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Montage des Kernfusionsreaktors Iter beginnt in Frankreich

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Mit einem offiziellen Festakt ist am Dienstag dem 28. Juli 2020 die Montage des Tokamak-Reaktors Iter gestartet. Der unter internationaler Beteiligung entstehende Fusionsreaktor soll 2025 im französischen Saint-Paul-lez-Durance den Betrieb aufnehmen.

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In den vergangenen zwei Monaten sind mehrere massive Erstausrüstungskomponenten auf dem ITER-Gelände eingetroffen. In der virtuellen Anwesenheit des französischen Präsidenten Emmanuel Macron feierten die Regierungschefs der ITER-Mitglieder am Dienstag, den 28. Juli 2020, den Beginn der Montage des Tokamak-Fusionsreaktors.
In den vergangenen zwei Monaten sind mehrere massive Erstausrüstungskomponenten auf dem ITER-Gelände eingetroffen. In der virtuellen Anwesenheit des französischen Präsidenten Emmanuel Macron feierten die Regierungschefs der ITER-Mitglieder am Dienstag, den 28. Juli 2020, den Beginn der Montage des Tokamak-Fusionsreaktors.
(Bild: ITER)

Beim Bau des internationalen Kernfusionsreaktors Iter für eine klimafreundliche Energiegewinnung hat ein wichtige nächste Etappe begonnen. Das Iter-Projekt sei ein Akt des Vertrauens in die Zukunft, sagte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron am Dienstag im Rahmen einer Online-Feier zum ersten Schritt der Montage des Tokamak-Fusionsreaktors in Südfrankreich.

Iter sei ein Versprechen des Friedens und zeige, dass das, was Menschen zusammenbringe, stärker sei als das, was sie trenne, sagte Macron in einer Videobotschaft. Er sei stolz, dass Frankreich Gastgeber dieses Projekts für die "Zukunft der Menschheit" sei.

Kernfusion für eine umweltfreundlichere Energieversorgung

Befürworter erhoffen sich von der Kernfusion eine klimafreundliche, nahezu unendlich verfügbare Energiequelle. Iter-Kritiker halten dagegen, dass die Technologie angesichts des Aufstiegs erneuerbarer Energien zu spät komme. An dem Iter-Projekt sind insgesamt 35 Länder beteiligt.

Der Start der Montage sei ein historischer Moment, sagte Iter-Chef Bernard Bigot. Es sei eine einzigartiges Vorhaben und Beispiel für internationale Kooperation. Der härteste Teil der Arbeit, die Montage, liege aber noch vor dem Team, so Bigot. Der Aufbau sei wie ein riesiges 3D-Puzzle, das unter Beachtung des Zeitplans zusammengesetzt werden müsse.

Anlässlich der Online-Feier schickten neben Macron unter anderem auch EU-Energiekommissarin Kadri Simson und Südkoreas Präsident Moon Jae In Videobotschaften. Die beteiligten Länder begrüßten den Meilenstein des Projekts.

Virtueller Rundgang durch die Baustelle und wesentliche Maschinenelemente

Zuvor wurden bei einer Video-Führung auf der Baustelle bei Cadarache, rund 60 Kilometer nordöstlich der Hafenmetropole Marseille, die Großbauteile des Reaktors präsentiert. An dem Projekt sind neben der EU die USA, Russland, China, Indien, Japan und Südkorea beteiligt.

Der Kernfusionsreaktor soll seinen Betrieb im Jahr 2025 aufnehmen. Dann solle das erste Plasma eingesetzt werden und Physiker mit Experimenten beginnen können, erklärte Iter-Chef Bigot. Sind diese erfolgreich, ist demnach geplant, dass ab 2035 industriell Elektrizität mit dem Reaktor produziert wird.

Der Reaktor Iter soll Energie aus der Verschmelzung von Wasserstoff-Atomen erzeugen und damit die Funktionsweise der Sonne imitieren. Die Kosten werden auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt. Die Arbeiten hatten 2010 begonnen.

Das folgende Video ist eine Aufzeichnung der Live-Zeremonie, inklusive virtueller Führung durch den Reaktor und Pressekonferenz, und startet bei 0:06:52.

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