeiten bereiten: Die Übernahme durch einen nicht-japanischen Bieter müsste unter Verweis auf die nationale Sicherheit von der Regierung in Tokio genehmigt werden. Da Toshiba in strategischen Bereichen wie Rüstung und Atomkraft stark ist, würde eine solche Transaktion sehr sorgfältig unter die Lupe genommen.

Atomgeschäft und Bilanzskandal haben Toshiba schwer zugesetzt

Die 1875 gegründete Unternehmensgruppe gehört zu den bekanntesten Namen der japanischen Wirtschaft. Ein desaströser Ausflug in das US-Atomkraftgeschäft und ein Bilanzskandal hatten Toshiba jedoch Mitte des vergangenen Jahrzehnts an den Rand des Abgrunds gebracht.

Nach dem Skandal – laut einer Untersuchungskommission hatte der Konzern den Nettogewinn sieben Jahre lang durch Bilanztricksereien aufgebläht – und der Insolvenz von Westinghouse Electric in den USA schrieb das einstige Vorzeigeunternehmen hohe Verluste. Es folgte eine harte Sanierung, in deren Zuge die lukrative Speichersparte Toshiba Memory unter dem Namen Kioxia ausgeliedert wurde.

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