Soziale Netzwerke Multimedia-Inhalte drahtlos austauschen

Autor / Redakteur: Stefan Steyerl* / Holger Heller

Durch die Einführung des MP3-Players „WiFi Zune“ von Microsoft erhält der Bereich „Social Networking“ weitere Dynamik. Potenzielle Kunden werden animiert , mit anderen Anwendern Musik, Fotos oder Videoclips über drahtlose WiFi-Verbindungen auszutauschen. Welche Technologie steckt dahinter?

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Der Begriff „Social Networking“ steht bereits seit einiger Zeit in direkter Verbindung mit dem Internet. Online-Netzwerke wie Xing, Classmates, Facebook, Friendster, Linkedin und MySpace verzeichnen große Erfolge und werden von vielen Menschen genutzt, um neue Freunde und Gleichgesinnte zu finden oder geschäftliche Beziehungen aufzubauen. Alleine bei MySpace sind laut MediaPost derzeit 45,5 Mio. Nutzer angemeldet. 160.000 kommen täglich hinzu.

Die soziale Netzwerktheorie existiert bereits seit 1954. Sie stellt soziale Beziehungen in Form miteinander vernetzter Knoten dar, wobei jeder Knoten einen individuellen Akteur eines Netzwerks symbolisiert. Angewandt auf die heutige Zeit gilt diese Definition nicht nur für soziale Online-Sites, sondern sie hat zunehmend Gültigkeit, um die gemeinsame Nutzung vernetzter Consumer-Elektronikgeräte zu beschreiben.

DBSN (Device-Based Social Networking) ist die Antwort der Industrie auf den Wunsch der Konsumenten, schnell auf Multimedia-Inhalte unterschiedlicher Kategorien zuzugreifen und diese mit anderen Nutzern ohne viel Aufwand zu teilen und auszutauschen. DBSN ist eine digitale Instantiierung von dem, was sozial interaktive Menschen seit jeher tun, um durch den Austausch persönlicher Eindrücke gegenseitig ihre Sinne zu stimulieren. Mit DBSN kann eine Person, die sich zum Beispiel gerade über einen bestimmten Song oder ein spezielles Video freut, digital die Aufmerksamkeit anderer Menschen wecken.

Der eindeutige Trend in der Elektronik besteht darin, dass Konsumenten von ihren vernetzten Geräten zunehmend die Integration technologischer Verbindungspunkte in soziale Netze erwarten, um sich dann genauso interaktiv und natürlich verhalten zu können wie die Menschen, mit denen sie ihre Eindrücke teilen möchten.

Digitale gerätebasierte soziale Netzwerke dehnen sich über den reinen Freizeitbereich und die Möglichkeiten des Austauschs privater Inhalte hinaus aus. Ähnlich wie E-Mail, SMS und professionelle Netzwerkanwendungen wird sich DBSN auch in Geschäftsanwendungen wie Verkaufssysteme, Workgroup Tools und anderen Anwendungen etablieren, bei denen der Austausch von Daten mit einzelnen Personen oder mit Nutzern vorteilhaft ist.

Auch der „Wikipedia-Effekt“ gilt für DBSN: So können Benutzer mit DBSN-Geräten eigene Kommentare abgeben und das Konsumverhalten oder Kaufentscheidungen anderer beeinflussen. Auch die Einbindung von Home Automation Nodes und Informationsgeräten in DBSN-Produkte wird angestrebt. Statt der sicheren Administration des Zugangs zu digitalen Inhalten könnten auf biometrischen Daten basierte digitale Sicherheitsmechanismen, implementiert in DBSN-Geräte, den sicheren und interaktiven Zugang zu Räumlichkeiten ermöglichen.

Reibungslose Kommunikation vorausgesetzt

Um DBSN erfolgreich in die Praxis umzusetzen, müssen alle Multimediageräte für den Consumer-Bereich reibungslos miteinander kommunizieren können und den Gedanken des Social Networking unterstützen. Dies bedeutet, dass in die Geräte Funktionen wie Multimediaverarbeitung (Media Processing), Kommunikation zwischen Geräten (Device-to-Device Communications), Multifunction-Device-Fähigkeiten und Vernetzbarkeit von Geräten mit dem Internet (Device-to-Internet Networking) sowie moderne Benutzeroberflächen implementiert werden müssen. Zugleich müssen DBSN-Geräte klein und einfach bedienbar sein, ein ansprechendes Design aufweisen und dürfen nur wenig Strom verbrauchen.

Die Verfügbarkeit aller erwähnten Funktionen sowie eine ausreichend hohe Rechenleistung sind entscheidend für den Erfolg von DBSN-Produkten. OEMs müssen besonders auf die interaktiven Eigenschaften ihrer Designs achten, da sich DBSN-Produkte nur dann an Endverbraucher verkaufen lassen, wenn sie einfach bedienbar sind und einen hohen Leistungsumfang bieten.

Viele der heute angebotenen Halbleiter-Plattformen verfügen nicht über ausreichend hohe Leistungsreserven und genügend Flexibilität, um sich als Verkaufsschlager für Social Networking durchzusetzen. Nicht programmierbare Ansätze verhindern bei vielen Geräten den erfolgreichen Einsatz als Social-Networking-Lösung, da sie nicht angepasst werden können und nicht mehrere Funktionen gleichzeitig ausführen.

