Elektromobilität Mythos und Wahrheit rund um Elektroautos

Redakteur: Margit Kuther

Bei der Debatte um das Für und Wider von E-Autos haben sich viele Mythen um das Thema gebildet. Reichelt Elektronik ist diesen in einer Umfrage auf den Grund gegangen und wagt einen Zukunftsblick für Elektromobilität in Deutschland.

Firmen zum Thema

Reichelt Umfrage: 62 Prozent der Teilnehmenden erwägten, sich ein Elektroauto anzuschaffen.
Reichelt Umfrage: 62 Prozent der Teilnehmenden erwägten, sich ein Elektroauto anzuschaffen.
(Bild: Reichelt Elektronik)

Trotz teils heftiger Kritik am Batterieeinsatz bei Elektroautos nimmt das das E-Auto an Fahrt auf. Die Zahl neu zugelassener Elektroautos in Deutschland steigt und führt zu einer kontroversen Diskussion: Für die einen sind E-Autos ein nicht ausgereifter Trend. Für die anderen verkörpern Elektroautos einen notwendigen Schritt, um die CO2-Bilanz zu senken.

Insgesamt noch wenig Elektroautos

Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurden letztes Jahr 194.000 rein batterieelektrische Fahrzeuge zugelassen, so viele wie nie zuvor. Im Vergleich zu 2019 entspricht das einer Verdreifachung der Zulassungszahlen. Auch für 2021 zeichnen sich neue Rekordwerte ab. Trotz der hohen Zahlen, sollte beachtet werden, dass der Anteil der reinen Elektroautos am gesamten Fahrzeugbestand derzeit immer noch niedrig ist. 2020 stieg er zumindest von 0,5 auf 1,2 Prozent.

Warum umsteigen?

Über das internationale Umfrageinstitut OnePoll befragte Reichelt Elektronik 4.000 Personen aus Europa, davon 1.000 aus Deutschland zum Thema Elektroautos. 62 Prozent der Teilnehmenden zogen in Erwägung, sich ein Elektroauto anzuschaffen. Allerdings hat es sich in den Köpfen der Verbraucher fest verankert, dass das Elektroauto im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor wesentlich teurer ist. Entspricht das noch der aktuellen Lage? 51 Prozent der Befragten stimmen dem zu, denn für sie müsste der Anschaffungspreis sinken, bevor sie ein E-Auto kaufen würden. Tatsächlich ist es so, dass herkömmliche Fahrzeuge aktuell ohne eine Förderung noch günstiger sind als E-Autos. Es ist aber zu erwarten, dass die Anschaffungskosten dank sinkender Batteriepreise in den nächsten Jahren ebenfalls zurückgehen werden, sodass sich ein ähnliches Niveau einstellen dürfte.

Wer sich heute ein Elektroauto kauft, wird kurzfristig kaum Geld sparen. Doch für diese Käufer stehen andere Aspekte als monetäre Überlegungen bei der Kaufentscheidung im Vordergrund. Der Beitrag zum Umweltschutz ist für 51 Prozent Befragten der wichtigste Punkt, wenn es darum geht, auf ein Elektroauto umzusteigen. 33 Prozent bestätigen, dass die Kaufanreize der Bundesregierung für sie motivierend sind. 24 Prozent sehen Technikbegeisterung als wichtigen Grund an und würden auf ein Elektroauto umsteigen, um die Technologie zu fördern.

Auf der Suche nach der richtigen Ladelösung

Während es überall Tankstellen gibt, war der Mangel an Ladesäulen und die späte Investition in einen Netzausbau eine der größten Hürden für den bisherigen Erfolg von Elektroautos. Ist die Skepsis berechtigt und hält sich die Annahme, dass es zu wenig Ladestationen gibt, immer noch hartnäckig?

69 Prozent der Befragten sagen, dass die Ladesäulen in Deutschland tatsächlich noch nicht ausreichend flächendeckend verbreitet sind. Für 46 Prozent kommt der Kauf eines E-Autos nur infrage, wenn sich die Infrastruktur der Ladestationen verbessern würde. Außerdem ist der Planungsaufwand für die Nutzung öffentlicher Ladesäulen für viele eher ungewohnt und aufwändig (53%). Zusätzlich geben die Befragten an, dass der Ladevorgang zu lange dauert (64%) und die Ladekosten an den öffentlichen Ladestationen nicht transparent genug sind (52%).

Über eine Möglichkeit, ein E-Auto auf dem heimischen Parkplatz aufladen zu können, verfügen laut Umfrage nur 27 Prozent. Über ein Viertel der Befragten teilt mit, dass die Einrichtung oder das Nachrüsten einer heimischen Lademöglichkeit nur mit viel Aufwand wie der Verlegung eines neuen Stromanschlusses verbunden wäre.

Ausbau von Ladestationen erforderlich

Die Bedenken hinsichtlich der Ladelösung sind also kein Mythos. Die Bundesregierung reagiert darauf und plant mit der Förderinitiative „Ladeinfrastruktur vor Ort“ einen Ausbau öffentlicher Ladestationen auf Parkplätzen von Supermärkten, Hotels, Restaurants und Schwimmbädern. Auf diese Weise soll Menschen auch ohne eigene Ladestation ermöglicht werden, die Batterien leicht aufladen zu können. Außerdem soll dadurch das bestehende Ladenetz an die wachsende Anzahl an Elektrofahrzeugen angepasst werden, sodass keine Engpässe entstehen.

