IEC 61810-1 und UL 61810-1

Nach der Norm ist vor der Norm – Neues aus der Relaisnormung

| Autor / Redakteur: Christoph Oehler * / Kristin Rinortner

Relaisnormung: Seit August sind IEC 61810-1 und UL 61810-1 harmonisiert. Mit dieser einheitlichen Prüfgrundlage können Relaishersteller ihre Produkte für den internationalen Markt einfacher entwickeln und vermarkten.
Relaisnormung: Seit August sind IEC 61810-1 und UL 61810-1 harmonisiert. Mit dieser einheitlichen Prüfgrundlage können Relaishersteller ihre Produkte für den internationalen Markt einfacher entwickeln und vermarkten. (Bilder: Panasonic)

Die Relaisnormung steht vor einem neuen Kapitel. Seit diesem Jahr sind die internationale Relaisnorm (IEC 61810-1) und die US amerikanische Prüfgrundlage (UL 61810-1) erstmals harmonisiert veröffentlicht.

Betrachtet man heute ein Relais genauer, findet man darauf häufig verschiedene Prüfzeichen wie z.B. von TÜV, VDE, UL, CSA. Sie bezeichnen, dass die Sicherheit der Produkte von einem unabhängigen Prüfinstitut nachgewiesen wurde. Die Grundlage dieser Prüfzeichen ist typischerweise eine nationale Prüfnorm (DIN/VDE in Deutschland, UL in USA, CSA in Kanada etc.).

Für elektromechanische Relais ist in Deutschland wie in den anderen europäischen Ländern und auch einigen außereuropäischen Ländern nun die nationale Norm identisch mit der internationalen Norm IEC 61810-1 (Electromechanical Elementary Relays – Part 1: General and safety requirements).

In Amerika bestehen jedoch unabhängige nationale Normen, die US amerikanische UL 508 und die Kanadische CSA C22.2.

Dies führt dazu, dass ein Relaishersteller für die internationale Approbation eines Produktes typischerweise zu verschiedenen Prüfinstituten gehen muss und das Produkt folglich auch zum Teil technisch unterschiedliche, jedoch im Wesentlichen gleichwertige Prüfanforderungen erfüllen muss.

Ab diesem Jahr sind jedoch die Weichen dazu gestellt dies zu ändern. Am 1. August wurde in den USA die erste Prüfnorm für Relais basierend auf der IEC-Norm veröffentlicht. Damit einhergehend wird die heute anzuwendende UL 508 in naher Zukunft nicht mehr zur Relaisprüfung herangezogen werden können. Wie es dazu kam, wie die Situation heute ist und was für die Zukunft zu erwarten ist, soll hier erklärt werden.

UL 61810-1 löst die UL 508 für Relais ab

Im Jahr 2011 wurden die Relaishersteller durch die Nachricht von UL überrascht, dass die bis dahin notwendige Zertifizierung nach UL 508 künftig nach der relativ neu mit IEC harmonisierten UL 60947-4-1A (Low Voltage Switchgear and Controlgear – Part 4-1: Contactors and motor-starters-Electromechanical contactors and motor starters) erfolgen sollte. Und dies mit einem durchaus strammen Zeitplan. Schon ab Januar 2012 hätten keine neuen Prüfungen nach UL 508 für Relais mehr genehmigt werden sollen und ab Januar 2017 wären alle Zulassungen nach UL 508 für Relais ungültig geworden.

Dadurch wäre aber eine Doppelnormung mit teils unübersehbaren Konsequenzen entstanden, weil identische Produkte in Europa nach IEC 61810-1 zu prüfen gewesen wären und in den USA basierend auf der IEC 60947. Um dies zu vermeiden und insbesondere eine daraus folgende Verunsicherung des Marktes zu verhindern, wurde von verschiedenen Seiten dagegen vorgegangen.

Ergänzendes zum Thema
 
Originalbeitrag als ePaper oder im pdf-Format lesen

Dazu mussten in den USA erst einmal UL und ANSI überzeugt werden, dass die IEC 60947-4-1 für Relais nicht die geeignete Prüfgrundlage ist. Zum Beispiel beinhaltet die Vorgabe keine Prüfungen, die die Sicherheit von Leiterplattenrelais sicherstellen oder stellt – typisch für die Anwendung von Schützen – hohe Anforderungen an die Kurzschlussfestigkeit der geprüften Bauteile, die von den meisten elektromechanischen Relais in keiner Weise eingehalten werden können.

Nach einigen Diskussionen war dieses gemeinschaftliche Verständnis erreicht, aber es musste selbstverständlich auch „Ersatz“ geschaffen werden. Der Schritt zurück zur UL 508 stellte für keine Partei eine Alternative dar, u.a., da von UL versucht wird, möglichst viele Einzelprodukte aus der UL 508 herauszulösen. Folglich war die naheliegende Lösung eine neue – IEC basierte – Norm UL 61810-1 zu schaffen, also eine Einbettung der US amerikanischen Anforderungen in die IEC 61810-1.

Um dies zu bewerkstelligen, versuchte man genügende Interessierte mit ins Boot zu holen, um unter Federführung von UL das IHC 61810-1 (International Harmonization Committee) zu gründen, welches in Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Technischen Komitee der IEC (TC 94) die Erstellung der Norm übernimmt.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43645843 / Schalter & Relais)