Die Herausforderungen bei der gemeinsamen Nutzung von Multimedia-Inhalten und die Probleme, die DBSN beim elektronischen Handel zur sicheren Feststellung von Identitäten aufwirft, stellen hinsichtlich Rechenleistung auch an den Schutz digitaler Rechte (DRM) neue Anforderungen. Speziell in einer Welt mit Millionen von DBSN-Geräten erwächst die Notwendigkeit, die Identität dieser Geräte zu schützen. Dies gilt vor allem deshalb, weil Informationen und Kontent über ein Social Network mit beliebig vielen Nutzern offen und ohne Einschränkungen ausgetauscht werden kann.

Alleine das Thema Connectivity sorgt für zusätzliche Komplexität und verlangt zusätzliche Rechenleistung. Für den effizienten Austausch von Daten sowie zum Management der Netzwerkteilnehmer muss die Rechenleistung völlig neue Dimensionen erreichen.

Informationsaustausch bei hoher Rechenleistung

Entscheidend ist auch, dass die Mensch-Maschine-Schnittstelle (MMI) – die Verbindung zwischen DBSH-Gerät und dem Teilnehmer eines sozialen Netzwerks – den Anwendern die einfache Nutzung von Elektronik, Kommunikationsfunktionen und komplexen Mechanismen zum Austausch von Informationen ermöglicht.

Das Ziel besteht darin, seinen virtuellen Gegenüber mit einem einzigen Knopfdruck auf ein bestimmtes Ereignis hinweisen zu können. Denn potenzielle DBSN-Kunden möchten sich statt mit Technologie lieber mit Funktionen beschäftigen, die sie auf einfache Weise zur Steigerung ihrer Lebensqualität nutzen können.

Dieses Szenario stellt für Entwickler, die Funktionen in Geräte integrieren und diese den Kunden anbieten, eine völlig neue Herausforderung dar. Die Produkte müssen daher sowohl technisch als auch sozial integriert sein. An die Rechenleistung und an die Art der Informationsverarbeitung stellen DBSN-Produkte somit ebenfalls völlig neue Anforderungen.

Die Blackfin-Prozessoren von Analog Devices (ADI) wurden im Hinblick auf das Design flexibler, multifunktionsfähiger Benutzeroberflächen entwickelt und ermöglichen die einfache Anbindung von Bauteilen wie etwa kapazitive Sensoren für berührungsempfindliche Bildschirme. Eine solche Lösung wäre die Grundlage für einen digitalen Bilderrahmen, der Teil eines Social Networks mit PC, Telefon und Digitalkamera ist.

Ein solcher vernetzter Bilderrahmen verlangt Rechenleistung für Authentifizierung, Connectivity, DRM und die eigentliche Multiformat-Display-Anwendung. Die Signalverarbeitungs- und Steuerungsfunktionen des Blackfins arbeiten dabei zusammen und ermöglichen die Entwicklung hochintegrierter DBSN-Lösungen mit Industriestandard-Schnittstellen (Bild 1).

Programmierbarkeit für Universalität

Um bei der Entwicklung von DBSN-Geräten alle Herausforderungen zu bewältigen, sind Processing-Fähigkeiten in einer Art erforderlich, die Blackfin-Prozessoren bereitstellen. Sie haben sich bei Entwicklern von PMPs und Internet-Radios etabliert. So ist z.B. die SoundBridge von Roku ein Blackfin-basiertes Social-Networking-Gerät, das es Nutzern erlaubt, Playlisten auszutauschen und Songs sowie Radiosender öffentlich zu bewerten. Auch in anderen Anwendungen werden Blackfins als Basis zur Verarbeitung von Multimedia-Inhalten sowie aufgrund ihrer Steuerungs- und Schnittstellenmöglichkeiten eingesetzt.

Bis heute begrüßen die Endverbraucher die Vorteile von Streaming Media. Der wahre Spaß wird in Zukunft jedoch darin bestehen, Multimedia-Inhalte in Echtzeit mit anderen auszutauschen. In Konsequenz bedeutet dies den Übergang zu einem Nutzungsmodell, bei dem Netzwerkverbindungen soziale Interaktionen vom Auto oder aus der Hand des Nutzers sowie von zu Hause aus ermöglichen.

Geräte mit fest vorgegebenen Funktionen sind dazu jedoch ungeeignet. Statt ihrer werden Geräte mit Prozessoren benötigt, die die erforderlichen Fähigkeiten per Softwareprogrammierung zur Verfügung stellen und auf Netzwerk-Konnektivität optimiert sind.

Außerdem müssen solche Prozessoren den Umgang mit reichhaltigem Multimedia-Kontent beherrschen und dürfen nur wenig Strom verbrauchen. Hinzu kommt, dass es sich bei der erforderlichen Universalität von DBSN-Verbindungen um eine evolutionäre Herausforderung handelt, die sich nur mit programmierbaren und deshalb adaptierbaren, erweiterbaren und transformierbaren Geräten bewältigen lässt.

Schlussendlich nutzen erfolgreiche DBSN-Produkte Software-Layer, die eine soziale Umgebung erzeugen, Social Networking ermöglichen und Nutzern den einfachen Umgang mit ihren digitalen Produkten erlauben.

*Stefan Steyerl ist Director CPSG Europe der DSP and Systems Product Divisionb bei Analog Devices in München.

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