„Neben dem Ausbau öffentlicher Ladestationen, unterstützt der Bund seit Herbst 2020 Mieter, Eigenheimbesitzer und Vermieter finanziell beim Einbau privater Ladestationen, den sogenannten Wallboxen“, sagt Jan-Christoph Pakusa, Produktmanager bei Reichelt Elektronik. „Dadurch soll ein Teil der finanziellen Hürde genommen werden, wenn es darum geht, sich einen eigenen Ladepunkt zuzulegen und die Verbreitung der Ladestationen voranzutreiben.“

Aber bitte umweltfreundlich!

Noch mehr Diskussionsbedarf als die Ladestationen bietet der Akku, der in den Autos verbaut ist und den Strom für den Antrieb liefert. Ohne ihn geht nichts – er ist das Herzstück der Elektroautos. Von der Gewinnung der Rohstoffe über den Bau bis hin zum Recyclen könnte man an dieser Stelle viele Mythen aufzählen, die sich darum ranken. Die Skepsis, die über allen liegt, ist, ob das Elektroauto wirklich so umweltfreundlich ist, oder ob es schlussendlich an der Batterie scheitert. Auch die Umfrageteilnehmer identifizieren den Akku in folgenden Punkten als Schwachstelle des Elektroautos: So schädige der Abbau von Rohstoffen wie Lithium und Kobalt das Ökosystem (56%), Elektroautos würden mit fossilen Rohstoffen geladen (50%) und die Herstellung von E-Autos produziere bedingt durch die Akkuherstellung mehr CO2 als die Produktion von herkömmlichen Fahrzeugen (41%).

Fakt ist, dass für die Herstellung von E-Autos, besonders der Akkus, mehr Energie benötigt wird. Über den Lebenszyklus hinweg, verursacht ein Elektroauto aber 70 bis 90 Prozent weniger Emissionen. Dabei spielt es eine große Rolle, ob das Auto mit Ökostrom betrieben wird. 57 Prozent der Befragten geben deshalb an, dass mehr in den Ausbau von Solar- und Windenergie investiert werden muss.

Ist der Akku am Ende seines Nutzungswertes angelangt, kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt: der richtigen Entsorgung. Hierbei sehen die Verbraucher noch erheblichen Nachholbedarf – 55 Prozent sind der Meinung, dass dies eine Belastung für die Umwelt darstellt. Generell wird für die kommenden Jahre mit einem deutlichen Anstieg im Altbatterieaufkommen gerechnet.

Das Recycling von Fahrzeugakkus gilt aber mittlerweile als technisch machbar und wird industriell in Pilotanlagen umgesetzt. Dennoch steht es außer Frage, dass zum Akku noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und Handlungsbedarf besteht. Beim Gesamtvergleich im Hinblick auf die Umweltfreundlichkeit gewinnt das E-Auto das Rennen aber immerhin laut 47 Prozent der Befragten gegenüber einem konventionellen Auto. Bei allem Abwägen darf auch nicht außer Acht gelassen werden: Ein Elektroauto kann klimaschonend sein – das ist dem Verbrennungsmotor verwehrt.

Reichweitenangst ist überholt

In Sachen Reichweite haben Elektrofahrzeuge inzwischen stark aufgeholt. Dadurch konnten sie die Angst vieler Autokäufer zerstreuen, die befürchtet hatten, dass die Reichweite des Elektroautos für längere Strecken nicht ausreichen würde. Also handelt es sich dabei nicht mehr um einen Mythos? 52 Prozent der Befragten denken nach wie vor, dass Elektroautos eine zu geringe Reichweite haben. Aber bei durchschnittlichen 375 Kilometer genügt diese in der Regel für den alltäglichen Einsatz.

Auch Statista belegt dies: 2020 lag die durchschnittliche Reichweite aller verkauften Elektrofahrzeuge nach entsprechenden Herstellerangaben bei etwa 375 Kilometer, das ist eine Steigerung von durchschnittlich 108 Kilometern innerhalb von zwei Jahren. Bis zum Jahr 2025 soll die durchschnittliche Akkureichweite von Elektroautos sogar auf 784 Kilometer ansteigen. Bis es so weit ist, kann es sein, dass man für weitere Strecken wie die Urlaubsplanung nach geeigneten Ladestationen recherchieren muss. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten lassen sich aber auch schon leicht per App über das Smartphone mobile Ladestationen ausfindig machen.

Nachhaltige Akkus „Made in Germany“

Die Weiterentwicklung der Elektromobilität ist ein zukunftsweisendes Thema. 35 Prozent der Befragten sehen den asiatischen Raum momentan als Vorreiter der Technologie. Europa befindet sich mit 30 Prozent im Mittelfeld und USA bildet mit 20 Prozent das Schlusslicht. Ein Wendepunkt für Europa und speziell für Deutschland könnte die Einführung von nachhaltigen Akkus „Made in Germany“ sein. Bei diesen Akkus, wie es das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorsieht, wird der gesamte Lebenszyklus des Produkts betrachtet, wodurch nicht nur die Gewinnung der Rohstoffe, sondern auch deren Wiederverwendung in puncto Nachhaltigkeit in den Fokus rückt.

Damit bleibt der Akku, über den derzeit noch viel diskutiert wird, der Knackpunkt, wenn es darum geht, Elektromobilität nachhaltig auf die Straße zu bringen und sich von Verbrennungsmotoren endgültig zu verabschieden. Dann können auch die letzten Mythen rund um Elektrdeautos begraben werden. Doch wann werden die Menschen nur noch Elektroautos fahren? Im Durchschnitt gehen die Umfrageteilnehmer davon aus, dass das schon in 15 Jahren der Fall sein wird.

(ID:47394886)