Automotive-Vernetzung MOST150 macht Infotainment-Systeme noch leistungsfähiger

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

In Premiumfahrzeugen sind zur Vernetzung von Infotainment-Systemen immer höhere Bandbreiten gefragt. Das bislang eingesetzte MOST25 kann diese nicht mehr bieten – deshalb ist nun Zeit für MOST150.

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MOST150: Die jüngste Generation des Multimedia-Busstandards soll die Infotainment-Systeme zukünftiger Premiumfahrzeuge revolutionieren (Bild: MOST/Daimler)
MOST150: Die jüngste Generation des Multimedia-Busstandards soll die Infotainment-Systeme zukünftiger Premiumfahrzeuge revolutionieren (Bild: MOST/Daimler)

MOST ist der de-facto-Standard für die Vernetzung von Infotainment-Systemen in Premiumfahrzeugen. In Fahrzeugen der Daimler AG wird bereits seit zehn Jahren MOST25 mit einer Geschwindigkeit von 25 MBit/s eingesetzt. Da in gegenwärtigen Systemen die Bandbreite von MOST25 fast vollständig ausgelastet ist und immer neue Anforderungen an die nächste Generation von Infotainment-Systeme gestellt werden, war es jedoch notwendig, auf ein Netzwerk mit größerer Bandbreite umzusteigen.

MOST150 eröffnet neue Möglichkeiten

Aus diesen Gründen hat Daimler entschieden, MOST150 entsprechend der Spezifikation 3.0 als Basis für die nächste Generation seiner Infotainment-Systeme zu verwenden. Die von MOST150 bereitgestellte Bandbreite ermöglicht es, neue Funktionen wie den Zugriff auf Internetdienste sowie die steigenden Anforderungen an die Anbindung von mobilen Geräten aus der Unterhaltungselektronik zu realisieren. Zusätzlich wurde begonnen, Videoinhalte über MOST150 zu übertragen, um so separate Videoanschlüsse zu ersetzen. Die Bandbreite von MOST150 ermöglicht darüber hinaus ein System, bei dem von den verschiedenen Sitzplätzen aus unabhängig auf alle verfügbaren Audio- und Videoquellen zugegriffen werden kann.

Der MOST-Bus überträgt neben Steuerkommandos auch Audiodaten

In aktuellen Systemen ist die Head-Unit die Benutzerschnittstelle für den Fahrer und optional für den Beifahrer. Sie interagiert über den MOST-Bus mit verschiedenen Peripheriegeräten, etwa mit einem High-End-Audioverstärker oder einem länderspezifischen, digitalen Radio-Tuner. Der MOST-Bus wird sowohl zur Übertragung von Steuerkommandos als auch von Audiodaten eingesetzt, einschließlich des digitalen 5.1. Surround-Audio einer DVD. Zusätzlich werden immer mehr Daten über den asynchronen (Paket-)Kanal übertragen, um beispielsweise Metadaten für Musikstücke oder die Datendienste eines digitalen Broadcast-Systems bereitzustellen.

Vollwertiges Rear-Seat-Entertainment angebunden über MOST150

Das Rear-Seat-System ist zum großen Teil noch eigenständig und nicht über den MOST-Bus mit dem Rest des Systems verbunden. Die Anforderungen, die als Basis für den Entwurf der Architektur für die nächste Generation an Infotainment-Systemen zugrunde gelegt wurde, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Unabhängiger Zugriff auf Audio- und Videoquellen von allen Sitzen,
  • Zugriff auf Internetdienste und verbesserte Anbindung mobiler Geräte,
  • erhöhte Bandbreiten-Anforderungen für viele Funktionen.

Einbindung von Rear-Seat-Units via MOST150

Im Gegensatz zu den aktuellen Systemen, die nach dem Master/Slave-Prinzip arbeiten und bei denen die gesamte Anwendungssteuerung auf der Head-Unit abläuft, werden in zukünftigen Systemen die für die Fond-Passagiere verfügbaren Funktionen von sogenannten Rear-Seat-Units, die mit der Head-Unit über einen MOST150 Bus verbunden sind, bereitgestellt. Benutzerschnittstelle und Anwendungen für die hinteren Passagiere werden auf diesen Rear-Seat-Units ausgeführt. Bild 1 zeigt einen Vergleich der aktuellen und der künftigen Systemarchitektur.

Zugriff auf Internet und Web-Browser von allen Sitzen aus

Bild 1: Vergleich der aktuellen Systemarchitektur mit der der nächsten Generation (Bild: Daimler)
Bild 1: Vergleich der aktuellen Systemarchitektur mit der der nächsten Generation (Bild: Daimler)
In künftigen Systemen ist es wichtig, dass der Zugriff auf Internet-Dienste und Web-Browser von allen Sitzplätzen aus möglich ist. Daher muss sichergestellt werden, dass IP-Daten effizient über den MOST150 Bus übertragen werden können, im Besonderen vor dem Hintergrund steigender Datenraten mobiler Netzwerke (zum Beispiel LTE).

Enorm gestiegene Anforderungen in Sachen Bandbreite

Schließlich sind die Anforderungen an die Bandbreiten für bestehende Funktionen stark angestiegen. Gründe dafür sind unter anderem die verstärkte Verwendung von Meta-Daten bei Musikstücken (einschließlich Albumbildern), von Datendiensten bei digitalem Rundfunk (zum Beispiel die Wetter-Informationen des Sirius-Satelliten-Radios in den USA), der Zugriff auf Videodateien auf Speichermedien und der Zugriff auf HTML-basierte Informationsinhalte, die ein Gerät einem anderen Gerät im System zur Verfügung stellt. Alle diese Funktionen müssen zusätzlich noch im Kontext eines Mehrbenutzersystems realisiert werden.

Management-Dienste für ein Mehrplatzsystem

In einem hochdynamischen Mehrplatzsystem sind stabile Management-Mechanismen, ins Besondere zur Kontrolle der Audio- und Videoverbindungen, sehr wichtig. Bei MOST150 werden Management-Mechanismen in der MOST-Spezifikation 3.0 definiert, die auf Grundlage der bewährten Mechanismen von MOST25 weiterentwickelt wurden. Deshalb können geeignete Konzepte beispielsweise für die Fehlerbehandlung weiter genutzt werden.

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